Hilfe auf Augenhöhe

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Dr. Ulf Bauer (l.) mit einem Kollegen aus Deutschland im Kreise eritreischer Ärzte, mit denen er ein kollegiales Verhältnis pflegt Foto: Nina Bauer /wb

Hamburger Ärzte unterstützen Kollegen in Eritrea bei Ausbildung

Eppendorf. Sie helfen unentgeltlich, damit andere in einem armen Land Ostafrikas helfen können. Chirurg Dr. Ulf Bauer von der Facharztklinik an der Martinistraße und Kollegen, die er ebenfalls dafür begeisterte, fahren seit einigen Monaten regelmäßig nach Eritrea und kümmern sich um die Ausbildung des dortigen medizinischen Nachwuchses.


„Sie sind sehr wissbegierig und machen Fortschritte“, freut sich Ulf Bauer über die Mediziner in Eritrea. Der 72-jährige Chirurg erzählt begeistert und viel von den eritreischen Ärzten. Man merkt es gleich: Es ist ihm eine Herzensangelegenheit. 2005 war er zum ersten Mal in dem rund 121.000 Quadratmeter großen Land am Roten Meer. Ein Freund vom Hammer Forum, einer 1991 gegründeten Initiative zur Hilfe von Kindern in Krisengebieten und zur Fortbildung von Ärzten und Pflegepersonal in diesen Ländern, hatte ihn ermuntert, mitzumachen. Für jeweils zwei Wochen arbeitete Bauer mit an der Ausbildung der eritreischen Ärzte und an der medizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Hauptstadt Asmara. Doch so manches befriedigte ihn nicht. „Nur 14 Tage dort zu sein und nicht zu wissen, ob Dinge, die ich angeschoben hatte, weiter gemacht werden oder nicht, war unbefriedigend“, erzählt Ulf Bauer.

Spezielle Hilfe für Frauen

Auch die Arbeit im Rahmen einer Organisation hielt er nicht für optimal. Bauer begann die medizinische Hilfe für Eritrea selbst zu organisieren. Jetzt ist ein Dreierteam auf seine Anregung hin in dem ostafrikanischen Land tätig. Eine Anästhesistin, eine Gynäkologin und eine Krankenschwester fahren in regelmäßigen Abständen nach Asmara, um zu helfen. „In diesen Bereichen fehlen Fachärzte am meisten“, erläutert Ulf Bauer. Gynäkologen sind aus einem besonderen Grund sehr wichtig. Sie helfen den Frauen, die entscheidende Rollen in der eritreischen Gesellschaft spielen. „Der Fokus vieler Hilfsorganisationen liegt auf den Kindern. Das ist wichtig. Aber dabei werden die Frauen vergessen, die ganze Familien ernähren. Stirbt eine Frau, dann geraten oft viele Kinder erst in Not“, erläutert Ulf Bauer. Der Chirurg versucht vor allem die Kontinuität der Hilfe aus Hamburg zu gewährleisten. Aus- und Weiterbildung der eritreischen Ärzte steht dabei im Mittelpunkt. „Auf Augenhöhe“, wie Ulf Bauer betont. „Entwicklungshilfe machen wir nicht.“ Das ist dem Hamburger Arzt ganz wichtig. Er hat gemerkt, dass die Mediziner aus dem ostafrikanischen Land auch deshalb so motiviert sind, weil die Hamburger Ärzte als gleichberechtigte Kollegen auftreten, nicht als besserwisserische Europäer. „Alle Arbeitsfelder und Maßnahmen werden gemeinsam mit den lokalen Partnern definiert. Wir stehen im kontinuierlichen Austausch“, betont Ulf Bauer, der mit seinem Team auch Kulturprojekte in Eritrea unterstützt. Realisiert durch Spenden und Sponsoren. Und der seinen Kollegen in Eritrea immer sagt: „Wir sind gern bei euch.“ (ch)
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