Kritik an Hamburger Straßenname

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Parsifal von Pallandt schlägt vor, die Schottmüllerstraße nach der Widerstandskämpferin Oda Schottmüller „umzuwidmen“ Foto: Hanke

Vorschlag: Widmung für Widerstandskämpferin Schottmüller statt für Arzt

Von Christian Hanke
Hamburg. Er sorgte bereits in der Vergangenheit für Unruhe: Professor Dr. Hugo Schottmüller. Jetzt gibt es erneut Ärger über die Tatsache, dass nach dem einstigen UKE-Mediziner, Bakteriologen und Entdecker des Paratyphus eine Straße benannt ist. Denn Schottmüller trat noch 1933 in die NSDAP ein und unterschrieb im selben Jahr das „Bekenntnis der Professoren an den deutschen Hochschulen und Universitäten zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat“.
Die Berichterstattung des Wochenblattes über die Geschichte des Universitätsklinikums Eppendorf anlässlich des 125-jährigen Bestehens verfolgte unter anderem der Hamburger Parsifal von Pallandt. Hugo Schottmüller wurde darin als einer der fachlich herausragenden Ärzte des UKE erwähnt; ebenso seine Mitgliedschaft in der NSDAP und seine Unterschrift unter das Bekenntnis.

Kritischer Brief ans Bezirksamt

Parsifal von Pallandt schrieb an das Bezirksamt Hamburg-Nord, nicht nur um den Namen Schottmüllerstraße zu kritisieren, sondern auch mit einem bemerkenswerten Vorschlag, wie eine Umbennung vermieden, und dennoch nicht mehr an Hugo Schottmüller erinnert werden muss. Seine Idee: die Schottmüllerstraße solle doch künftig an die Künstlerin und Widerstandskämpferin Oda Schottmüller (1905-1943) erinnern. Diese schloss sich der Widerstandsgruppe Rote Kapelle an und wurde 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. „Das wäre sehr einfach. Der Name der Straße braucht nicht geändert werden, bekommt aber einen anderen Sinn“, erläutert von Pallandt.
Das Bezirksamt Hamburg-Nord hat den Vorschlag entgegengenommen und ans Staatsarchiv weitergeleitet. Dieses ist für die Benennung von Straßennamen zuständig. Hakim Raffat, Leiter des Stadtteilarchivs Eppendorf, der sich intensiv mit Straßennamen beschäftigt hat, ist allerdings in Bezug auf einen Erfolg des Vorschlags skeptisch. Bislang hat es keinen vergleichbaren Fall gegeben.

Nicht die erste Beschwerde

Es ist nicht das erste Mal, dass die Schottmüllerstraße in die Kritik geriet. Künstler Gerd Stange nahm vor über zehn Jahren bereits Anstoß an dem Namen, was 2002 zur Umbennung der Schule Schottmüllerstraße in Marie-Beschütz-Schule führte. Die Umbenennung der Straße, die damals ebenfalls gefordert wurde, unterblieb. Sie wird wohl auch dieses Mal nicht umbenannt oder -gedeutet: Das Bezirksamt hat Pallandts Schreiben zwar ans Staatsarchiv weitergeleitet, aber selbst keinen Vorschlag unterbreitet. Das Archiv reagiert aber nur auf Vorschläge der Bezirksämter.
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