In Winterhude finden „queer Refugees“ Hilfe

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„Selbstbewusst andersrum“ – auch für Geflüchtete ist noch viel zu tun: mhc-Kollegen Michael Schilf, Marcus France, Steve Behrmann, und Wiebke Fuchs (v.l.) Foto: Haas

Magnus-Hirschfeld-Centrum unterstützt Schwule und Lesben, Bi- oder Trans-Menschen

Winterhude Einen Ort, an dem sie sich nicht verstellen müssen und der zugleich Austausch und Beratung bietet für alle ihre Fragen und Probleme: Den gibt es im Magnus-Hirschfeld-Centrum (mhc) seit Dezember für „queer Refugees“. Denn geflüchtete Schwule und Lesben, Bi- oder Trans-Menschen erleben aufgrund ihrer geschlechtlichen Orientierung in den Unterkünften nicht selten Mobbing und Diskriminierung. Gefördert vom Bezirksamt Nord treffen sich rund 20 Personen zweimal im Monat in der Gruppe „Safe Space“ im mhc am Borgweg. Ashraf, 26, war aus Syrien geflüchtet wie Dany, 20. Beide waren von Anfang an dabei und leisten Support als Sprachmittler und Moderatoren. „Anfangs gab es noch viele Mauern unter uns. Doch die konnten wir allmählich überwinden“, sagt Ashraf. „Alle schätzen inzwischen den Safe Space als einen Ort, an dem wir entspannt sein und unsere Probleme ansprechen können.“ Inzwischen seien sogar Freundschaften über WhatsApp entstanden.

Massive Diskriminierung


In Syrien gab es zwar eine Vielzahl von Schwulen, doch sie mussten ihr Anderssein verbergen. Dany zögerte deshalb nicht mit dem Coming-out gleich nach seiner Ankunft in Hamburg. „Hier kann ich endlich sein, wer ich bin“, schwärmt Dany, der sich wohlfühlt in der Berufsschule. Danach möchte er Zahntechniker werden. Von Vorbehalten unter Geflüchteten wissen die beiden jungen Männer allerdings aus diversen Unterkünften. „Das Problem ist auch: Viele queere Geflüchtete haben schon in ihren Herkunftsländern massive Diskriminierung und Feindseligkeiten erfahren“, erklärt mhc-Berater Steve Behrmann und erinnert an Todesurteile für Homosexuelle im Iran. „Alle Geflüchteten müssen jetzt akzeptieren, dass hier Respekt und Toleranz uns gegenüber herrschen. Das wird noch ein langer Lernprozess. Vielleicht schaffen Jugendliche diesen Weg schneller“, meint Ashraf, der die aktuelle Hamburg Pride Week in vollen Zügen genießt. Bei der CSD-Parade am Sonnabend komme er endlich mal ganz groß raus: als hinreißende Drag Queen. Das mhc unterstützt indessen auch die politischen Ziele der Hamburg Pride Week. Es gelte, „queer refugees“ bei Diskriminierung und Mobbing nicht allein zu lassen. „Sie brauchen eine geschützte Unterkunft, wie es sie in Berlin, Dresden oder Nürnberg bereits gibt“, fordern Steve Behrman, Marcus France, Wiebke Fuchs und Michael Schilf vom mhc. (wh)

Weitere Infos: www.mhc-hamburg.de
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