Kleingärtner weichen Bauprojekt

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Der Umzugsausschuss am Zollstock: Alfred Englin, Wolfgang Schubert, Markku Nurminen, Sibylle Dawson, Gitte Zeuner-Nafia, Jussi und Annu Kiho mit Tochter, Jens Schröder (v.l.) Foto: Haas
 
Unersetzlich: Über Jahrzehnte gewachsene Idylle müssen nun aufgegeben werden Foto: Haas
Groß Borstel Nur der Umzugsausschuss bleibt nach dem großen Treffen im Vereinshaus. Die Kleingärtner des Vereins „Bahn Landwirtschaft“ am Kellerbleek zeigen auf einen Meterstab, der sei aktuell ihr wichtigstes Requisit. Für den im Herbst bevorstehenden Umzug ihrer Gärten werde alles vermessen. Zudem stehe er dafür: „Das Maß ist voll. Wir sind auf 180“, erklärt die neue Vorsitzende Sibylle Dawson. Dem Verein steht ein attraktives Ausweichgelände in Groß Borstel in Aussicht. Im verwilderten Park hinter der Senioren-Wohnanlage an der Borsteler Chaussee soll der Verein Bahn Landwirtschaft mit 75 Parzellen ein neues Quartier finden. Die Erschließung hätten Experten der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) bereits übernommen. „Doch die bestehenden Lauben werden vor dem Abriss nur zum – bekannt niedrigen – Schätzwert taxiert“, sagt Dawson.
Jetzt sei auch die Neuanschaffung von Lauben zu bewältigen. Ganz zu schweigen vom bestehenden Bewuchs der Gärten. Denn was über Jahrzehnte hier gewachsen ist, lässt sich nicht umziehen.

„Zeche zahlen wir alle“


Gegen den Bau von 350 Wohnungen auf dem Gelände des alten, seit Jahrzehnten brachliegenden Güterbahnhofs war ursprünglich nichts einzuwenden.
Doch dann überplante der Bezirk Nord auch die Gartenparzellen der Bahn Landwirtschaft im Bebauungsplan „Groß Borstel 25“ mit Gebäuden für 750 Wohnungen.
Ab 2011 regte sich Protest. Dem schlossen sich auch Anwohner aus Groß Borstel an und unterstützten den eigens gegründeten Verein „Tarpenbek Greens“: Extra so benannt, im edlen Wettstreit um das wahre Grün gegen das Bauvorhaben gleichen Namens von der McGarrell Reilly Group. Die irischen Investoren hatten das Baugelände für sieben Millionen Euro erworben. Besonders bitter für die Kleingärtner: Der Vertrag mit der Stadt wurde just an dem Tag unterzeichnet, als die – gesetzlich vorgeschriebene – Bürgeranhörung stattfand. Mündliche und über 600 schriftliche Einwendungen hätten danach zur Prüfung angestanden.„Das war reine Augenwischerei. Während sich jemand per Grundstückspekulation eine goldene Nase verdient hat – und das mit Duldung und Hilfe der Stadt“, so der Vorwurf der Kleingärtner, die mit dem Verlust ihrer Gärten auch den niederen Schätzwert verkraften müssen.
Bis zum Herbst müssen die 75 Gartenparzellen dem seit März umbenannten Wohnungsbauprojekt „Tarpenbeker Ufer“ weichen. Wie kürzlich berichtet, hatte McGarrell Reilly das Gelände am Kellerbleek inzwischen an die Hamburger Bauunternehmung Otto Wulf weiterverkauft – satter Gewinn inklusive. Der Kaufvertrag mit der Stadt habe den Weiterverkauf des Grundstücks nicht ausschließen können. „Hier herrscht in einem rechtlichen Graubereich extreme Großzügigkeit. Die Zeche zahlen wir alle“, bedauert Wolfgang Schubert, zweiter Vorsitzender. Zur jüngsten Info-Veranstaltung seien sie nicht mal mehr eingeladen worden.
Doch zum Frust der Gartenfreunde aus dem Verein „Bahn Landwirtschaft“ gesellt sich auch Zuversicht. Sie seien kooperativ im Gespräch mit den BSU-Experten, obwohl die Ausweichgärten in die direkte Nähe zum Flughafen rücken. Vielleicht stehe dann eine Umbenennung ihres Vereins an in „Flug Landwirtschaft“, witzeln sie. Noch sei ihre Kampfbereitschaft nicht gebrochen. Auch der Verein „Tarpenbek Greens“ sei noch nicht aufgelöst. Unterdessen beginnt die Firma Otto Wulff schon mit Vorbereitungen zur Bebauung. Auf der Brachfläche des Güterbahnhofs stehen bereits Baumaschinen. (wh)
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