Mit der Extra-Portion Zeit

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Bildungsinitiative „Teach First“ schickt „Fellows“ in soziale Brennpunkte

Von Waltraut Haas
Hoheluft-Ost
In den vergangenen Wochen hatte er viel zu tun. Nach Auswahl und Training der 19 „Neuen“ begleitet Regionalleiter Umut Savaç ihren Start und bleibt Ansprechpartner in den kommenden zwei Jahren. „Fellows“ nennt er die Hochschulabsolventen aller Fachrichtungen, die für zwei Jahre im Programm der gemeinnützigen Bildungsinitiative „Teach First“ an Schulen in sozialen Brennpunkten arbeiten – vor dem Start ihrer Karrieren.
Gerade sind drei Fellows in der Hamburger Geschäftsstelle am Lehmweg zu Gast und berichten über ihren Einsatz: Psychologin Natalie Rappert arbeitet an einer Schule in Langenhorn, wo Umut Savaç selber schon Jahre zuvor als Fellow tätig war. Politologe Torben Schnick berichtet von seiner Arbeit in der Stadtteilschule Hamburg-Mitte. Ganz neu im Amt ist Dokumentarfilmerin Anika Meier. Schon während der Präsenztage vor Schulbeginn machte sie sich mit dem Kollegium der Ilse-Löwenstein-Schule in Barmbek bekannt. Begeistert berichtet sie von einem englischen Radiobeitrag, den Neuntklässler in der freiwilligen „Sommerschule“ während der Ferien produziert hatten. „Gerade die etwas schwächeren Schüler sind dort aufgeblüht und entdeckten ihre Fertigkeiten“, berichtet Anika Meier von ihrem Einsatz.

Vollzeit vor Ort


Für mehr Chancengerechtigkeit im Bildungswesen sind die Fellows persönlich und in Vollzeit vor Ort. „Als zusätzliches Personal engagieren sie sich in der gezielten Förderung von Schülern“, erklärt Umut Savaç. Die „Lehrkräfte auf Zeit“ geben keine Noten, unterstützen den Unterricht und bieten zudem außergewöhnliche Schulprojekte an. Sie arbeiten mit einzelnen Schülern und mit Gruppen. Unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder dem Einkommen ihrer Eltern sollen Schüler ihre Potenziale, Interessen und Stärken entdecken lernen, um später gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen.
„Für Chancengerechtigkeit reicht bloßes Nachdenken nicht aus. Deshalb handeln wir konkret“, sagt Umut Savaç. Das Teach-First-Programm sei bereits Teil der Lösung. „Die von uns ausgewählten und trainierten Fellows agieren in schwierigen Umfeldern. Sie fördern Schüler ganz gezielt, verhelfen ihnen zu besseren Leistungen und tragen so zum Ausbau ihrer persönlichen Fähigkeiten und Lebenswege bei.“ Das setze eine enge Zusammenarbeit mit den Lehrern voraus, die sich angesichts ihres Pensums nicht so intensiv um Einzelfälle kümmern können.
Insgesamt 36 Teach-First-Fellows leisten derzeit ihren Vollzeiteinsatz an 26 Hamburger Schulen in allen Bezirken. Sie tragen neue Impulse in die Schulen und widmen sich schulischen Herausforderungen mit der Extra-Portion Zeit, die im Schulalltag oft fehlt. „Dabei unterstützen wir die Lehrkräfte im Förder- und Fachunterricht“, erklären die drei Fellows. Begeistert berichten sie von ihren Projekten mit den Kids und wie sie ihnen den Spaß an Lernfortschritten vermitteln können. Wie deren Selbstvertrauen schrittweise wachse. „Es ist schön, den Glanz in den Augen von Erwachsenen zu beobachten: Sobald sie Chance haben, sich auszuprobieren und erfahren, was sie Kindern tatsächlich vermitteln können“, resümiert Savaç, der sich nach dem Studium in Hamburg, London und Istanbul als Politologe und Kriminologe seit über vier Jahren im Programm von „Teach First“ engagiert. Vor kurzem wurde er Regionalleiter mit einem fünfköpfigen Mitarbeiter-Team in der Geschäftsstelle am Lehmweg.

Vorbild USA


Seit 2009 waren über 100 Hochschulabsolventen mit Teach First an 44 Schulen in Hamburg tätig. Die Schulen finanzieren ihre Gehälter, die Bildungsinitiative übernimmt Recruiting und Training der Kandidaten. Aktuell sind insgesamt 36 Fellows in der Hansestadt beschäftigt. Das Vorbild der deutschen Bildungsinitiative stammt aus den USA.

Weitere Info: www.teachfirst.de
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