Menschen mit Demenz im Krankenhaus

Anzeige
Sensibler Umgang mit dementen Patienten ist gefragt: Dr. Georg Poppele, Chefarzt Innere Medizin im Evangelischen Krankenhaus Alsterdorf, mit einer Patientin Foto: Hanke
 
Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks stellte die Ergebnisse der Förderungen für das demenzsensible Krankenhaus vor Foto: Hanke

Alsterdorfer Krankenhaus ist speziell auf Betreuung von Dementen vorbereitet und gehört damit zu fünf demenzsensiblen Krankenhäusern in Deutschland

Von Christian Hanke
Alsterdorf
Das Krankenhaus der Evangelischen Stiftung Alsterdorf gehört zu fünf Krankenhäusern in Deutschland, die die Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen ihres Modellprojektes „Menschen mit Demenz im Akut-Krankenhaus“ mit jeweils 100.000 Euro ausstattete, um die Sensibilität für an Demenz erkrankter Menschen zu fördern. Mit Erfolg: in Alsterdorf wurden mit der Fördersumme Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station David für die internistische Behandlung von Menschen mit Demenz finanziert und damit die Motivation in der Betreuung dementer Menschen gesteigert. David ist die einzige Station in Hamburg, in der nur demente Menschen internistisch behandelt werden. Mit dem Geld der Robert Boch Stiftung konnte außerdem die Abfassung eines Handlungsleitfadens „Menschen mit Demenz im Krankenhaus“ in Auftrag
gegeben werden, den Dr. Michael Wunder, der Leiter des Beratungszentrums Alsterdorf, auf der Basis von Interviews mit 20 Mitarbeitenden des Alsterdorfer Krankenhauses, von vier Experteninterviews und Kontrollinterviews mit fünf der 20 Erstinterviewten nach einem Jahr Praxiserfahrung verfasst hat. Der Schwerpunkt dieses Handlungsleitfadens liegt auf der „Wahrung der Patientenautonomie in Diagnostik und Therapie“. Ein heikles und schwieriges Thema in einem Akutkrankenhaus für Menschen mit Demenz. Denn die dementen Patienten können ihre körperlichen Leiden oft nicht benennen. Sie weigern sich machmal untersucht zu werden. Pflegepersonal, Angehörige und Ärzte müssen versuchen zu verstehen, was in den dementen Menschen vorgeht. „Berichtigungen und Zurechtweisungen sind völlig kontraproduktiv und verunsichern zusätzlich“, stellt Dr. Georg Poppele, der Chefarzt des Fachbereichs Innere Medizin in Alsterdorf klar, der die Station David einrichtete. „Ich gehe nicht darüber hinweg, wenn sich jemand weigert, untersucht zu werden, sondern frage mich: Was bedeutet das?“, erzählt Poppele. Herausbekommen können das Pflegekräfte und Ärzte nur durch viel Wissen über den Patienten, durch Beobachtungen und behutsames Auf-ihn-Zugehen. Das funktioniert gut. Auf der Station David steht der Patient im Mittelpunkt. Was will er? Wie fühlt er sich wohl? Deshalb ist der Aufenthaltsraum wie ein Wohnzimmer aus den 1950er Jahren eingerichtet, mit einem alten Radio sowie Stühlen und Sesseln und einer Schrankkombination aus dieser Epoche. Dazu lächeln Stars der 1950er bis 1970er Jahre aus Bilderrahmen. Im Flur schon wird man von großen Fotos und Plakaten von Heidi Kabel, Freddy Quinn, den Beatles oder Hans Albers empfangen. Der mit den Fördermitteln erstellte Handlungsleitfaden stellt den Willen des dementen Patienten in den Mittelpunkt und gibt Tipps und Anregungen, wie man sich ihm annähern kann. Der Autor betont dabei, dass es nur eine Annäherung geben kann, nur die subjektive Interpretation der Äusserungen des dementen Patienten durch Ärzte und Pflegende. Der Handlungsleitfaden bietet kein sicheres Konzept, denn das kann es nicht geben. Aus 14 Zweibettzimmern besteht die Station David, die vor sechs Jahre eröffnet wurde. Schon seit zehn Jahren beschäftigt sich die Evangelische Stiftung Alsterdorf intensiv mit dem Thema Demenz.

Viele Pflegekräfte


Entstanden aus der Tradition der Beschäftigung mit geistig behinderten Menschen, die oft ähnliche Problem haben wie Menschen mit Demenz. Rund zehn Voll- und Teilzeitkräfte arbeiten auf der Station David. Überdurchschnittlich viele. Die Station liegt abgelegen in einem ruhigen Flügel des Krankenhäusern. Die Patienten bleiben in der Regel zwei Tage länger als in Krankenhäusern üblich.
„Wir müssen die Mitarbeiter zum sensiblen Umgang mit dementen Menschen schulen, um ihnen ein Leben in unserer Mitte zu ermöglichen“, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks bei der Vorstellung der Ergebnisse der Förderungen durch die Robert-Bosch-Stiftung in Hamburg. Das ist umso dringender, weil die Menschen auch in Hamburg immer älter werden, wodurch der Anteil dementer Menschen an der Bevölkerung steigt. Rund 90.000 Hamburger sind über 80 Jahre alt. Bis 2020 kommen vermutlich rund 23.000 hinzu. Schon 35 Prozent der über 90-Jährigen leiden an Demenz. Das demenzsensible Krankenhaus ist gefragt. Alsterdorf ist gut vorbereitet.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige