In Gedenken an Sonia

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Verwandte von Sonia Wechsler aus Israel ließen sich vor einem Porträt von ihr mit ihren beiden Kindern Ester (l.) und Meir und dem Stolperstein ablichten Foto: Hanke

Zur Stolpersteinverlegung für Sonia Wechsler kamen 20 Verwandte aus Israel

Von Christian Hanke
Harvestehude
So viele Gäste waren noch nie zur Einweihung eines Stolpersteins in Hamburg gekommen. 20 Angehörige von Sonia Wechsler aus Israel reisten kürzlich an, um bei der Verlegung des kleinen Steins vor dem Haus Hohe Weide 74 durch Künstler Gunter Demnig für ihre Großmutter, Urgroßmutter, Tante, Großtante dabei zu sein. Sonia Wechsler hatte hier im Erdgeschoss gewohnt. Sie war jüdischer Herkunft und litt seit etwa 1928 vermutlich an einer psychischen Erkrankung, was zu Aufenthalten in Nervenkliniken und schließlich zu einer dauerhaften Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt führte, zuletzt in der „Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn“. Am 23. September 1940 wurde sie zusammen mit 135 anderen Insassen im Rahmen des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten in die NS-Tötungsanstalt Brandenburg deportiert und dort mit allen anderen sofort ermordert. Diese Informationen hatte ihr Enkel Itamar Wexler erst im letzten Jahr herausgefunden. Wie viele Mitglieder der Familie Wechsler, die sich in Israel mit einem „x“ schreibt, lebt er dort. Sein Großvater und dessen vier Kinder waren in den 1930er Jahren nach Palästina ausgewandert, hatten Sonia Wechsler in Hamburg zurückgelassen. Ein Umstand, der in der Familie zum kollektiven Schweigen über ihr Schicksal geführt hatte. In Hamburg konnte Ingo Wille, Koordinator der Stolperstein-Verlegungen, der gerade den Transport vom 23.9.1940 aus der Pflegeanstalt Langenhorn nach Brandenburg recherchierte, das Geheimnis um Sonia Wechsler lüften. Die Ergebnisse seiner Recherchen, über die Itamar Wexler kürzlich bei einem Familientreffen berichtete, erschütterten die Wexlers und führten zu einem neuen Zusammengehörigkeitsgefühl, das sich nun in der Reise der 20 Angehörigen aus verschiedenern Generationen nach Hamburg niederschlug.
Vor dem Stolperstein für Sonia Wechsler, für den Frank Elster, ein Bewohner des Hauses Hohe Weide 74, die Patenschaft übernommen hat, versammelten sich die Gäste aus Israel zum Gebet, zu Gesang und Lesung. Ergreifende Ehrung für ein zweifach stigmatisiertes Opfer des NS-Regimes.
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