Hoffen auf Station am Fährdamm

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„Manni“ ist der ganze Stolz der DLRG-Flotte auf der AlsterFotos: Hanke
 
Gekentert auf der Alster: Ein Fall für die DLRG

DLRG-Forderung liegt jetzt im Sportausschuss der Bürgerschaft

Von Christian Hanke
Alster. „Manni“ gibt Gas. Die dreiköpfige Besatzung des Motorbootes der Deutschen Lebens-Rettungs Gesellschaft (DLRG) hat ein gekentertes Segelboot entdeckt, nimmt Kurs auf die Unglücksstelle mitten auf der Außenalster. „Kommt ihr klar?“, ruft Julia Evers (20), die das Boot steuert, den beiden Skippern zu, von denen der eine im Wasser schwimmt und der andere auf dem Kiel-oben-liegenden Boot sitzt. Die beiden glauben, sich selbst helfen zu können. „Manni“ dreht wieder ab, fährt rund acht Stundenkilometer schnell über Hamburgs beliebten „See“.
Das Boot ist das neueste und größte des ehrenamtlich auf der Alster tätigen Vereins: 5,40 Meter lang, rund 2,55 Meter breit, ausgerüstet mit Funkgeräten, Defibrillator, Sauerstoff und Erste-Hilfe-Tasche sowie einer Viertakt-Pumpe, um Wasser aus Booten zu pumpen, die ohne eine derartige Hilfe nach dem Kentern nicht wieder aufgerichtet werden könnten.
Heute haben Bernhard Haenel, der Vorsitzende der DLRG Wandsbek, die für die Alster zuständig ist, und zwei Jugendliche, Julia Evers und der 14-jährige Jonathan Abls Dienst. Zwei von 15 bis 20 Jugendlichen, die derzeit für die DLRG auf der Alster unterwegs sind. 30 Mitglieder teilen sich den Dienst. „Aber nur zehn sind immer dabei. Der Dienst ruht auf zu wenigen Schultern“, schränkt Bernhard Haenel ein, der sich daher intensiv um Nachwuchs bemüht. Doch gegen die vielen Freizeitmöglichkeiten der Jugendlichen hat die DLRG nur selten eine Chance. „Wir kämpfen gegen alle elektronischen Einrichtungen. Hier müssen die Jugendlichen tatsächlich da sein und nicht nur virtuell“, erzählt der DLRG-Leiter. Wenn die Lebensretter dem Nachwuchs wenigstens neben dem Dienst etwas Freizeit an einem Treffpunkt bieten könnten, an dem die jungen Mitglieder sich aufhalten, auch ´mal übernachten oder feiern könnten! Damit, so Haenel, wäre viel gewonnen.
Einen festen Standort an der Alster wünschen sich die ehrenamtlich tätigen Lebensretter schon lange. „Wir könnten viel mehr Präsenz zeigen. Uns schwebt ein Mobilheim vor“, berichtet Bernhard Haenel.
Einen Wunschplatz hat die DLRG-Wandsbek auch schon. Julia Evers steuert „Manni“ zum Anleger Fährdamm und dem benachbarten Cliff. Neben dem Bistro-Restaurant hat der Alster-Jugend-Segelclub (Ajus) sein Gelände. In deren Nachbarschaft kann sich die DLRG vorstellen, ein Mobilheim aufzustellen. Derzeit sind die Boote der Lebensretter bei zwei Sportvereinen (bald nur noch bei einem) untergebracht. Ihr Gerät liegt bei der Wasserschutzpolizei am Anleger Rabenstraße. Auf der Alster kann die DLRG deshalb nur bei Regatten an Wochenenden und am Mittwoch im Sommerhalbjahr Präsenz zeigen.
Nach dem tödlichen Unfall eines Jungen auf der Alster am 19. April unterstützen nun endlich auch Politiker die Forderung der DLRG nach einem Standort an der Alster. Die Grünen haben einen entsprechenden Prüfantrag in der Bürgerschaft gestellt, der in den Sportausschuss überwiesen wurde. Die Bezirksversammlung Eimsbüttel hat die drei Leiter der Bezirke, die an die Alster grenzen, aufgefordert, nach einem Standort für die DLRG zu suchen. Heiko Mählmann, der Hamburger Landesvorsitzende der DLRG sieht diese Aktivitäten der Politik als ein „erfreuliches Signal“ und „ersten guten Schritt“. „Wir sind froh, dass die Politik überhaupt einmal tätig wird“, so Mählmann: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“
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