Jetzt reicht's! Park-Chaos in Winterhude

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Jeder freie Platz – ob erlaubt oder nicht – wird wie hier im Knickweg zugestellt. Häufig „kreuz und quer“, wie auch die Polizei feststellt Foto: ba
 
Ingo Roese demonstriert es: An fast jedem Auto hängt täglich ein Knöllchen, denn fast alle parken dort, wo sie eigentlich nicht parken dürfen. Und der Abschleppwagen rollt schon an Foto: ba

Anwohner sind sauer. Polizei: Lage verschärft sich und die Verkehrsmoral sinkt

Von Daniela Barth
Winterhude
Ingo Roese reicht es. Der 67-Jährige wandte sich jetzt entnervt an die Wochenblatt-Redaktion. Denn in seinem Wohnquartier rund um die Gertigstraße, in der Roese schon von Geburt an lebt und in Kinderjahren noch Völkerball auf der Straße spielte, herrsche ein „absolutes Autochaos“. Nicht unbedingt ein neues Phänomen. Seit Jahren beobachtet Roese die Zunahme von Autos in Winterhude und hat auch eine Erklärung dafür parat: „Es ist eine beliebte Gegend für gut betuchte Familien, die in die renovierten und neuen Wohnungen ziehen, aber auch mindestens zwei Autos fahren.“ Seit vor gut einem Jahr der alte Garagenkomplex am Knickweg weggerissen wurde, ist es Ingo Roese schon gewohnt, abends auch mal einen knappe Stunde ums Quarree zu fahren, um noch irgendwo in der Nähe seiner Wohnung einen Parkplatz zu ergattern. Seit einigen Monaten wird rundherum in den Straßen gebaut: Im Knickweg/Ecke Gertigstraße zum Beispiel oder in der Forsmannstraße. Kürzlich fand er eine kleine Lücke an der Barmbeker Straße, stand allerdings nicht hundert Prozent korrekt und durfte sein Auto am nächsten Tag aus dem „Autoknast“ in Rothenburgsort holen. Neben der langen Anfahrt auch ein sehr teures Vergnügen. Beim Vor-Ort-Termin mit dem Wochenblatt wird deutlich: rundherum in den Straßen herrscht eingeschränktes Parkverbot (zum Beispiel Parkverbote von 8 bis 18 Uhr) – aber so gut wie alle Parkbuchten sind sogar am Vormittag zugestellt. Und an fast allen prangen Zettel mit Verwarnungen, und auch der Abschleppwagen ist schon unterwegs. Hartmut Herbst, Leiter der Abteilung Prävention und Verkehr im zuständigen Polizeikommissariat 33, bestätigt eine Verschärfung der Parksituation in den dicht besiedelten Wohnvierteln wie in Winterhude. Was er aber auch beobachtet: „Die Verkehrsmoral lässt zu wünschen übrig!“ Die Autofahrer würden sich in jede noch so enge Lücke quetschen ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer, so Herbst. Im Revier habe man die Kontrollfrequenz wegen des Wildparkens deutlich erhöht, bestätigt Herbst, der übrigens vom „Anwohnerparken“, wie es Roese vorschlägt, gar nicht viel hält: „Das bewährt sich nicht“, ist sich Herbst sicher, „das kostet die Anwohner Geld, aber es kann ja keine Garantie auf den Parkplatz gegeben werden.“ Hartmut Herbst rät: „Es gibt Tiefgaragen und Parkdecks, zum Beispiel in der Jarrestadt, die vermieten Plätze.“ Die seien zwar nicht gerade billig, aber in der Konsequenz nicht so teuer wie mehrfaches Abschleppen im Jahr. Ingo Roese hat da allerdings andere Erfahrungen gemacht: „Ich wollte einen Tiefgaragenplatz in der Barmbeker Straße mieten, aber dort war keiner mehr frei.“ Die Parkplätze seien ja auch für die Bewohner der Häuser dort gedacht. Roese hat noch eine andere Idee: „Auf dem Kampnagel-Gelände ist doch noch viel Platz. Dort könnte die Stadt ein mehrstöckiges Parkhaus bauen.“ Denn die sieht der 67-Jährige in der Pflicht. Seitdem es nicht mehr Gesetz sei, bei Neubauten auch Stellplätze zu schaffen, habe sich die Lage nämlich nochmals verschlimmert. Bebaut werde jede Lücke, dann müsse Hamburg auch für ausreichend Parkraum sorgen. Das forderte kürzlich auch die CDU in der Bezirksversammlung. Sie stellte einen Antrag auf ein umfassendes „Parkraumkonzept“. Die rot-grüne Mehrheit lehnte den Antrag ab.

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2 Kommentare
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Michael Kahnt aus Barmbek | 01.02.2016 | 07:59  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 03.02.2016 | 10:31  
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