Kampf um die Spielwiese

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Anwohner wie Vitus und Julia Brüning oder Wiebke Koech (r.) und die Kinder möchten die große Wiese gerne als Spielfläche behalten Foto: Hanke
 
Um dieses Stück Grün geht es: die Wiese am Grindelhof 87 wurde schon zweimal juristisch als Begrünung festgelegt Foto: Hanke

Auf einem Grindelhof-Grundstück sollen zehn Stadthäuser entstehen

Rotherbaum Spielwiese in Gefahr: Auf dem Grundstück Grindelhof 87, einer früheren Terrasse, erstreckt sich eine etwa 3.000 Quadratmeter große Grünfläche, die von den Anwohnern und vor allem deren Kindern zum Erholen und Spielen genutzt wird. Der Eigentümer, die BGB-Gesellschaft Grindelhof 87, die zur Quantum-Gruppe gehört, beabsichtigt bereits seit zwei Jahren die beliebte Spielwiese zu bebauen, zunächst mit 23 und nach Protesten der Anwohner nun mit zehn Stadthäusern. Aber auch damit wollen sich die Anwohner nicht zufrieden geben. „Das ist die einzige Grünfläche im Umkreis von eineinhalb Kilometern. Ich bin nur deshalb hierhergezogen, weil meine Kinder hier vor der Tür spielen können“, erzählt Vitus Brüning, Vater von vier Kindern, die hier gern mit Gleichaltrigen aus der Nachbarschaft Fußball spielen und auf einem Trampolin springen. Die Erwachsenen nutzen das Grün bei sonnigem Wetter zum gemütlichen Beisammensein.

Urteil schützt Grünanlage – eigentlich


Doch die Anwohner haben gute Chancen, ihr Grün zu behalten. Denn sie haben herausgefunden, dass die Grünfläche gar nicht bebaut werden darf. Die Bebauung untersagt ein rechtskräftiges Urteil aus dem Jahre 1994, das dem Wochenblatt vorliegt. Damals entschied das Verwaltungsgericht Hamburg, dass der Eigentümer die Grünfläche nicht für Stellplätze nutzen darf. Diese Entscheidung, so das Gericht damals, „enthält gleichzeitig das Gebot, die Flächen von weiterer Bebauung freizuhalten“. Der Eigentümer war bereits 1959 verpflichtet worden, die Fläche „gärtnerisch anzulegen und zu unterhalten“ - als Gegenleistung für eine Baugenehmigung für das an der Straße Grindelhof gelegene Haus Nr. 87, das die frühere Terrasse quasi abschneidet, und für eine Tiefgarage unter der Grünfläche. Für den nüchternen Bau an der Straße und die Tiefgarage war dem Eigentümer eine Befreiung von Bauauflagen hinsichtlich der Größe eingeräumt worden. Dafür musste er die Garagendecke „mindestens 50 cm stark mit Boden und Mutterboden“ abdecken.

Bezirk unterstützte Baupläne


Der Bau eines viergeschossigen Hauses mit Garagenanlage im Hinterhof war schon 1954 abgelehnt worden. Die Größe der Fläche, die durch die Kriegszerstörung der einen Hälfte der Terrassenbebauung zustande gekommen war, hatte schon immer Bauwünsche aufkommen lassen. Im Bezirksamt Eimsbüttel werden die neuesten Pläne für eine Bebauung nun geprüft. Und vor allem das Verwaltungsgerichtsurteil von 1994, das dem Amt nicht bekannt war.
Dabei hatte das Bezirksamt den Investor zu seinem Bauvorhaben ermuntert - im Rahmen des ehrgeizigen Wohnungsbauprogramms des Senats. So fand die Vorstellung der neuesten Baupläne des Investors zur Verwunderung der Anwohner im Bezirksamt Eimsbüttel statt. Sie können nicht fassen, dass eine Bebauung immer noch erwogen wird. „Die Rechtslage ist eindeutig. Das sagen uns alle Juristen. Man müsste diese Planung kommentarlos abbrechen. Wenn wir das Bezirksamt verklagen müssen, kostet das nur unsere Nerven, Geld und viel Zeit“, ärgert sich Vitus Brüning. (ch)
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