Mieter wollen bleiben

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Wir wollen hier wohnenbleiben! Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Martin-und-Clara-Heimannstifts möchten ihre Bleibe in Hoheluft-Ost nicht aufgeben.Foto: Hanke

Neubauprojekt auf dem Stiftsgelände Hoheluft-Ost

Von Dr. Christian Hanke

Hoheluft. Das Neubauprojekt auf dem Stiftsgelände Martini-, Löwen- und Breitenfelder Straße unter Einbeziehung zwei alter Stiftsgebäude nimmt Formen an. Nachdem der Stadtentwicklungsausschuss Hamburg-Nord die Neubaupläne von Euroland und Hanseatische BauKonzept GmbH & Co KG mehrheitlich gutgeheißen hat, können die Investoren Baugenehmigungen stellen. Alle beteiligten Entscheidungsträger, die Stadt Hamburg als Grundeigentümer, die beiden Stiftungen, die dort Wohnstifte für überwiegend ältere Menschen betreiben, und die Investoren, die hier bauen wollen, sind sich offenbar darin einig, dass die Bewohner in neue Stiftsgebäude in Lokstedt umziehen sollten, um Platz für frei vermietbare neue Wohnungen zu machen. Nur eine Gruppe ist mehrheitlich nicht einverstanden: Die Mieter der drei betroffenen Stiftsgebäude. Nach einer Umfrage des Mietervereins zu Hamburg möchten von 38 der 73 Bewohnerinnen und Bewohnern des Martin-und-Clara-Heimannstifts 20 in ihren Wohnungen bleiben, von 14 der 35 Bewohner des Senator-Erich-Soltow-Stifts sind es neun. Die übrigen Befragten, die geantwortet haben, stimmen einem Umzug in Neubauten nach Lokstedt unter Vorbehalten zu. Die meisten Mieter lassen sich von den besseren Ausstattungen, welche die Neubauten bieten werden, nicht locken. Die gewohnte Umgebung, die gewachsene Nachbarschaft, das schöne Viertel und bessere Verkehrsanbindungen sind ihnen lieber.
Wie die Stiftungsvorstände, die Stadt Hamburg und die Investoren halten auch fast alle Fraktionen in Hamburg-Nord eine Umsiedlung der Stiftsbewohner und die massive Neubauplanung auf dem Stiftsgelände für eine gute Sache – weil die Stiftungen angeben, als notwendig erachtete Sanierungen finanziell nicht bewältigen zu können, da sie nicht Grundeigentümer sind. Unter dieser Voraussetzung, so die Fraktionen von SPD, CDU, FDP und Grünen, sei die Umsiedlung in Neubauten nicht zu vermeiden. Die Bezirksfraktionen haben den Investoren allerdings mit auf den Weg gegeben, dass mindestens 40 Prozent, möglichst 60 Prozent, so die SPD, der Neubauten im geförderten Wohnungsbau errichtet werden sollen, und dass den Mietern nach den Umbauten ein Rückkehrrecht in die dann allerdings größeren, anders geschnittenen und vermutlich erheblich teureren Wohnungen eingeräumt wird.
Letzteres ist auch das Hauptziel von Dr. Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg, auf dessen Anregung die Bewohner des Heimann-Stifts einen dreiköpfigen Mieter-Rat gewählt haben: „Der Mieterschutz muss in den Vereinbarungen zwischen Stadt, Stiftungen und Investoren verankert werden. Die Mieter dürfen nicht vergessen werden.“
Verbindliche Vereinbarungen zwischen Stadt, Stiftungen und Investoren sind offenbar noch nicht getroffen worden. Nur, was neu gebaut werden soll, wurde bereits präsentiert. Die alten Gebäude des Heimann-Stifts sollen entkernt und mit neuen Wohnungen ausgestattet werden. Das Gebäude des Soltow-Stifts an der Breitenfelder Straße soll abgerissen und durch einen Neubau für 140 Wohnungen ersetzt werden. In die Mitte des Häuserblocks, derzeit ein großer Garten, wollen die Investoren drei „Punkthäuser“ mit insgesamt 74 Wohnungen bauen lassen. Ergibt zusammen 277 Wohneinheiten statt der derzeitigen 98 Stiftswohnungen.
Unter den Bewohnern der drei Stiftsgebäude brodelt es nach wie vor. Die meisten wollen nicht nach Lokstedt umziehen, sehen keinen akuten Sanierungsbedarf ihrer Gebäude. „Die Mieter fühlen sich hier wohl, haben Angst vor einem Umzug. Sie wollen in kein Neubau-Ghetto“, erzählt Ines Llosens, die seit 2003 im Heimann-Stift an der Löwenstraße wohnt und Mitglied im Mieter-Rat ist. In diesem Gremium herrscht großer Unmut, da er bislang noch keine Informationen vom Stiftungsvorstand erhalten hat. Der Mieter-Rat fühlt sich übergangen, wird jetzt einen Brief an den Stiftungsvorstand schreiben. Auch, weil er die Satzung der Stiftung nicht erhält, die offenbar von dem neuen, seit einigen Jahren amtierenden Vorstand geändert wurde. (ch)
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