Junge Historiker auf Spurensuche in Hamburg

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Sie bereiten eine Ausstellung über den Ersten Weltkrieg vor und wühlen eifrig in Archiven: Josephine, Rosa, Christin, Karla, Karoline und Alida (v.l.) Foto: ch

Zwölftklässler bereiten Ausstellung über das Johanneum zur Zeit des Ersten Weltkriegs vor

Hamburg. Seit 100 Jahren befindet sich das Johannneum an der Maria-Louisen-Straße in Winterhude. Das älteste Gymnasium Hamburgs, 1529 von Reformator Johannes Bugenhagen im Johanniskloster gegründet, zog 1914 vom Speers-ort im Stadtzentrum, wo die Schule seit 1840 ansässig war, in den von Fritz Schumacher entworfenen dreiflügeligen Backsteinbau um.
100 Jahre Johanneum in Winterhude stehen auch Pate bei einem besonderen Ausstellungsprojekt von 28 Zwölftklässlern dieser Schule, die sich auf alte Sprachen und Geschichte spezialisiert haben: Johanneum im Ersten Weltkrieg. Natürlich spielte bei dieser Themenwahl auch der Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren eine Rolle.

Intensive Recherche

Seit Juni durchforsten die 28 Johanniterinnen und Johanniter Archive und Bibliotheken, um Dokumente über ihre Schule im Ersten Weltkrieg zu finden. Im Schularchiv fand sich bereits einiges zu dieser Zeit. Auch in der Staatsbibliothek, der Bibliothek des Historischen Seminars, der Martha-Muchow-Bibliothek und in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg wurden die jungen Historiker fündig. Schließlich machten sie Briefe aus Nachlässen ehemaliger Lehrer und Schüler des Johanneums ausfindig. So konnten sich die Schülerinnen und Schüler, die in sieben Gruppen zum Thema arbeiten, bereits ein gutes Bild von ihrer Schule im Ersten Weltkrieg machen. Auch wenn viele Stunden in den Archiven nur zu dem Ergebnis führten, dass durchgesehenes Material nicht brauchbar war oder nur ganz schwer zu lesen. Lehrerin Bettina Fensch, die das Ausstellungsprojekt gemeinsam mit zwei Kollegen betreut, freut sich über den pädagogischen Nutzen: „Das sind Erfahrungen mit der Archivarbeit.“
Die Ausstellung wird aus Plakaten, Dokumenten und Gegenständen in Vitrinen bestehen. Aber auch Videos werden gezeigt und die Besucher bekommen Kohlrübensuppe serviert. „Wir wollen etwas von der Atmosphäre von damals vermitteln“, erläutert Karoline, eine der Schülerinnen. Einige der Mitglieder der Gruppe für die damaligen Lehrpläne beschäftigen sich mit dem „Wehrturnen“, der sportlichen Vorbereitung auf den Krieg – und haben die Übungen von damals von Mitschülern nachturnen lassen: Daraus ist ein anschauliches Video entstanden.

500 Gramm Suppe

Weitere originelle Ideen sind in Vorbereitung. Um die Anzahl der gefallenen Schüler des Johanneums, es waren 250, zu verdeutlichen, wollen die Ausstellungsmacher zum Beispiel ein Foto von 250 Schülern im Innenhof der Schule machen, um diese Zahl zu veranschaulichen. Die Nationalismus-Gruppe hat schon den A-Chor der Schule aktiviert: deren Mitglieder werden zur Ausstellung nationale Lieder von damals schmettern. Es ist eine Begegnung der ungewöhnlichen Art, zumal auch mit damals üblichem Flaggenmaterial dekoriert wird.

Die Gruppe, die sich mit der Ernährung im Ersten Weltkrieg beschäftigt, will 500 Gramm Suppe in einer Vitrine ausstellen, um zu verdeutlichen, wie viel die Deutschen im Verlauf des Ersten Weltkrieges zu essen hatten. Eine weitere Gruppe möchte zwei Schüler und einen Lehrer vom damaligen Johanneum porträtieren. Die Recherchen sind jetzt weitgehend abgeschlossen.
Die Eröffnung der Ausstellung ist für Februar 2015 geplant. Aber die jungen Historiker sind unverändert für Material zu ihrem Thema dankbar. Wer also Dokumente wie zum Beispiel Briefe oder Gegenstände zum Johanneum im Ersten Weltkrieg besitzt, sollte sich unter der E-Mailadresse: johanneumausstellung@web.de oder bei Bettina Fensch unter Tel.: 46 77 94 72 melden. (ch)
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