Hunde weg vom Isebek?

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Mit ironischen Verbrecherfotos wehrt sich die Kaifu Dogs-Initiative gegen die Abschaffung der Hundewiesen Foto: Ziska Kausch/wb
 
Bismarckstraße: Auch am nördlichen Isebek-Ufer kennt man sich und trifft sich zum entspannten Plausch Foto: Haas
Hamburg: Weidenstieg |

Streit um Isebekpark-Konzept: Tierbesitzer fordern Freilauf für ihre Vierbeiner

Von Waltraut Haas
Hoheluft
Das Ende eines zehn Jahre langen Konflikts scheint besiegelt: Der „Runde Tisch Isebek“ legte ein Konzept vor, der Kerngebietsausschuss der Bezirksversammlung Eimsbüttel segnete es ab. Beteiligte Interessengruppen waren zufrieden. Doch die Hundehalter sind empört: Ihre Vierbeiner dürften im künftigen Isebekpark nur noch angeleint Gassi gehen. Zwei Hundeauslaufflächen sollen wegfallen: für „Langgras-Wiesen“, die niemand betreten darf.

KaifuDogs-Initiative protestiert


„Erst im Januar erfuhren wir von diesem absurden Konzept, das Hunde regelrecht kriminalisiert“, sagt Jule Thumser, Vorsitzende der Hundelobby und Sprecherin der KaifuDogs-Initiative, die aus Protest Hunde in der Manier von „Verbecherfotos“ auf Facebook zeigt und ihre Forderung seit vergangenen Donnerstag im Netz präsentiert: „Keine Leinenpflicht im Isebekpark für leinenbefreite Hunde nach § 9 Hamburger Hundegesetz.“ Ihr Anliegen sei den Gremien der Bezirksversammlung seit Januar bekannt. „Doch die rot-grünen Bezirkspolitiker haben uns in Gutsherrenart schlicht ignoriert.“ Zuletzt bei der Sitzung des Kerngebietsausschusses am 20. März seien ihre Bürgerfragen „arrogant abgeschmettert“ worden – mit Verweis auf den Tagesordnungspunkt 4, der dann aber vertagt wurde: „Vorstellung des Prüfungsergebnisses hinsichtlich der Möglichkeiten zur gewünschten Einrichtung einer Hundeauslauffläche bei der ökologischen Neugestaltung des Isebekparks“ so der vielversprechende Titel auf Amtsdeutsch. Am Sonntag, 9. April, sammelt die streitbare Initiative wieder Unterschriften an Info-Ständen vor Ort. Motto: „Jetzt reicht’s. Das Kaifu ist für alle da!“ Info: www.kaifudogs-initiative.de

„Konfrontationskurs ist völliger Schwachsinn!“


Entlang der Isebek wird seit eh und je ein freundliches Miteinander gelebt. „Auch wir Hundehalter lieben die Natur, sind hier an 365 Tagen vor Ort. Den Erfolg der beiden Isebek-Bürgerbegehren ermöglichten wir mit unserer Unterschrift“, betont ein Spaziergänger, der seinen Rüden am Kaiser-Friedrich-Ufer ausführt. Indessen begrüßen sich vier Hunde freudig und tollen auf dem Rasen. Zwei Sonnenanbeter machen es sich gemütlich auf dem noch spärlichen Gras. „Völlig fehl am Platz in einem so dicht besiedelten Viertel“ seien Langgraswiesen anstelle der Hundeauslaufflächen, ergänzt Anwohner Harald Bruhn. Das bereits seit Jahrzehnten gewachsene Biotop am unzugänglichen Steilufer des Kanals könnten selbst – wenige – unerzogene Hunde kaum stören. Wie bestellt schwimmt gerade ein Graugans-Paar vorbei. Im Wechsel tauchen Reiherenten und Blässrallen auf. Sonst im Gebüsch gut getarnt, jagt ein scheuer Eisvogel blitzschnell übers Wasser. „Demnächst kommen auch die Schwäne wieder“, erklärt eine Passantin. Sie hätten im Vorjahr hier erfolgreich gebrütet. Die Hundehalterin engagiert sich als Nabu-Mitglied für die Stadtnatur, möchte anonym bleiben. „Es fehlt noch, dass sich jetzt Naturschützer und Hundehalter beharken. Dieser Konfrontationskurs ist völliger Schwachsinn.“

Straßen-Sperrungen


Warum kann nicht alles bleiben wie es ist? Stärkstes Argument: 30 Brutvogelarten kommen hier bereits seit Jahrzehnten vor. Erlen, Weiden und dichtes Gebüsch säumen die Steilufer des lange malträtierten Flüsschens. Es entspringt zwar in Bahrenfeld, aber erst am Weidenstieg fließt es oberirdisch träge zur Alster hin. 2018 soll der Isebekpark eingeweiht werden. Seine „ökologische Aufwertung“ kostet rund eine Million Euro. Dafür werden auch lange vernachlässigte Wege endlich saniert. Abschnittsweise erfolgen Sperrungen: Während der Bereich zwischen Weidenstieg und Kaifu-Lodge fast fertig ist, bleibt seit 27. März der Abschnitt zwischen Bundes- und Bogenstraße für zwei Monate für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Ab Mai folgt der letzte Abschnitt bis zur Hoheluftbrücke.

Am Sonntag, 9. April, sammelt die streitbare Initiative wieder Unterschriften an Info-Ständen vor Ort. Motto: „Jetzt reicht’s. Das Kaifu ist für alle da!“ Weitere Infos: www.kaifudogs-initiative.de

Der Isebek-Rückblick


Der Isebekpark zwischen Weidestieg und Hoheluftbrücke ist einem historischen Kompromiss zu verdanken. 2007 plant der Bezirk Eimsbüttel den Ausbau des Isebek-Ufers zu einer kommerziellen Flaniermeile mit großzügigen Uferterrassen, Bootsanlegern und Cafés. An der Hoheluftbrücke ist anstelle von Imbissbuden und Bunker ein mehrstöckiges Kontorhaus geplant. Dagegen formiert sich ab 2008 massiver Protest der Initiative „Hände weg vom Isebek“. Nach zwei erfolgreichen Bürgerbegehren wird trotzdem gebaut: Anstelle des „Büro-Klotzes“ entsteht das inzwischen fertiggestellte Wohngebäude mit Geschäften am Wendehammer des Kaiser-Friedrich-Ufers. Doch der Grünzug am Kaifu wird offiziell als Park ausgewiesen. Ende 2016 legt der professionell moderierte „Runde Tisch Isebek“ sein Konzept vor. Beteiligt sind Interessengruppen, die möglichst viele Bedürfnisse berücksichtigen: Wege, Liegewiesen, Bolz- und Spielplatz sowie Bootsanleger werden beibehalten und mit Hecken aufgehübscht, dazu ökologisch wertvolle Teichrosen und Röhrichte an geschützten Uferzonen angelegt. Mehr Fahrradstellplätze soll es an der Hoheluftbrücke geben. Einziger Stein des Anstoßes: die Abschaffung der beiden Hundeauslaufflächen – für zwei ebenso strittige Langgraswiesen. Denn dort soll es künftig heißen: „Betreten verboten!“ (wh)


Weitere Infos: Runder Tisch zum Isebek-Grünzug; Projektgruppe Stadtnatur Hamburg; KaifuDogs-Initiative
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