Kampnagel-Projekt illegal?

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Berndt Jasper und Móka Farkas von Baltic Raw (links) sowie Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard und Asuquo Udo in der „Eco-Favela“ Foto: Hanke

Staatsanwaltschaft prüft „Eco-Favela“ mit Lampedusa-Flüchtlingen

Von Christian Hanke
Winterhude
Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob eine Strafanzeige der Alternative für Deutschland (AfD) gegen die Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard strafrechtlich relevant ist. „Wir befinden uns in einem Vorermittlungsverfahren“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach. Die Innenbehörde kommentiert diesen Vorgang nicht, verweist auf die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft. Der Hamburger Landesvorstand der AfD hatte eine Strafanzeige gegen Amelie Deuflhard wegen „Beihilfe zu Ausländerstraftaten“ und Untreue bei der Staatsanwalt abgegeben. Die AfD hält das Kunstprojekt „ecoFavela“ der Gruppe Baltic Raw auf Kampnagel, in dessen Rahmen sechs der sogenannten „Lampedusa-Flüchtlinge“ ohne Aufenthaltsgenehmigung in Hamburg in einem Mini-Nachbau der Roten Flora befristet untergebracht sind (das Wochenblatt berichtete) für eine illegale Unterbringung. „Ich kontrolliere die Menschen nicht, die hier auf dem Gelände sind. Das habe ich noch nie getan“, sagt Amelie Deuflhard. Daher ist es ihr auch egal, welchen Status die Flüchtlinge haben, die sich in der ecoFavela aufhalten. „Sie haben ein Aufenthaltsrecht für Europa“, sagt Berndt Jasper von Baltic Raw. „Es ist ein Kunstprojekt und kein Flüchtlingsheim“, so Amelie Deuflhard, die die AfD-Vorwürfe ebenso wie ihr Rechtsanwalt als haltlos bezeichnet.
Derweil entwickelt sich das Kunstprojekt: Die sechs Flüchtlinge erfahren einen großen Zuspruch aus der Nachbarschaft. „Es kommen viele Menschen vorbei, bieten ihre Hilfe an, kommen mit den Flüchtlingen ins Gespräch, die ihre Geschichten erzählen, kochen zusammen“, erzählt Amelie Deuflhard. „Ich bin von der Hilfsbereitschaft der Hamburger überwältigt“, freut sich Móka Farkas von Baltic Raw. „Das ist ein soziales Labor. Kein Kurs und keine Veranstaltung. Die Dynamik, die hier entsteht, ist die eigentliche Veranstaltung“, erläutert Amelie Deuflhard. Davon ist schon nach einer Woche viel zu spüren. Es bahnt sich eine Integration der Flüchtlinge im Stadtteil an.
„Das Modellhafte des Projekts ist, einen anderen Umgang mit den Flüchtlingen zu haben. Den Menschen so viel Raum zu geben, wie sie brauchen, Wärme und Anteilnahme“, ergänzt Berndt Jasper. Asuquo Udo aus Nigeria, einer der Flüchtlinge, freut sich sehr über die vielen Kontakte. Er kam laut „taz“ Anfang 2013 von Libyen über Italien nach Hamburg. Während viele „Lampedusa“-Flüchtlinge sich inzwischen für eine Einzelfallprüfung bei der Ausländerbehörde gemeldet haben, fordert er ein pauschales Bleiberecht für die Gruppe.
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