Hamburgs lauteste Sauna

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Das Logo an der Grindelallee hat in seinen 40 Jahren Musikgeschichte geschrieben. Nach dem Krieg wurde der Flachbau zuvor bis 1974 als Möbelgeschäft genutzt Foto: wb

Musikclub Logo feiert 40-jähriges Bestehen. Umzug ist nicht geplant

Hamburg. Der unauffällige, gedrungene Flachbau an der Grindelallee 5 hat schon großen Namen als Spielstätte gedient, die heute mühelos auf jedem Kontinent riesige Hallen und sogar Stadien mit Fans füllen. So haben schon Bands wie Rammstein, Queens of the Stone Age, Papa Roach, 3 Doors Down oder Slipknot zu Beginn ihrer Karriere hier, in einem der kleinsten Konzertsäle der Stadt live aufgespielt – im Logo, das im September seinen 40. Geburtstag als Konzert-Location feiert. Rund 300 Zuhörer passen in den schwarz gestrichenen Raum, dessen Decke größere Besucher mit der ausgestreckten Hand erreichen können. Ist das Logo ausverkauft und die Musik mitreißend, tropft schon lange vor der letzten Zugabe der Band das Schwitzwasser von der Decke. Diese wird von Holzbalken gestützt, zwischen denen Tischbretter als Abstellfläche für Gläser und Bierflaschen dienen. „Hamburgs lauteste Sauna“ heißt das Logo unter Stammgästen daher auch. Ursprünglich nach dem Krieg als Möbelgeschäft errichtet, diente der Bau ab 1974 als Studentenkneipe, in der es neben günstigem Essen auch ab und zu Live-Musik gab. Schon bald gab es jedoch durchgängig allabendlich Konzerte und nur noch ab und zu etwas zu essen. Das war die Zeit, als Künstler wie Karl Dall, Inga Rumpf, Mike Krüger, Achim Reichel, Torfrock oder Jürgen von der Lippe noch junge Künstler waren. Sie alle standen damals auf der wohl einzigen Bühne der Welt, in deren Mitte eine Deckensäule den Interpreten im Weg steht.

Intime Atmosphäre

Leidenschaftliche Konzertgänger durften in der intimen Atmosphäre des Logos, dessen Bühne kaum einen halben Meter hoch ist, international gefeierte Singer Songwriter wie Natalie Merchant, Heather Nova, Jeff Buckley, Ben Harper oder die Schwedin Sophie Zelmani aus nächster Nähe erleben. War das Logo in den 1990er-Jahren noch in seiner Größenklasse eine unangefochtene Adresse, wuchs die Konkurrenz ab der Jahrtausendwende zunehmend. Besonders auf der Reeperbahn und in ihrem Umfeld öffneten zahlreiche kleinere Musik-Klubs.

Konzerte bis Februar

Seit einigen Jahren rücken nun die Immobilienentwickler dem Logo im enger aufs Grundstück. Im gesamten Umfeld der unteren Grindelallee entstanden einige mehrgeschossige Neubauten mit Laden- und Büro- und Wohnflächen. Ein Neubau ist auch auf dem Logo-Grundstück längst im Gespräch. Doch bislang scheiterte stets die Suche nach einem neuen Asyl fürs alte Logo, wie etwas auf dem benachbarten Campus oder in einem alten, denkmalgeschütztem Tankstellengebäude vor den Grindel-Hochhäusern. Und so reichen auch heute schon die geplanten Konzerte auf der Homepage des Logos bis in den Februar 2015 hinein. (ho)
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