Kinderorte - aus der Not geboren

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Tiere erleben können Kinder auf dem Bauspielplatz im Eppendorfer Park. Leiter Manfred Schulz-Tenz mag vor allem die Meerschweinchen
 
Bettina Wex vom Deutsch-Amerikanischen Frauenclub war eine Schirmherrin des Kinderfestes zum 60. Jubiläum der Spielhäuser. Ihre Mutter initiierte die Gründung des ersten Spielhauses in den WallanlagenFotos: Hanke

Nachkriegsidee trägt bis heute: Vor 60 Jahren wurden Spielhäuser gegründet

Von Christian Hanke
Eppendorf. Den Bauspielplatz mit Spielhaus im Eppendorfer Park kennt wohl fast jedes Kind in Eppendorf. Vor allem wegen des kleinen Zoos mit Ziegen, Hühnern und Meerschweinchen. Auch der große Trecker mit Anhänger, mit dem Leiter Manfred Schulz-Tenz Kinder im Park spazieren fährt, ist unter den kleinen Gästen Kult. Für viele Eltern ist der „Baui“, wie ihn hier alle nennen, sehr angenehm, können sie ihre Kleinen doch ganz spontan vorbeibringen.
Im „Kinder und Familienfreizeitzentrum Bauspielplatz & Spielhaus Eppendorfer Park“, so der vollständige Name, gibt es keine Anmeldungen und lange Warteliste. Der Baui ist eines von 42 Spielhäusern in Hamburg, die gerade ihr 60-jähriges Jubiläum in den Wallanlagen mit einem großen Kinderfest feierten. Hier nämlich wurde 1953 das erste Hamburger Spielhaus eröffnet. Bettina Wex war als 13-jährige dabei. Ihre Mutter, Mildred Krasemann, war damals Präsidentin des Deutsch-Amerikanischen Frauen Clubs (DAFC). Sie hatte die Idee mit den Spielhäusern, um den Hamburger Kindern bessere Spielorte zu bieten als Trümmer und Ruinen. „Meine Mutter war entsetzt über die Situation im Nachkriegsdeutschland für die Kinder. Sie hatte das Gefühl, etwas tun zu müssen“, erzählt Bettina Wex, die heute im DAFC den Bereich Wohlfahrt und die Basare leitet. Zehn Spielhäuser baute der DAFC nach harten Verhandlungen mit der Stadt Hamburg auf, die Flächen für die Spielhäuser zur Verfügung stellen musste. Sieben von ihnen gibt es heute noch, darunter der Bauspielplatz in Eppendorf und das Spielhaus Langenfort in Barmbek.
Weitere kamen im Laufe der Jahre hinzu. 50 Prozent der Baukosten mussten durch Spenden zusammenkommen. Den Betrieb und die pädagogische Betreuung finanziert die Stadt Hamburg. Da Spielhäuser den Kindern viel Raum zum Spielen bieten sollten, braucht jedes Spielhaus Freiflächen von mindestens 4.000 bis 5.000 Quadartmetern.
Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen
Obwohl die Spielhäuser angenommen wurden und werden, gerieten sie immer wieder in finanzielle Bedrängnis. Denn in den Jugendgremien der Stadt war man mitunter von dem spontanen Angebot an Kinder nicht überzeugt. Auch jetzt, in den Zeiten von Ganztagsschule und Kitagarantie drohen die Spielhäuser wieder quasi in ein ideologisches Loch zu fallen.
Die Verplanung vieler Kinder macht das spontane Angebot der Spielhäuser offenbar überflüssig. Einige Spielhäuser kooperieren deshalb mit Schulen, und bieten Kurse im Rahmen der Ganztagsschule an. Auf dem Bauspielplatz Eppendorfer Park werden die gern genutzt, denn sie bedeuten Freizeit.
„Wer den Kurs Bauspielplatz wählt, kann hier machen, was er will“, erläutert Manfred Schulz-Tenz. Und das Angebot ist groß: neben dem Kleintierhaus mit Außengehege locken die Hollzwerkstatt, eine Blockhütte und ein Computer- und Internetraum. Die Kinder und Jugendlichen können hier zum Beispiel basteln, kochen, töpfern, Billard spielen und zum Schwimmen gehen. „Sie können hier ihre Freizeit genießen“, erzählt Manfred Schulz-Tenz, den es nicht stören würde, wenn ein Kind sich langweilt oder gerade nicht weiß, was es tun soll, denn „Langeweile fördert die Kreativität.“
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