Kleingärten vorzeitig gekündigt

Anzeige
Die Idylle muss schon bis Ende November geräumt werden: Im Dezember sollen die Sägen loslegen Foto: Haas
 
Gartenfreunde-Chef Dirk Sielmann handelte den Kompromiss aus Foto: Haas

Gartenfreunde-Chef Sielmann: „Historischer Kompromiss“ kommt allen Interessen entgegen

Winterhude/Barmbek Die Freude im Frühjahr über ein gewonnenes Jahr schlug um in Ärger und Empörung. Kürzlich erhielten die 330 Kleingärtner aus den Vereinen „Heimat“ und „Barmbeker Schweiz“ eine Kündigung: schon zum 30. November 2015. Wie mehrfach berichtet, sind ihre Parzellen vorgesehen für das Bauprojekt Pergolenviertel. Auf einem Teil der Gartenflächen zwischen Hebebrandstraße und Alte Wöhr werden Gebäude für insgesamt 1.400 Wohnungen errichtet. Im Rechtsstreit um die Zulässigkeit ihres Bürgerbegehrens mit über 10.000 Unterschriften war die Initiative „Eden für Jeden“ zwar schon im vergangenen März unterlegen. Die Stadt hätte aber durch die verzögernden juristischen Auseinandersetzungen erst zum November 2016 kündigen dürfen. Doch der Landesbund der Gartenfreunde in Hamburg (LGH) hat anders verhandelt, was zunächst Ärger unter den Schrebern auslöste.

Umschauen nach Ersatzflächen


„Was gerade geschieht, ist sehr schmerzhaft für die Kleingärtner“, erklärt LGH-Geschäftsführer Dirk Sielmann dem Wochenblatt. Vor allem für diejenigen Mitglieder aus der „Heimat“, die ihre Gärten im nördlichen Gebiet schon bis zum November räumen sollen. Alle müssten jetzt eine „Herkulesaufgabe“ stemmen. „Aber so konnten wir immerhin sehr faire Kompromisse mit der Stadt aushandeln. Sie kommen allen Interessen entgegen.“ Etliche Vereinsmitglieder hätten sich schon nach anderen Gärten umgesehen. Ab Frühjahr 2016 stünden 60 Ausweichparzellen im alten Anzuchtgarten südlich des Stadtparks bereit. Auf der Fläche der nicht überplanten Gärten werden 150 neue Parzellen durch „Nachverdichtung“ angelegt. „Dass dies unter größtmöglicher Schonung der Jahrzehnte alten Bäume und Sträucher geschieht, ist ein Novum in der Geschichte des bundesdeutschen Kleingartenwesens“, betont Sielmann. Denn normalerweise werde in einem solchen Fall planiert und lediglich „schwarze Erde“ für eine Neuanlage übergeben. Bei der Kampfmittelsondierung ohne Rodung übernehme die Stadt jetzt auch die Haftung, ebenso die Kosten für die Neuanlage der Infrastruktur bei bestehendem Bewuchs: Die nicht für eine Bebauung vorgesehenen Parzellen werden demnächst auf je 300 Quadratmeter verkleinert, zu „Obstkisten“, wie sie die Kleingärtner abfällig nennen. Manche Laube wird wohl für die Neuanlage abgerissen. Doch jetzt ermögliche immerhin ein „Laubenfonds“ das Anmieten einer Gartenlaube ohne Verschuldung, so Sielmann weiter. Zunächst also steht den Mitgliedern der „Heimat“ und der „Barmbeker Schweiz“ eine logistische Mammutaufgabe bevor: Um Folgenutzungsverträge, unterschiedliche Räumungstermine, Zwischenlager für Pflanzen und Umzugshilfen geht es bei den Mitgliederversammlungen am kommenden Mittwoch und Donnerstag. Vor allem für die älteren Pächter werde es hart: Sie brauchen dringend Mithilfe, als „gelebte Solidarität unter Generationen“, sagt Sielmann.
„Was immer noch juristisch bedenklich ist: Faktisch müssen wir das wohl oder übel hinnehmen“, erklärt Uwe Puttfarcken von „Eden für Jeden“ resigniert. Denn in der „Heimat“ stehen schon bald Erschließungsarbeiten an. Voraussichtlich ab Dezember laufen die Motorsägen: zur Vorbereitung von zwei Baufeldern südlich der Hebebrandstraße. (wh)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige