Hilfe bei Verschuldung

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Ein halbes Jahr wurde Helga Kraft (Name von der Redaktion geändert) von Eva Müffelmann (links) beraten Foto: Flüß

Eva Müffelmann berät beim DRK immer mehr Senioren. Beratung am 18. Juni

Rotherbaum Nach dem Tod ihres Mannes geriet Helga Kraft (70, Name geändert) aus Rotherbaum in eine Schuldenspirale. Sie ist kein Einzelfall: Die Zahl der verschuldeten Senioren in Deutschland steigt. Erst auf Drängen ihrer Tochter nahm sie professionelle Hilfe in Anspruch.
Der Kredit, den Helga Kraft zusammen mit ihrem Mann aufgenommen hatte, wurde nach dessen Tod zu hoch. Für die Bestattungskosten ihrer Mutter nahm sie einen zweiten Kredit auf und empfand ihre Situation bald als ausweglos: „Ich war mit den Nerven am Ende. Meine Tochter hat gesagt, dass wir etwas tun müssen.“ Sich ihrer Tochter anzuvertrauen, kostete Helga Kraft viel Überwindung. „Die Kinder sollen nicht belastet werden“, weiß Diplom-Wirtschafts- und Arbeitsjuristin Eva Müffelmann aus Erfahrung. Die 41-Jährige steht seit neun Jahren Hilfesuchenden in der Schuldnerberatung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) am Behrmannplatz zur Seite. „Der Anteil der über siebzigjährigen Schuldner in Deutschland wächst und wird perspektivisch wohl weiter ansteigen“, so Eva Müffelmann.

Anstieg von 20 Prozent


Laut Schuldner-Atlas waren im vergangen Jahr 23.000 Senioren mehr verschuldet als im Vorjahr, das entspricht einem Anstieg von 20 Prozent. „Die Dunkelziffer schätze ich extrem hoch ein!“, sagt Eva Müffelmann. Denn gerade in dieser Altersgruppe sei die Scham sehr hoch: „Diese Generation weiß mit sehr wenig Geld auszukommen und sucht sehr spät Hilfe.“ Der Übergang vom Arbeitsleben in die Rente mit geringerem Einkommen sei häufig kritisch. „Die finanzielle Situation fällt oft erst auf, wenn Mietschulden entstehen“, so Müffelmann. Auch Helga Kraft konnte in einem Monat nicht ihre Miete überweisen. Sie ist froh, dass sie ihre Schwellenangst überwunden hat und zusammen mit Eva Müffelmann ihre Unterlagen durchgearbeitet hat. Um die Schuldner zu entlasten, bauen die Berater den Kontakt zu den Gläubigern auf. Helga Kraft wird nun über fünf Jahre ihre Schulden zurückzahlen. „Das ist machbar und bezahlbar“, freut sich Eva Müffelmann für ihre Klientin. „Ich kann wieder ruhig schlafen“, sagt Helga Kraft erleichtert. Ein halbes Jahr hat der Beratungsprozess gedauert. „Frau Kraft hat toll mitgearbeitet“, lobt Eva Müffelmann. „In der Regel dauert das ein gutes Jahr.“ Die öffentliche Sprechstunde der Schuldner- und Insolvenzberatung des DRK steht Ratsuchenden ohne Anmeldung offen.

Beratung am 18. Juni


Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung findet am Donnerstag, 18. Juni von 16 bis 20 Uhr ein Beratungsabend statt am Behrmannplatz 3, 22529 Hamburg. (flü)

Informationen zur Schuldnerberatung unter Tel. 554 20 – 121, schuldnerberatung@lv-hamburg.drk.de und www.lv-hamburg.drk.de
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