Konflikt um Fläche?

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Bisher können sich in der Kampnagel-Fabrik Flüchtlinge künstlerisch ausleben. Die CDU hätte gerne zusätzlich Unterkünfte auf dem Gelände Foto: Flüß

CDU sieht Platz für 300 Flüchtlinge auf Kampnagel

Von Miriam Flüß
Winterhude
Die Freiflächen der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel bieten nach Ansicht von Bernd Kroll (CDU) „noch ein großes Potenzial zur Unterbringung von Flüchtlingen in Folgeunterkünften“. Vom Bezirksamt Hamburg Nord wollte der Politiker deshalb wissen, ob die Flächen zwischen den Hallen und dem Osterbekkanal und die zwischen den Hallen und dem Hertha-Feiner-Asmus-Stieg geprüft worden wären und mit welchem Ergebnis. „Die Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard hat sich wiederholt positiv für die Unterstützung und die Unterbringung von Flüchtlingen eingesetzt“, so Kroll.

„Alles wäre vorhanden“


Auch die Eco Favela auf dem Gelände für die Lampedusa-Flüchtlinge hätte die CDU begrüßt. Mit Amelie Deuflhard hat er im Vorwege allerdings nicht über seine Anregung gesprochen. „Zentral im Stadtteil gibt es so gut wie keine Flüchtlinge. Wo sind sie integriert, wo kann man Ghetto-Bildung vorbeugen?“, fragt Kroll. Auf Kampnagel wäre laut Krolls Berechnung Platz für etwa 300 Flüchtlinge in Modulbauten oder Containern, auch sanitäre Anlagen wären vorhanden. „Auf der Seite des Osterbekkanals stehen nur Autos und eine Kolonie, die temporär für Künstler zum Übernachten genutzt wird. Die ist nur geduldet und nicht schön. Es wäre kein unangenehmer Nebeneffekt, wenn die Fläche genutzt wird.“
Die Fläche ist Kroll schon länger ein Dorn im Auge. Im Juni wollte er in einer kleinen Anfrage von der Bezirksamtsleitung wissen, ob das Wohnen auf dem Kampnagelgelände den gültigen Genehmigungen entspräche und wann das Bezirksamt die aktuelle Nutzung zuletzt überprüft habe. „Bisher gab es keine Veranlassung für die Verwaltung, die Nutzung zu überprüfen“, so der stellvertretende Bezirksamtsleiter Tom Oelrichs: „Die Objekte stellen ein sogenanntes Kolonie-Projekt von Kampnagel dar und werden seit etwa
20 Jahren geduldet. Sie dienen der temporären Unterbringung von Akteuren für die Zeit ihres Engagements.“ Dazu stellt Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard klar: „Es gibt kein Wohnen von Künstlern oder Flüchtlingen auf dem Gelände. Das Gelände ist kein Wohngelände, da es durch die Vielzahl von Veranstaltungen zu Lärmbelästigungen kommen kann.“ Flüchtlingsunterkünfte seien auf dem Gelände aktuell nicht geplant: „Wir sind ein Kunstzentrum und geben Flüchtlingen auf künstlerischer Ebene viel Raum.“

Prüfung nicht erfolgt


So wird beispielsweise im Januar im Gebäude der ehemaligen Eco Favela Lampedusa Nord „Migrantpolitan“ eröffnet, ein Begegnungs- und Aktionsraum für Migranten. Vom 26. bis 28. Februar findet eine große Flüchtlingskonferenz auf Kampnagel statt, im Januar ist außerdem ein Spenden-Casino für die Lampedusa-Gruppe geplant. Laut Kerstin Graupner, Sprecherin des neu eingerichteten Zentralen Koordinierungsstabes Flüchtlinge (ZKF) „wurden bisher keine Flächen zur Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Gelände der Kampnagel-Kulturfabrik geprüft.“ Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD) erläutert dazu: „Auf Beschluss der Bezirksversammlung wurde ein Landschaftsplanungskonzept für das Außengelände von Kampnagel erarbeitet. Dieses Konzept soll in einer der nächsten Sitzungen des Regionalausschusses im Januar vorgestellt werden.“
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