Im „Café Knallhart“ sind Begegnungen erwünscht

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Der Kicker ist begehrt Foto: Frank Berno Timm

Hamburger Studenten engagieren sich gemeinsam mit Migranten auf dem Unicampus

Von Frank Berno Timm
Rotherbaum
Im „Café Knallhart“ auf dem Uni-Campus findet zweimal im Monat ein Café für Flüchtlinge statt. Studentinnen und Studenten engagieren sich dort gemeinsam mit Migranten – kürzlich wurde der erste Geburtstag gefeiert. Mohammad Alisada (30) spricht besser Deutsch, als er meint. Der Afghane lebt seit 16 Monaten hier. Voriges Jahr, erzählt Mohammad im „Café Knallhart“, hätte er in seiner Erstaufnahme Kontakt mit einer Deutschen bekommen, die ihm „UHH hilft“, das Flüchtlingsprogramm der Uni Hamburg, empfohlen habe. Der Weg zum zweimal monatlich stattfindenden „Refugee Welcome Café“ war dann nicht mehr weit, und inzwischen, erzählt Mohammad, gehört er zu den Organisatoren. Der Neu-Hamburger hatte in seiner Heimat als Dolmetscher für die Amerikaner gearbeitet und musste deshalb gehen. Zuhause hatte er eigentlich IT studiert und würde hier gern mit Sozialökonomie weitermachen – als nächstes steht die Aufnahmeprüfung für ein Studienkolleg an. Die Studenten, sagt Mohammad, „haben mir viel geholfen“ und es sei wichtig für sein Deutschlernen, hier zu sein. Studentin Lotta Papemeier (23) berichtet, zu den Cafés kämen 20 bis 60 Flüchtlinge. Die Cafébetreiber haben mit sechssprachigen Flyern Werbung in Erstaufnahmen gemacht, seien durch die verschiedenen Programme der Uni gezogen, hätten vom Café erzählt – das geschehe auch anders herum. Grundsätzlich, sagt die junge Lehramtsstudentin, teile sie den Eindruck, dass die in Hamburg lebenden Flüchtlinge sehr neugierig, im Sprachenlernen schnell und sehr aufnahmefähig seien. „Wir haben aber auch Leute, bei denen es nicht so losgeht“. Unter den Gästen sind viele Syrer und Afghanen, sagt Papemeier, aber: „Weibliche Gäste kommen gar nicht.“ Also versuchten die Studenten, Cafés nur für Frauen anzubieten – die liefen aber nicht so gut. Rund 20 Leute wären für die Organisation da, die Hälfte sei aktiv, Zuwachs ist erwünscht. Gibt es Sozialberatung für die Flüchtlinge? „Das versuchen wir schon“, sagt Lotta Papemeier, „die jungen Männer kommen mit vielen Anliegen.“ Sie schreibt schon mal die eine oder andere Mail, hilft bei Ausbildungsfragen und wenn sie an Punkte kommt, wo es nicht weitergeht, werden die Flüchtlinge weiter vermittelt. Auf die Frage, was die Arbeit mit ihr persönlich macht, huscht ein Lächeln über das Gesicht der jungen Frau. Es habe den Blick verändert, Freundschaften seien entstanden. Eine Zeitlang hat sie sich gefragt, warum sie hier, in Sicherheit, geboren sei – im Gegensatz zu den jungen Leuten, die fliehen mussten. Und Lotta Papemeier erzählt von einer Gruppe Germanistik-Doktoranden, die zum Café stießen und sich um das Deutschlernen kümmerten. Die hätten richtig Lust gehabt, das weiter zu machen, freut sie sich. Im Café herrscht Offenheit und Freundlichkeit. Unter den Organisatoren sind auch Studierende anderer Hamburger Hochschulen – die Vernetzung scheint zu funktionieren.

Refugees Welcome Café, jeden 1. und 3. Donnerstag ab 17 Uhr im Monat im Café-Knallhart, Von-Melle-Park 9
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