Mit 75 macht sie Musik und Stimmung

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Sie ist selbst ein Evergreen: Margot Schöneberndt, die „Stimmungstante“ aus Groß Borstel

Hamburg. Am 17. November geht Margot Schöneberndt wieder auf große Elbfahrt. Mit älteren Menschen, die ihre Musik und ihre Art, auf die Menschen zuzugehen, lieben. Nordddeutsche und Hamburger Evergreens wird sie singen und auf dem Akkordeon spielen, aber auch Schlager und Hits von heute. Margot Schöneberndt ist flexibel und lernt schnell, eignet sich auch aktuelles Liedgut an. Sie hat das Image der „Stimmungstante“ weg. Aber nichts anderes wollte sie sein. „Ich wollte immer Lustigkeit verbreiten“, erzählt die Musikerin, die seit fast 40 Jahren in Groß Borstel lebt. Und sie hat schnell gemerkt, dass sie deshalb nicht auf der Bühne bleiben kann. „Runter in den Saal und ran an die Leute“, lautet ihre Devise. Damit bringt sie auch noch mit 75 Jahren Jung und Alt in Wallung. Wenn sie in die Tasten ihres Akkordeons greift, tobt der Saal. Margot Schöneberndt begeistert in Altentagesstätten, auf Stadtteilfesten, Geburtstagen und Jubiläen. Sie lebt nicht nur ihre Musik, sie kennt auch genügend Tricks und Kniffe, um ihr Publikum aus der Reserve zu locken. So merkt sie sich viele Vornamen der Gäste vor dem Auftritt, um die dann während des Konzerts anzusprechen. Sie ist eben die „Stimmungstante“ und sie liebt die Musik.

Quirlig und lebendig

Bei einem Besuch in ihrem schönen Zuhause in Groß Borstel holt Margot Schöneberndt dann auch bald ihr geliebtes Akkordeon und gibt eine eindrucksvolle Kostprobe ihrer Kunst. Quirlig und mit Temperament greift sie in die Tasten und spielt sie alle an, die eingängigen Hamburg-Melodien: „An de Alster, an de Elbe, an de Bill, dor kann jeder eener moken, wat he will...“, „An de Eck steiht ´n Jung mit´n Tüddelband“, „Ich bin´ne Hamburger Deern...“. Dabei leuchten ihre fröhlichen Augen. Jetzt ist Margot Schöneberndt ganz in ihrem Element. Natürlich im weiß-blau quergestreiften Shirt, mit rotem Halstuch und weißer Mütze auf dem Kopf. So wie sie ihr Publikum kennt. Vor allem die älteren Menschen in Seniorenheimen und Altentagesstätten. Schon seit vielen Jahren spielt die Borstelerin bevorzugt für die Älteren. „Da kommt so viel Freude zurück“, erzählt die Musikerin. Auch, weil Margot Schöneberndt sich diesem Publikum verbunden fühlt, als Menschen, die viele Schicksalschläge überstanden haben. Wie sie. Zwei ihrer vier Kinder kamen bei Unfällen ums Leben. Nach dem Tod des zweiten Kindes war sie ganz am Boden. Bis ein befreundeter Arzt ihr riet, wieder mit der Musik anzufangen. Die hatte sie nach der frühen Heirat mit 18 Jahren zugunsten der Familie aufgegeben.

Musik in die Wiege gelegt

Ihr Mann wollte es so. „Früher hat man sich eher angepasst als heute“, erzählt sie. Für die Familie hatte Margot Schöneberndt eine hoffnungsvolle Karriere unterbrochen, die schon mit sechs Jahren begann.
Musik wurde ihr in die Wiege gelegt. Die Eltern waren Musiker, die Mutter spielte Klavier, der Vater im Posaunenchor. Eine Oma war Opernsängerin. Und Klein-Margot bekam Klavierunterricht, schielte aber nur nach Vaters, im Schrank verschlossenem Akkordeon. Als sie es endlich spielen durfte, gab es kein Halten mehr. Die kleine Margot trat in Lokalen auf, war dort bald eine Sensation. Sie lernte auch Gitarre und Xylophon spielen und trat nach dem Schulabschluss mit Mittlerer Reife „Hannys Dutch Sisters“ bei, einem holländischen Damenorchester, das auch durch Deutschland tourte. „Das war eine wichtige Erfahrung. Aber da ging es sehr streng zu“, erzählt Margot Schöneberndt. Auf die Dauer nichts für die lustige Deern. Dann ließ Jazzmusiker Addi Münster sie im Allotria in St. Pauli auftreten. Schließlich spielte sie mit zwei Kolleginnen ein Trio. Auch in zwei Filmen hat Margot Schöneberndt mitgewirkt, unter anderem in „Wie werde ich Filmstar“ mit Theo Lingen.

100 Mal im Hafenkonzert

Ein Kontakt aus dieser Zeit brachte sie nach ihrem Comeback ins NDR-Hafenkonzert. „100 Mal bin ich im Hafenkonzert aufgetreten und in 70 Fernsehaufzeichnungen“, berichtet die Borsteler Musikerin. Brigitte Mira und Carl Bay waren unter anderen ihre Kollegen. „Mir wurde nichts zu viel. Ich war für die Musik geboren“, erzählt Margot Schöneberndt. Auch heute mutet sie sich viel zu. Zweimal in der Woche hat sie durchschnittlich Auftritte. Freunde warnen schon, raten zu mehr Ruhe. Aber die Musikerin kann es nicht lassen. Ihre Musik hält sie jung. „Meinem Sohn hab´ ich gesagt: Wenn ich im Sarg liege, hol´ schnell mein Akkordeon. Dann stehe ich wieder auf“, erzählt die „Stimmungstante“.
Und wenn sie sich nicht mit Musik beschäftigt, bleibt sie auch nicht ruhig. Margot Schöneberndt ist leidenschaftliche Radfahrerin. Auf dem Wasser fühlt sie sich als Hamburgerin, die rein zufällig in Lübeck geboren wurde, natürlich auch wohl. Am 17. November ist sie wieder auf der Elbe – mit „ihren“ Senioren. (ch)
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