Hindenburgs letztes Gefecht

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Hat Rost angesetzt: Der Name Hindenburgstraße soll aus Hamburg-Nord verschwinden, fordert eine Mehrheit in der Bezirksversammlung. Foto: Biehl/hfr
 
Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg in einer zeitgenössischen Darstellung aus dem Kaiserreich. Als späterer Reichspräsident galt er vielen als „Ersatzkaiser“. Repro: Biehl

Mehrheit der Bezirksversammlung für Umbenennung der Hindenburgstraße

Von Bert C. Biehl
Alsterdorf/Winterhude. Was ein echter preußischer Feldherr ist, der gibt sich nicht so leicht geschlagen. Doch ob er auch die Schlacht gegen eine Phalanx aus Linken, Grünen, SPD und FDP gewinnen kann, ist fraglich. Diese Fraktionen der Bezirksversammlung bekannten sich am vergangenen Donnerstag dazu, die Hindenburgstraße umzubenennen. Paul von Hindenburg, unter dem Kaiser zu militärischem Ruhm gekommen, später zweiter Reichspräsident und sogar Hamburgs Ehrenbürger, würden quasi posthum die Epauletten vom Waffenrock gerissen. Den entsprechenden Beschluss will die Bezirksversammlung im Februar fassen. Die CDU wird dagegen stimmen. Die vorgesehene Umbenennung geht auf einen Antrag der Grünen zurück. Der Monarchist und Reaktionär Hindenburg, in der Weimarer Republik auch als „Ersatzkaiser“ belächelt, hatte am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler ernannt. Das war vor genau 80 Jahren – der Zeitpunkt des Antrags hat somit nicht unerhebliche Symbolkraft. Dieser Name sei heute nicht mehr passend, so die Grünen. Allerdings ist die Umbenennung umstritten. CDU-Fraktionschef Andreas Schott: „Es ist nicht sinnvoll, Straßennamen je nach politischer Stimmungslage zu ändern.“ Dann müsse man zum Beispiel auch mal wieder über den Ernst-Thälmann-Platz diskutieren: „Das war ja auch kein lupenreiner Demokrat.“ Oder über das Generalsviertel in Eimsbüttel.

„87 Jahre sind genug“

Für die SPD-Fraktion bekannte Jörg Lewin hingegen: „87 Jahre Hindenburg sind genug.“ Er habe sich schon in den 1980-ern dafür stark gemacht, den Namen loszuwerden. Das war damals allerdings am SPD-Senat gescheitert, der „aus Gründen der historischen Kontinuität“ den Namen Hindenburg behalten wollte. Sarkastischer Kommentar eines Zuhörers: „Dann hätte man ja auch die Adolf-Hitler-Straße behalten müssen.“ Für die Straßennamen haben die Bezirke ein Vorschlagsrecht, die Entscheidung liegt allerdings beim Senat. Dort wolle man jetzt den Boden bereiten, so Lewin. Die Abstimmung werde daher auf Februar verschoben, und auch deshalb, weil der Koalitionspartner FDP noch internen Diskussionsbedarf habe.

Fauler Kompromiss?

Der Bürgerverein Alsterdorf plädiert für den Behalt des Straßennamens: „Die Historiker bewerten die Person Hindenburg höchst unterschiedlich“, wendet die Vereinsvorsitzende Hilde Lüders ein. Für die Anwohner der seit 87 Jahren bestehenden Straße sei der Name auch ein Stück weit Heimat. Kritiker des Namens Hindenburg befürchten nun, dass es im Senat einen „faulen Kompromiss“ geben könne. Wie einst in Langenhorn im Falle der Weygandtstraße. Die war ursprünglich 1960 nach dem Psychiater Wilhelm Weygandt benannt worden. Der war allerdings in das Euthanasieprogramm der Nazis verstrickt. 1998 wurde die Straße einfach umgewidmet: nach Friedrich Weygandt, einem Beamten des Erzbischofs von Mainz, der 1525 wegen seiner Reformbestrebungen hingerichtet wurde – was mit Hamburg allerdings rein gar nichts zu tun hat. Doch unverdächtige Namensträger gibt es auch im Fall Hindenburg. Allerdings: „Das wäre Geschichtsklitterung – ein solches Vorgehen halte ich für undenkbar“, sagt Jörg Lewin. Er setzt sich für eine Beteiligung der Öffentlichkeit im Namensstreit ein. (hfr)
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