Hymne für Integration

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Neun bosnische Jugendliche proben im Kulturhaus Eppendorf ein Stück, das auf einer alten bosnischen Ballade beruht. Autorin Emina Kamber (2.r.), ihre Assistentin Helena Volic (r.) sowie die Lehrerinnen Jasmina Sarac (l.) und Ademina Scheper (2.v.l.) werden sie mit acht deutschen Jugendlichen zusammen spielen lassen Foto: Hanke

Kulturhaus Eppendorf: Deutsche und bosnische Jugendliche spielen Theater

Eppendorf Sie sind erst kürzlich angekommen in Hamburg, die neun Jugendlichen aus Sarajevo, der Hauptstadt Bosniens, die jetzt im Kulturhaus Eppendorf sitzen und gespannt auf die erste Theaterprobe in Hamburg warten. Auch in Bosnien hatten sie schon geprobt, gemeinsam mit acht Schülerinnen und Schülern aus Hamburg. Alle 17 wirken an einem interkulturellen Projekt mit, das Emina Kamber aus Hoheluft initiiert hat.
Die bosnische Autorin, die seit 1968 in Hamburg lebt und sich seit dem Jugoslawien-Krieg literarisch und mit interkulturellen Begegnungen für den Frieden in ihrer Heimat einsetzt, ist 2. Vorsitzende des Verbandes deutscher Schriftsteller in Hamburg. 1996 erhielt sie die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Nun leitet sie ein weiteres interkulturelles Projekt, wie schon seit 14 Jahren. Seitdem unterstützt sie die Edmund-Siemers-Stiftung, für die Emina Kamber die Projekte zu Südosteuropa umsetzt. Auch das aktulle Vorhaben finanziert die Siemers-Stiftung. Es wird außerdem vom Goethe-Institut Sarajevo gefördert.
Die Volksballade „Hasanaginica“ will Emina Kamber mit den Schülerinnen und Schülern in Szene setzen, eine Ballade aus dem 17. Jahrhundert, die der bosnische Autor Alija Isakovic dramatisiert hat. „Die ist wie eine Hymne in Bosnien. Es gibt kein Theater, keine Schule, die sie nicht schon gespielt hat“, erzählt Emina Kamber. Sie wurde in 150 Sprachen übersetzt.

Unglückliche Ehe


Emina Kamber hat jetzt die deutsche Übersetzung des Theaterstücks geliefert. Eine unglückliche Ehe steht im Mittelpunkt der Ballade. Eine intelligente Frau wird mit einem machtbewussten Mann verheiratet. Die Ehepartner stammen aus dem Osmanischen Reich beziehungsweise aus Venedig. Eine Beziehung zwischen Orient und Okzident. Während die Frau versucht den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen. Ihr Mann dagegen will Krieger aus ihnen machen. „Das ist wie eine Botschaft. Integrationsarbeit hoch drei“, findet Emina Kamber.
Im Frühjahr 2016 soll Premiere sein. Gemeinsam proben können die Darsteller selten. „Die deutschen Jugendlichen bekommen nicht frei, weil keine Ferien sind“, erzählt Emina Kamber. Die bosnischen Schulen waren da flexibler. Als die deutschen Schüler kürzlich Bosnien besuchten, konnten sie mit ihren bosnischen Mitspielern gemeinsam proben.
Die bosnischen Jugendlichen können gut deutsch. „Deutsch kann man bei uns als zweite Fremdsprache lernen. Wir raten es ihnen“, erzählt Lehrerin Jasmina Sarac, die als Flüchtlingskind nach Deuschland kam und als Lehrerin nach Bosnien zurückkehrte. Jetzt begleitet sie die bosnischen Jugendlichen in Hamburg zusammen mit ihrer Kollegin Ademina Scheper.
„Ich kann noch gar nicht glauben, dass wir in Hamburg sind. Es ist so schön, dass wir alle diese Chance bekommen haben“, strahlt die 14-jährige Hanna, und ihre gleichaltrige Mitschülerin Sejla war so aufgeregt, dass sie vor der Reise nicht schlafen konnte. Das erzählen die beiden in fließendem Deutsch.
Die Jugendlichen wurden von den Lehrkräften ausgewählt. Emina Kamber ist begeistert: „Wir haben für alle Rollen genau die richtigen Charaktere.“ Am wichtigtsen ist ihr der interkulturelle Dialog. Darum stehen neben den Proben viele Ausflüge auf dem Programm. Die Deutschen haben schon etwas gelernt auf ihrer Reise in Bosnien. Sie waren fasziniert von dem Familienleben dort, dass alle an einem Tisch saßen und gemeinsam aßen. Oder wie alle sich dort gegenseitig helfen und in Armut improvisieren.
„Hasanaginica“ soll im März in Sarajevo uraufgeführt und danach in Hamburg gespielt werden. (ch)
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