Kleingärtner kämpfen weiter

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„Hebebrand bleibt grünes Land“: Kleingärtner wehren sich unverändert gegen die geplante Bebauung ihrer Gärten.Foto: Hanke

Startschuss für Pergolenviertel erfolgt

Von Christian Hanke
Winterhude. Nun ist es perfekt! Das Pergolenviertel, das ehemalige Hebebrandquartier, wird Wirklichkeit. Senat und Bezirk Hamburg-Nord haben nach zwei Jahren der Planung und der Gespräche mit allen Beteilgten jetzt den Startschuss für die umfangreichste Neubauplanung im Bezirk Hamburg-Nord gegeben. Auf einer Fläche von 39 Hektar zwischen der U-Bahn beim Bahnhof Sengelmannstraße und der Straße Alte Wöhr, begrenzt durch die City-Nord und die S-Bahntrasse Barmbek-Ohlsdorf sollen rund 1350 Wohnungen errichtet werden. Von den derzeit hier befindlichen 330 Kleingärten werden voraussichtlich etwa 160 in diesem Quartier erhalten. Für die übrigen sind bereits Ausweichflächen gefunden worden, teilweise in unmittelbarer Nähe des Neubaugebiets. Einige Kleingärtner müssen aber auch nach Langenhorn umziehen.
Der Protest der Pächter ist unverändert groß. Spruchbänder mit der Parole „Hebebrand bleibt grünes Land“ sind an vielen Ecken des betroffenen Kleingartengebiets zu lesen. Auf einer Diskussionsveranstaltung bei „Stadtmodell“ mit dem Titel „Wohnungsbau und Kleingärten: Wie paßt das zusammen?“ klagte eine Zuhörerin die Initiatoren des Wohnungsbauprojekts der sozialen Ungerechtigkeit an: „Das ist eine Umverteilung von Lebensraum, weil die Kleingärtner, die nun vertrieben werden, aus den unteren Schichten kommen, während die künftigen Bewohner der Neubauten ganz gut verdienen müssen. Das ist äußerst unsozial.“ Dem mussten alle Diskussionsteilnehmer zustimmen. Der Wohnungsbaukoordinator, Staatsrat Michael Sachs, konnte lediglich dagegensetzen, dass Wohnraummangel „das unsozialste ist, was es gibt“, weshalb also jeder Wohnungsbau größeren Stils sozial gerechtfertigt sei. Auch der Verlust von extensiv genutzter Fläche, der angeprangert wurde, konnte nicht bestritten werden. Der Konflikt zwischen Wohnungsbau und Kleingartenerhalt hatte den Baudezernenten in Hamburg-Nord, Hans-Peter Boltres, sogar daran zweifeln lassen, „was ich beruflich so tue.“ „Für die Kleingärtner ist der Verlust ihres Gartens so, als ob ihnen das Herz herausgerissen wird“, hatte Boltres bei den vielen Gesprächen im Vorfeld der Neubauplanung erschüttert festgestellt.
Die Bebauung der 39 Hektar zwischen City-Nord und Barmbek ist aber nun beschlossene Sache. Darüber freut sich vor allem die Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt, Jutta Blankau, die bei der Bekanntgabe des Beschlusses viele positive Punkte hervorhob: „Das Pergolenviertel ist ein gutes Beispiel dafür, dass die fachliche Zusammenarbeit zwischen Bezirk und Senat reibungslos und Hand in Hand funktioniert. 60 Prozent der geplanten Wohnungen werden dabei öffentlich gefördert. So entsteht preisgünstiger Wohnraum in einer Top-Lage und die integrierten Kleingärten sowie urbane Grünflächen sorgen für eine hohe Lebensqualität.“
Wie diese Integration realisiert wird, kann jetzt bei „Stadtmodell“, Wexstraße 7, schon ganz konkret nachvollzogen werden. Denn dort hängen die Entwürfe der ersten vier Preise des städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerbs für das Pergolenviertel. Bis 2014 wird nun alles im Detail durchgeplant. Danach beginnt die Erschließung des Gebietes. (ch)
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