Keine Tempo 30-Zone

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Wegen des starken Verkehrsaufkommens an der Grundschule Alsterdorfer Straße (im Hintergrund) begleiten viele Eltern ihre Kinder auf dem Schulweg. Foto: Gemeinholzer
 
Ein Tempo-30-Schild – wie dies vor der Nachbarschule – hätten sich Schulleitung und Elternrat der Grundschule Alsterdorfer Straße auch gewünscht. Foto: Gemeinholzer

Antrag der Grundschule Alsterdorfer Straße abgelehnt

Von Anne Gemeinholzer
Winterhude. 13 Uhr, Schulschluss. Auf der Alsterdorfer Straße schieben sich die Autos nur etwas schneller als im Schritttempo in Richtung Winterhuder Marktplatz vorwärts. Als die Ampel vor der Grundschule Alsterdorfer Straße „grün“ zeigt, müssen sich Schulkinder und ihre Eltern um einen Bus herum schlängeln, um auf die andere Straßenseite zu gelangen. Der dichte Verkehr mit Rückstaus erschwert die Übersicht für die Autofahrer ebenso wie für Fußgänger. Wohl auch deshalb holen viele Eltern ihr Kind lieber von der Grundschule ab, als es den Schulweg alleine bewältigen zu lassen.
Auch für den Vater Andreas Kleenlof geht Sicherheit vor. Die Erziehung zur Selbständigkeit muss im Zweifelsfall zurückstehen. „Meine Frau und ich holen unsere Tochter eigentlich jeden Tag ab – wegen des schlimmen Verkehrs und der Menschen“, sagt Kleenlof. Damit befindet er sich in guter Gesellschaft: Der Hol- und Bringservice scheint sich bei einer Mehrheit der Grundschul-Eltern etabliert zu haben. „Wenn sie aber doch einmal allein gehen muss, fände ich Tempo 30 vor der Schule gut“, sagt der Vater.
Eine Tempo-30-Zone vor der Grundschule Alsterdorfer Straße ist aber vorerst vom Tisch. „Es gibt sachliche und verkehrsrechtliche Gründe, weshalb wir diesem Wunsch der Schule nicht entsprechen können“, sagt Hartmut Herbst, Abteilungsleiter Prävention und Verkehr im Polizeikommissariat 33.
Ein Knackpunkt: die von der Straße zurückversetzte Lage der Schule. Schulleitung und Elternrat hatten ihren Antrag auf Tempo 30 allem voran mit dem Umstand begründet, dass die Schule durch ihre Lage in zweiter Reihe „im Straßenraum nicht wahrnehmbar“ sei. Gerade dann aber sei es nicht möglich, eine Tempo-30-Strecke auszuweisen, erklärt Herbst. „Der Sinn ist ja, dass der Autofahrer das Schild und die Schule sieht und langsamer fährt.“ Das funktioniere bei der benachbarten Katholischen Schule St. Antonius, die direkt an der Straße liegt. An der Grundschule Alsterdorfer Straße sei stattdessen die bestehende Fußgängerampel das richtige Mittel, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Von kritischen Situationen an der Ampel berichten dagegen Schulleitung und Elternrat: Häufig werde die rote Ampel von Autofahrern übersehen. Rotlicht-Verstöße passierten an solchen Knotenpunkten tagtäglich, sagt auch Herbst. Gegen Unaufmerksamkeit könne man aber mit Schildern nichts ausrichten. „Wir können nichts anderes machen, als die Kinder auf die Gefahren hinzuweisen: Eine Fußgängerampel ist nicht per se sicher.“ Den Kindern müsse stattdessen vermittelt werden, die Straße so umsichtig zu überqueren, wie sie es auf freier Strecke tun würden. Zudem kontrolliere die Polizei an der Grundschule, wie an anderen Schulen auch, gezielt Rotlicht-Verstöße.
„Die Geschwindigkeit ist dort überhaupt kein Problem“, urteilt Herbst. „Die Verkehrsdichte auf der stark frequentierten Straße gibt nur eine Geschwindigkeit von unter 30 her.“
Das wichtigste Kriterium für die Entscheidung der Straßenverkehrsbehörde war aber die Unfallstatistik. „Wir haben dort in den letzten drei Jahren keinen Verkehrsunfall mit Fußgängern und Kindern gehabt“, berichtet Herbst. Dieser Umstand zeige, dass die Verkehrssicherheit gegeben sei, und die Nutzer mit der Situation umgehen könnten.
„Von unserer Unfallauswertung ist es zwar nicht das Paradies auf Erden dort – aber nahe dran“, so der Polizist. Für die Eltern und Lehrer zählt aber weniger die nackte Statistik als die empfundene Gefahr. Und die bleibt. (ag)
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