Kino im Nobelviertel

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Die Harvestehuder Lichtspiele in den ersten Nachkriegsjahren: „Ninotschka“ von Ernst Lubitsch mit Greta Garbo stand „In deutscher Sprache“ auf dem Programm. Das UfA-Zeichen ist abmontiert.

Harvestehuder Festspielhaus am Eppendorfer Baum

Es entsprach ganz dem Nobelviertel, in dem es sich befand, das Kino, das 1913 im früheren Tanzsaal des Eppendorfer Gesellschaftshauses am Eppendorfer Baum 35-37 eröffnet wurde. Die Inneneinrichtung beeindruckte durch „echte Teppiche, Bronzen und wertvolle Porzellane, ganz abgesehen von den echten Hölzern der Wandverkleidung und den schweren Polstersitzen der Logen“. Vielleicht erhielt es deshalb auch den Namen „Harvestehuder Lichtspiele“, obwohl es eindeutig in Eppendorf lag. Das nahe gelegene Harvestehude war damals deutlich vornehmer als das bevölkerungsmäßig eher durchmischte Eppendorf. Das edle Kino wurde von James Henschel, dem ersten Hamburger Kinokönig, betrieben. 1924 an die UfA veräußert entwickelten sich die Harvestehuder Lichtspiele zu einem führenden Stadtteilkino, das 1929 den ersten deutschen Sprechfilm „Atlantic“ schon vier Wochen nach der Hamburger Premiere zeigen durfte. In den 1930er Jahren wurden es in UfA Harvestehude umbenannt. Im Zweiten Weltkrieg waren in dem Kinogebäude 70 ausländische Zwangsarbeiter untergebracht.
1955 wurde es nach vierwöchigem Umbau auf 922 Plätze erweitert und erhielt eine 12,30 x 4,80 Meter große Cinemascope-Leinwand, Vierkanal-Magnetton und eine „vollautomatische, gasbeheizte Be- und Entlüftungsanlage“. Doch spätestens 1962 (nach einer anderen Quelle schon 1958) wurde das prachtvolle Kino geschlossen und in ein Theater mit 784 Plätzen umgebaut. Der Unternehmer Dr. Bruno Maelger hatte das Kino 1958 erworben und die schöne Altbaufassade durch schlichten Waschbeton ersetzt.
Dem Theater, in dem viele renommierte Schauspieler auftraten, war kein langer Erfolg beschieden. Schon 1969 wurde es geschlossen. Maelger soll sich mit dem Förderverein des Theaters zerstritten haben. Das einst so prachtvolle Gebäude wurde erneut umgebaut. Inzwischen sind ein Supermarkt und Arztpraxen eingezogen. (ch)
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