Jetzt singt sie auch noch!

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Tine Wittler in ihrem Café in der Gärtnerstraße. Helle Töne und guter Kuchen dominieren Foto: ms
 
Tine Wittler steht gelegentlich selbst hinterm Tresen ihrer Bar. Gute Laune gibt es dann gratis dazu Foto: Sichting

Tine Wittler über ihre „Parallelwe.lt“ und neue Pläne

Von Mathias Sichting
Hoheluft
TV-Erfolg mit „Einsatz in vier Wänden“, Bücher, Mode , eine Bar, mit der sie zu Jahresbeginn in die Gärtnerstraße umgezogen ist. Und jetzt singt Tine Wittler auch noch: „Ich gehe unter die Chansonnieres und habe ein Chanson-Programm geschrieben, dass wir jetzt gerade proben“, verriet die Moderatorin dem Wochenblatt, das sie in ihren neuen vier Wänden besuchte. „Ich hoffe darauf, dass wir im Oktober Premiere feiern können und das Programm regelmäßig spielen“.Aber der Reihe nach: Mit dem TV-Format „Einsatz in 4 Wänden“ hatte Christine „Tine“ Wittler zehn Jahre lang Erfolg. 2004 erhielt sie für ihre beliebte Einrichtungssendung den Deutschen Fernsehpreis, 2013 wurde das Format allerdings wegen geringer Einschaltquoten eingestellt.
Mit der „Parallelwe.lt“ hat sich die gebürtige Ostwestfälin in Hamburg einen Traum erfüllt. Hier haben nach längeren Umbauarbeiten eine Bar, ein Café und ihr Modelabel „Kingsizequeens“ ein Zuhause gefunden. Ihre alte Bar in Altona hat die 42-Jährige dafür verlassen. Ein Schritt, den sie nicht bereut.
„Wir haben lange nach so einer Fläche gesucht, weil wir hier, anders als in Altona, Essen zubereiten können, Außenplätze haben, und die Räume abtrennen können. Am alten Standort war nur ein einfacher Barbetrieb möglich. Ich habe von einer Location geträumt, in der wir auch kleine lokale Kultur unterstützen und fördern können. Diesen Rahmen haben wir hier vorgefunden.“
„Gerade für junge Künstler, die sich mal ausprobieren wollen, ist das perfekt“, schwärmt die Blondine. Die Inneneinrichtung des Cafés ist dänisch angehaucht. Weiß, mit Naturtönen gemixt, dominiert. Das Besondere: An drei Tischen kann man sich kleine Pfannkuchen selbst backen. Der Strom kommt per Kabel von der Decke, der Teig aus der Küche. „Das ist ein echter Wittler“, führt die 42-Jährige die Konstruktion stolz vor.
Wittlers neues Reich ist überschaubar. Insgesamt finden 15 Gäste an fünf Tischen Platz. „Seit etwa sechs Wochen sind wir soweit komplett. Es fehlt jetzt nur noch der Clubraum im Keller, aber daran arbeiten wir“, verrät die Chefin, die auch gelegentlich selbst hinterm Tresen steht.

„Aus tiefstem Herzen gehöre ich eigentlich auf eine Kleinkunstbühne.“ Tine Wittler

In den vergangenen zwei Jahren tourte sie mit ihrem aktuellen Buch und Film „Wer schön sein will, muss reisen“ durch Deutschland. „Aus tiefstem Herzen gehöre ich eigentlich auf eine Kleinkunstbühne“, sagt sie. „Deshalb möchte ich die kleine Kultur hier im Stadtteil fördern. Das ist meine größte Liebe. Beim Fernsehen zu landen war eine tolle Erfahrung. Aber zehn Jahre waren eine echt lange Zeit. Jetzt freue ich mich auf meine neuen Projekte und konzentriere mich ganz und gar auf kleine Kunst“, sagt Tine Wittler, die in der „Parallelwe.lt“ selbst regelmäßig aus ihren Romanen liest. Aber auch andere Musiker, Singer/Songwriter und Autoren treten bei den „Wohnzimmer-Events“ auf: „Das ist besonders für junge Künstler eine Gelegenheit, sich zu präsentieren. Termin absprechen, Foto und ein paar Zeilen schicken – und loslegen. So etwas ist besonders für Newcomer ohne Verlag oder Label wichtig. Die Künstler bekommen zwar von uns keine Gage, können aber auf Wunsch natürlich Eintritt verlangen. Meist geht ein Hut rum und jeder Gast kann etwas spenden“, so Wittler.
Sie ist seit fast 20 Jahren in Hamburg und hat hier ihre Heimat gefunden. „Hamburg macht für mich Vielfalt, Heimat und das schöne Wetter aus. Hier weht immer so eine schöne Brise. Gegen ein bisschen was von oben habe ich auch nichts. Hamburg hat für mich das schönste Wetter der Welt“. Vor allem über den Empfang war sie in Hoheluft begeistert: „Ich bin schwer begeistert, wie die Leute hier ticken. Die sind extrem offen, aufmerksam und herzlich. Wir haben das schon während der Bauphase bemerkt. Als wir hier am rödeln waren, blieben die Menschen stehen und fragten, was hier entsteht. Einige standen sogar mit Blümchen, Salz und Brot in der Tür. Ganz entzückend“, freut sich Tine Wittler. Und Altona? Vermisst sie ihren alten Laden? „Ich habe Altona immer geliebt, aber da hatte man manchmal das Gefühl, dass die kleinen feinen Dinge aufgrund des Überangebots unterzugehen drohen. Hier ist das anders. Das finde ich toll.“

Für die Nachbarn


Ihre Parallelwelt versteht sie als Anlaufstelle für die Nachbarschaft. Touristen verirren sich kaum in den neuen Laden. „Wir leben ja nicht in erster Linie von jenen, die mal die Tine Wittler sehen wollen - sondern von Leuten, die das ganze Jahr über zu uns kommen. Ich liebe diese Stammgastkultur“, so Wittler, die mit ihrem Mann im Bezirk Altona wohnt. „Es ist kein Szeneladen. Wir haben es schon erlebt, dass sich Gäste, die im selben Haus nebenan wohnen, erst hier kennengelernt haben. So soll es sein!“ (ms)
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