Hamburgs Markthändler setzen auf Stoffbeutel

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Die Initiatoren: Uwe Quentmeier, Marion Palm und Ernst Prigge (v. l.) Foto: Haas

Auf dem Goldbekmarkt in Winterhude haben Marion Palm und ihr Kollegen die Plastiktüte abgeschafft

Winterhude Am vorigen Sonnabend fanden sie reißenden Absatz, nach dem Motto „Weg von der Plastiktüte – hin zum Stoffbeutel.“ Der Goldbekmarkt – „mitten in Winterhude“ bekam eigene Stofftaschen. Sie hatten die Idee, ergriffen die Initiative und überzeugten schon ein Drittel ihrer Kollegen: die Markthändler Marion Palm, Ernst Prigge und Uwe Quentmeier. „Wir wollten wenigstens im Kleinen ein Zeichen setzen. Plastic World ist schließlich in aller Munde“, sagt Uwe Quentmeier, der Spezialist für Kaffeesorten, der auch sortenreine Olivenöle und leckere Panini an seinem antik-grauen Citroën-Lieferwagen anbietet. „Plastik treibt inzwischen in unseren Meeren und braucht an die Tausend Jahre, bis es zersetzt ist.“ Zudem sei es erschreckend, dass jetzt sogar Zahnpasta, Duschgels oder Peelings mit Mikroplastik versetzt sind, findet Marion Palm. Seit 36 Jahren verkauft die Markhändlerin aus Finkenwerder die Äpfel, Birnen und Zwetschgen von ihrem Obsthof auf dem Goldbekmarkt. Besonders begehrt sei ihr rötlicher Apfelsaft aus der uralten Sorte „Weirouge“. Ernst Prigge toppt seine Kollegin: Er sei seit bald 50 Jahren auf dem Wochenmarkt, zudem der einzige, der schon um 3 Uhr früh aufstehen müsse, um pünktlich um 8 Uhr seinen Stand am Goldbekufer zu öffnen. Obst und Gemüse bietet sein Team dann an. „Nur Wirsing, Weiß- und Rotkohl gehen heute schlecht“, klagt Prigge, obwohl die gerade Saison hätten. „Aber die Leute kochen und essen eben einfach anders“, beobachtet der Markthändler. „Vielleicht sollten wir demnächst auch Kochrezepte anbieten?“ Unterdessen verteilen die Initiatoren gut gelaunt die Stofftaschen an ihre Marktkunden und ernten Lob für die Initiative. Man kennt sich seit langem. „Als kleine inhabergeführte Einzelhändler sind wir eben ganz nah dran an unseren Kunden“, erklärt Uwe Quentmeier. „Wir überzeugen sie von unseren Produkten. Da ist es einfach ein Unding, sie in Plastiktüten zu verpacken.“ Sein Standnachbar Tarik Baltici stimmt zu. Ein buntes Sortiment an Pilzen hat er im Angebot, wenn Kunden die nicht sorgsam verpacken, wären sie auf dem Nachhauseweg schnell zerquetscht. Schon deshalb ist Baltici überzeugt von den Stoffbeuteln – ebenso wie etwa Elena Risi und Wolfgang Werth: „Wir müssen unsere Kunden doch nicht lange überzeugen.“ Auch ihr Stand hat großen Zulauf, sie verkaufen Bio-Gemüse. (wh)
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