Längste Sackgasse

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Stummer Protest unter der Güterbahnbrücke am Kellerbleek. Foto: privat

Mega-Bauprojekt Tarpenbek-Greens in der Diskussion

Von Waltraut Haas

Groß Borstel. Die Pläne einer zweiten Autostraße von Groß Borstel zum Kellerbleek – bislang „die längste Sackgasse Hamburgs“ – seien vom Tisch. So hieß es zwar am vergangenen Mittwoch unisono von den anwesenden Bezirkspolitikern der SPD, CDU, FDP und den Grünen. Zwei Verkehrsgutachten waren schon Ende August im Stadtentwicklungsausschuss des Bezirks Nord vorgestellt worden. Doch die geplanten 750 neuen Wohnungen auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs erhitzen weiter die Gemüter. Müssen dafür auch die benachbarten Kleingärten des Vereins Bahn Landwirtschaft geopfert werden? Der Kommunalverein hatte zur Anhörung in die Carl-Götze-Schule eingeladen, um die Verkehrspläne am Brödermannsweg öffentlich vorzustellen: Dorthin, wo die angedachte Autostraße vom Kellerbleek über die Tarpenbek münden sollte, durch die öffentliche Fläche eines Sportplatzes mit Vereinsheim, vorbei an Kitas und Schulen zur Borsteler Chaussee. Rund 250 Groß Borsteler kamen und nahmen in der überfüllten Aula sogar Stehplätze in Kauf. Mit von der Partie: Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Er wollte „den Prozess der Meinungsbildung in Groß Borstel hautnah erleben."
Verkehrsgutachter, Bezirkspolitiker von der SPD, CDU, den Grünen und der FDP sowie Vertreter des Vereins Tarpenbek Greens diskutierten mit den Anwohnern über die Auswirkungen der Pläne. Ziel der Veranstaltung sei es, ein möglichst klares Meinungsbild zu schaffen, so hatte der Vorsitzende des Kommunalvereins Wolf Wieters die Gäste begrüßt. „Was ist das Beste fürs Gemeinwohl?“ und „Was möchte Groß Borstel?“
Obschon etwas ungeduldig während der Präsentation der einzelnen Straßenvarianten durch die Verkehrsgutachter, sprachen sich die Bürgerinnen und Bürger am Ende mehrheitlich gegen eine neue Straße über die Tarpenbek, aber auch für eine „kleine Lösung“ der Wohnbebauung am Kellerbleek aus: „350 neue Wohnungen sind doch genug!“ so der Tenor der Beiträge. „Und gerade diese Kleingärten dienen doch dem Gemeinwohl!“ betonten mehrere Anwohner, die sich für den Erhalt der Gärten aussprachen. Der Bebauungsplan sei ein „Glücksfall für den Stadtteil“, damit könne „Groß Borstel zukunftsfähig werden“, kam dagegen vonseiten der Bezirkspolitiker, die sich alle für eine Fußgängerbrücke über die Tarpenbek entschieden. Auch Michael Werner-Boelz, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach sich dafür aus. „Angesichts der Notwendigkeit zum Wohnungsbau und zur Nachverdichtung gibt es immer Probleme. Aber jede neue Wohnung ist momentan ein Glücksfall.“
Dagegen bilanzierte Christian Baulig, Sprecher des Vereins Tarpenbek Greens: „Dieser Abend war eher eine Bürgerinformation denn eine echte Bürgerbeteiligung. An den Positionen hat sich nichts geändert.“ Wie berichtet, wendet sich der Verein dagegen, dass auch die Parzellen des Kleingartenvereins Bahn Landwirtschaft am Kellerbleek für den Wohnungsbau geopfert werden sollen. Dass der Verein „Tarpenbek Greens“ – beim Amtsgericht ordentlich eingetragen – denselben Namen trägt wie das geplante Bauprojekt am Kellerbleek, sei kein Zufall: „Wir wollen dafür sorgen, dass es an der Tarpenbek wirklich ‚green‘ bleibt.“ so heißt es vom Verein, der „eine stadtteilgerechte Bebauung mit 350 Wohnungen auf dem Bahnhofsgelände und die Integration der Gärten in das Bauprojekt“ erreichen will. Damit erfahren die „Tarpenbek Greens“ aktuell großen Zuspruch in Groß Borstel. „Immerhin sind inzwischen gut ein Drittel unserer neuen Mitglieder keine Kleingärtner.“ erklärte Baulig augenzwinkernd. (wh)
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