Mieter in der Grindelallee fürchten Rauswurf

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Frank Nicklas vor dem Haus Grindelallee 80, in dem er seit 2008 wohnt und bleiben möchte – trotz Buttersäureattacken und verklebter Türschlösser Foto: Hanke

Eigentümer möchte marode Haus Nr. 80 sanieren

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Ein schöner Altbau in der Grindelallee. Das Haus Nr. 80 nahe der Kreuzung Grindelhof und Rentzelstraße lässt mit seiner ansprechenden in Gelb und Weiß gehaltenen Fassade eine ebenso gepflegte Einrichtung vermuten: in dieser Lage eine heiß begehrte Traumadresse. Doch für die derzeit zehn Mietparteien in den größtenteils kleinen 28 Wohnungen (rund 30 bis 120 Quadratmeter) ist das Haus zum Alptraum geworden. Seitdem ein Immobilienunternehmer das Haus 2013 erwarb, erleben sie Unangenehmes. Übelriechende Buttersäure sorgt für Ekel, Türschlösser werden mit Sekundenkleber verklebt. Das Treppenhaus wurde seit Jahren nicht gereinigt, verdreckt zusehends. Für die Mieter ist klar: der Eigentümer will sie loswerden, um das Haus zu sanieren und die Wohnungen dann teuer zu vermieten oder zu verkaufen. Er beabsichtigt alte Grundrisse mit großen Wohnungen des total verbauten Hauses wieder herzustellen und das Dachgeschoss auszubauen. Der Eigentümer versteht dagegen die Aufregung nicht: Das Haus ist dringend sanierungsbedürftig. Die von ihm beauftragten Architekten planen aktuell den Rückbau nach den alten Grundrissen. Insofern wurde mit der Rechtsabteilung des Mietervereins zu Hamburg ein „Muster-Aufhebungsvertrag“ für zahlreiche Mietverhältnisse geschaffen und mehrfach praktiziert. Frank Nicklas, der seit 2008 im Haus wohnt, hält dagegen: „Der Terror begann etwa ein halbes Jahr, nachdem das Haus verkauft worden war. Viele Mieter waren bereits ausgezogen.“ Ihm wurde gekündigt, da er angeblich Gäste widerrechtlich in seiner Wohnung hatte wohnen lassen. „Das war ganz legal, mit dem Vorbesitzer, der Familie Langhein, so abgesprochen“, erzählt Nicklas, der auch diese Kündigung als Versuch bezeichnet, ihn loszuwerden. Doch er und die anderen Mietparteien wollen bleiben. Trotz Buttersäure und Sekundenkleber. Insbesondere die Buttersäure ist „richtig fies“, wie Frank Nicklas berichtet: „Man bekommt das Zeug nicht weg. Wenn man es wegputzen will, stinkt es nur umso schlimmer.“ Alle Altmieter lassen sich mittlerweile von Mietervereinen vertreten. Anwalt Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg versucht Mietminderungen, Mängelmeldungen, Einsprüche durchzusetzen. Ohne Erfolg. „Das wird einfach ignoriert. Rechnungen werden nicht bezahlt“, berichtet Bosse, für den der Eigentümer kein Unbekannter ist. „Er hat ungefähr 14 Objekte in Hamburg. Nahezu überall erleben Mieter, die nicht ausziehen wollen, dieselben üblen Attacken mit Buttersäure und zugeklebten Schlössern. Ihm sind sie allerdings nicht nachzuweisen“, berichtet Bosse, der in der Grindelallee 80 Hausverbot hat.

„Auf frischer Tat ertappt“


Der Hausbesitzer wehrt sich gegen Vorwürfe dieser Art: Er weiß nichts von Buttersäureattacken, macht für den Dreck im Treppenhaus „Messis“ verantwortlich, die „tonnenweise Müll und Unrat in ihren Wohnungen horten“. „Die Reinigung der Treppenhäuser obliegt gemäß Mietvertrag den Mietern. Defekte sind mir nicht bekannt. Selbstverständlich gehe ich angezeigten Mängeln nach“, lässt der Mann dazu mitteilen. Was die zugeklebten Schlösser betrifft: der Mann einer Mieterin sei „auf frischer Tat“ dabei ertappt worden, „wie er Nachbarwohnungen zugeklebt hat und von der Hauseingangstür das Schloss wechselte und an einem Sonntag die Tür mit einem Wilka-Zylinder versah und abschloss“. Das Mieterklientel sei, so der Eigentümer, „sehr schwierig und untereinander zerstritten. Der Hausmeister wird regelmäßig von Bewohnern beschimpft und attackiert.“ Die Mieter dagegen haben eine Hoffnung: der ungeliebte Vermieter verkauft wieder. Sie zahlen ihre Miete nämlich derzeit an die Stadt, offenbar hat er dort Schulden.
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