Jens Burg – der Kaffee lässt ihn nicht los

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Kaffeerösten auf traditionelle Art ist Handwerkskunst: Jens Burg kann die Sorte des Rohkaffees oft schon am Duft erkennen Foto: Haas
 
Jens Burg (Mitte) mit Betriebsleiter Erik Brockholz und Viktor Jung an der antiken Probatmaschine Foto: Haas

Hamburger Kaffeeröster mit Leidenschaft: Jens Burg ist seit 50 Jahren im Geschäft und beklagt das Aussterben der Traditions-Manufakturen. In seinem Museum hält der Eppendorfer die Geschichte der Röstereien lebendig.

Von Waltraut Haas
Eppendorf
„Schickimicki“ mag er nicht. Aber schon immer steht Jens Burg ein für Qualität auf hohem Niveau. Davon zeugt der herrliche Duft im Geschäft am Eppendorfer Weg. Rund 100 erlesene Sorten aus aller Herren Länder sind hier erhältlich.
Kunden von Rang und Namen beziehen hier ihren Kaffee, bekannt für die schonende Röstung auf klassische Art. Im 1923 gegründeten Familienbetrieb wird – nach alter Väter Sitte – der helle Rohkaffee immer noch langsam zu den aromareichen braunen Bohnen geröstet: Während 20 Minuten bei maximal 200 Grad wird Kaffee erst säurearm und dadurch richtig bekömmlich. Und das soll auch so bleiben, verspricht der 71-jährige Kafferöster und -experte, obwohl er sich allmählich aus dem Geschäft zurückziehen will.

„Seitdem bin ich Teilzeit-Rentner“


Schon im vergangenen Jahr übergab er die geschäftliche Hauptverantwortung an Holger Sturm von der Firma InterTee: Jetzt firmiert die Kaffeerösterei Jens Burg als GmbH. Sohn Jan, zuständig für Versand und Logistik, hält die Stellung.
„Seitdem bin ich Teilzeit-Rentner und arbeite nur noch an drei statt wie früher an sechs Tagen pro Woche“, sagt der Kaffeeröster aus Leidenschaft. Nach über 50 Jahren in der Branche sei aber immer noch seine Erfahrung gefragt. Vor allem in „beratender Mission“ ist er jetzt tätig. „Allmählich gewöhne ich mich an meine Freizeit.“ Die genießt er mit Ehefrau Bärbel. Gemeinsame Konzertbesuche stehen jetzt öfter an oder Ausflüge an die Ostsee. „Erst jetzt komme ich auch dazu, mal ausführlich zu lesen.“ Werke von Siegfried Lenz und Ernest Hemingway haben es ihm angetan.

Kaffeemuseum zieht in die HafenCity


Dennoch hat der „Teilzeit-Rentner“ viel vor. Das Kaffeemuseum Burg, seit 2003 in der Münsterstraße, zieht demnächst um. Der neue Standort in der Speicherstadt steht schon fest und wird künftig die Vielzahl von Exponaten beherbergen, die Jens Burg auf Flohmärkten oder beim Trödler, aus Firmennachlässen oder Haushaltsauflösungen erwarb: Objekte, die Anbau, Verarbeitung, Zubereitung und Genuss von Kaffee bebildern können, darunter Antiquitäten, die viel zu Kaffeekultur und -geschichte erzählen.
Dann eine Menge Bücher und sogar Musik zum schwarzen Lieblingsgetränk, allen voran Bachs Kaffeekantate. Nicht zu vergessen: „die nördlichste Kaffeeplantage der Welt“. In Blumentöpfen gibt es Kaffeepflanzen zum Anfassen. Aus der Ernte 2014 entstanden immerhin 127 Gramm „Eppendorfer Meistermischung“, bilanziert Burg lachend. Auch Samentütchen sind im Museum erhältlich. 11.000 Exponate aus seiner Sammlung wurden schon vor fünf Jahren nach Vietnam verschifft. Sie bestücken heute ein internationales Coffee Museum im Anbaugebiet Dak Lak.
„Vietnam ist nach Brasilien inzwischen die weltweit zweitgrößte Kaffeexport-Nation“, erklärt Burg. Auch 50 Prozent des deutschen Kaffee-Imports komme von dort. Zur Eröffnung des Kaffee-Kulturzentrums in Dak Lak 2011 sollten Jens Burg und der brasilianische Fußball-König Pelé als Ehrengäste kommen: „Aber leider waren wir beide verhindert. Pelé hatte eine Verletzung, und ich lag mit einem Herzinfarkt im UKE.“
Auch zu vielen anderen Exportländern hält Jens Burg gute Beziehungen. Großzügig unterstützt er etwa die Kooperative Lampocoy im Hochland von Guatemala. Auch in Hamburg ist Jens Burg Unterstützer: Hier wird Bio-Kaffee und -Espresso aus dem Hause Burg von der Obdachlosenzeitung Hinz und Kunzt angeboten, unter dem Label „Macht auch wach.“
Die jüngere Kaffee-Geschichte hat Jens Burg selbst erlebt. Als er 1960 in den väterlichen Betrieb eintrat, kämpfte er zunächst jahrelang gegen rote Zahlen. Denn der Genussartikel Kaffee wurde in den 1960ern zur billigen Massenware in Supermärkten: Eine harte Konkurrenz war zu bestehen, bis die Kaffeetrinker endlich wieder auf den exklusiven Kaffee-Geschmack kamen. „1960 gab es noch rund 250 Kaffeeröstereien in Hamburg, heute sind es neun,“ bemerkt Jens Burg nachdenklich.
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