Kampf um jeden Baum

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Von links: Bernd Kroll, Bettina Hagen und Ralph Larouette von der Bürgerinitiative am Mühlenkamp vor dem Baum, der als nächstes fallen soll Foto: Barth
 
Momentaner Kahlschlag an der Geibelstraße Foto: Barth

Neue Fällungen im Stadtteil. Bürgerinitiative fordert generelles Umdenken

Winterhude Die Bar „Freundlich und Kompetent“ in der Gertigstraße/Ecke Geibelstraße schloss im Herbst vergangenen Jahres ihre Türen, weil der Flachdachbau dem Neubauprojekt „Hanse Suites“ der Adolf Weber KG weicht (das Wochenblatt berichtete). Dass auch die Säulenhainbuche und die Robinie vor dem Gebäude von den Baumaßnahmen betroffen sein würden, deutete das Bezirksamt Nord damals schon an: „Von der Baumaßnahme sind zwei Straßenbäume direkt betroffen, von denen einer leider aufgrund des Zustands abgängig sein wird.“ Nun wurden beide Bäume gefällt.
Für Bernd Kroll von der Bürgerinitiative ‚Unser Winterhude‘ haben hier „in einer Nacht- und Nebelaktion das Bezirksamt und der Bauherr gemeinsam Fakten geschaffen.“ Die Initiative geht davon aus, dass die Bäume ohne die Genehmigung der zuständigen Gremien gefällt wurden und dass keine Notwendigkeit zum Fällen bestanden habe.

„Die Bäume standen auf Privatgrund. Da es sich um ein gesetzlich zulässiges Neubauvorhaben handelt, mussten sie weichen – unabhängig von ihrem Zustand.“ Bezirksamt

„Die Bäume standen auf Privatgrund. Da es sich um ein gesetzlich zulässiges Neubauvorhaben handelt, mussten sie weichen – unabhängig von ihrem Zustand“, heißt es dazu aus dem Bezirksamt. Die Bäume hätten nicht am Standort bleiben können, weil der von der Rechtsprechung geforderte Mindestabstand von 1,50 Meter zur Gebäudefassade deutlich unterschritten worden wäre. „Gleichwohl sind alle denkbaren Erhaltungsmöglichkeiten, wie ein halbseitiger Rückschnitt der Kronen und Äste geprüft worden“, so das Bezirksamt weiter.

Ersatzpflanzung geplant


„In Anbetracht der Tatsache, dass es sich hier um relativ junge Bäume mit dem Pflanzjahr 1979 gehandelt hat, die zudem regelrecht hätten verstümmelt werden müssen, kommt nur eine Ersatzpflanzung in Betracht. Der Bauherr zahlt hierfür einen fünfstelligen Betrag für zwölf neue Bäume, möglichst in Nähe zum Objekt.“
Baumarten und genaue Pflanz-orte seien noch nicht gefunden und würden zu gegebener Zeit durch den Fachbereich Stadtgrün vorgestellt. Bei der Ersatzpflanzung soll nach dem sogenannten Leitbaum-Prinzip vorgegangen werden, mit dem ein einheitliches Erscheinungsbild erreicht werden soll. „Grundsätzlich soll alles daran gesetzt werden, dass Bäume stehen bleiben“, so Christoph Reiffert von den Grünen Nord. Er fordert, dass „jeder Straßenbaum eins zu eins nachgepflanzt wird“ und Baumfällungen für die Bürger transparent gemacht werden. Ein entsprechender Antrag sei in Vorbereitung.

Busbeschleunigung


Bernd Kroll und seine Mitstreiter haben indes einen „Hilferuf im Namen der Hamburger Straßenbäume“ an die SPD-Fraktion verschickt, mit der Forderung, bis zur Abstimmung über das Petitum der Volksinitiative „Stopp des Busbeschleunigungsprogramms“ keine Bäume im Rahmen des Busbeschleunigungsprogramms zu fällen wie an der Bushaltestelle Gertigstraße am Mühlenkamp geplant. „Generell werden in Winterhude viel zu viele Bäume an Straßen und in Grünanlagen gefällt – hier fordern wir ein Umdenken“, so Kroll.

Begehung mit der SPD


Ein Baum am Mühlenkamp – direkt bei der Bushaltestelle Gertigstraße – wird in dieser Woche dennoch dran glauben müssen. Er steht vor der Bushaltestelle Gertigstraße – stadtauswärts – die im April umgebaut werden soll.
SPD-Fraktionchef Andreas Dressel hatte sich vorige Woche mit Vertretern der Mühlenkamp-Initiative direkt vor Ort getroffen und weist gegenüber dem Wochenblatt auf folgendes Zugeständnis hin: „Die Behörde will jetzt nur noch eine der zwei strittigen Baumfällungen vornehmen – und zwar jene, bei dem der eine Baum nach den Verkehrsplanungen der Hochbahn genau im Einstiegsbereich des Busses gelegen ist.“ Dressel weiter: „Das ist noch mal ein substantielles Entgegenkommen, auch wenn die Volksinitiative natürlich weiter den Verzicht auf jegliche Baumfällungen fordert.“
Zur teilweise chaotischen Verkehrssituation am Mühlenkamp sagte Dressel: „Dass der Verkehr gerade am Mühlenkamp dringend flüssiger werden muss und dass die Busse unter den Verkehrsbehinderungen leiden, war für mich offenkundig. Wir haben viele wertvolle Hinweise aufgenommen, beispielsweise konsequenteres Vorgehen gegen Zweite-Reihe-Parker oder verbesserte Abwicklung des Lieferverkehrs. Diese Prüfpunkte haben wir mitgenommen, teilweise werden sie einfließen in die gestartete Planungswerkstatt Papenhuder Straße/Hofweg.“
Man habe vereinbart, die Gespräche im März fortzusetzen – „weiter mit dem Ziel einer Verständigung“, resümierte Andreas Dressel. (flü/ba)

Der Landesbetrieb für Straßen und Verkehr (LSBG) lädt am Dienstag, 3. März, um 9 Uhr ins Goldbekhaus, Moorfurthweg 9, in die Bühne zum Hof. Vertreter des LSBG und der Hamburger Hochbahn sind dann vor Ort, um den Anliegern im Mühlenkamp Fragen im Zusammenhang mit den Bauarbeiten, Sperrungen usw. zu beantworten. „Auch Anregungen und Hinweise“ will man laut Einladung entgegennehmen.

Zur Erinnerung: Im Mühlenkamp sollen im April und Mai im Rahmen der Busbeschleunigung zwischen der Einmündung Körnerstraße und dem Knotenpunkt Preystraße/Poelchaukamp Straßenbaumaßnahmen durchgeführt werden. Im Abschnitt zwischen Preystraße/Poelchaukamp und Gertigstraße wird die neue Haltestelle Gertigstraße stadtauswärts gebaut, außerdem wird die Fahrbahn grundinstandgesetzt. Südlich der Gertigstraße wird die Fahrbahndecke des Mühlenkamps bis zur Einmündung Körnerstraße saniert.
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