Mit Projekt „Ü60“ raus aus der Isolation

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Treffen sich regelmäßig zu Gesprächen: Marion Schüler-Peters (56) und Christa Hansen Foto: Flüß

Leben in den Alsterdorfer Gärten. Inklusives Angebot für jede Altersklasse

Alsterdorf „Hier kannst Du wieder anfangen zu leben, dachte ich, als ich eingezogen bin und die Gitarre meines Nachbarn sah“, erzählt Christa Hansen (Name von der Redaktion geändert) lächelnd. Im April des vergangenen Jahres hat sie eine Wohnung in der neuen Einrichtung „Projekt Ü60“ des Psychosozialen Zentrums der Evangelischen Stiftung Alsterdorf in der Dorothea-Kasten-Straße bezogen. Zuvor lebte die 61-Jährige, die eine psychische Erkrankung hat, in einer Seniorenwohnanlage. „Die anderen Bewohner waren 20 bis 30 Jahre älter als ich. Ich durfte keine Musik machen, nicht singen.“
Nun ist sie glücklich, einen Platz in der neuen Einrichtung des Betreuten Wohnens Hamburg in den Alsterdorfer Gärten erhalten zu haben. Hier sollen ältere Menschen mit psychischen Problemen Eingliederungshilfe erhalten. Eine Zielgruppe, die bisher noch nicht so explizit in den Fokus genommen wurde: „Selbst wenn es Begegnungsstätten in den Stadtteilen gibt, sind diese für ältere Menschen mit psychischen Erkrankungen, die häufig auch altersbedingt Mobilitätseinschränkungen haben, schwer zu erreichen“, erläutert Marion Schüler-Peters (56), Leiterin der Psychosozialen Zentren. Das führe bei vielen der betroffenen Senioren zur Isolation, die das Krankheitsbild noch verstärken kann. In den Alsterdorfer Gärten bieten 24 Wohnungen eine seniorengerechte Ausstattung mit wohnortnahen Angeboten. Die Klienten, zum Großteil zwischen 60 und 76 Jahren alt, können Einzelgespräche in der eigenen Wohnung oder im Büro wahrnehmen, erhalten Begleitung zu Terminen und können an Gruppenangeboten teilnehmen. „Die Angebote haben wir zusammen gestaltet, das finde ich toll“, sagt Christa Hansen. „Auch die gemeinsamen Ausflüge sind gut, um aus der Isolation herauszukommen.“ Angeboten werden von Marion Schüler-Peters und ihrem fünfköpfigen Team gemeinsames Kochen, Hockergymnastik, Entspannungs-, Kreativ- und Fotogruppen. Die wöchentlichen Einzelgespräche können bei Bedarf oder in Krisen täglich stattfinden, außerdem trifft sich einmal in der Woche eine Gesprächsgruppe. „Diese Leistung wird leider nicht von der Krankenkasse finanziert, die Kosten übernimmt der Sozialträger“, so Marion Schüler-Peters. „Die Gespräche sind nicht klassisch psychotherapeutisch ausgerichtet sondern drehen sich mehr um den Alltag.“ „Und darum, was ich mir für die Zukunft vorstelle“, ergänzt Christa Hansen. In ihrem neuen Umfeld fühlt sie sich geschützt, schätzt aber auch die Lebendigkeit der inklusiven Wohnanlage: „Hier kann ich in Ruhe alt werden. Aber es sind auch viele Familien hier mit Kindern in Rollis oder Singles. Es ist kunterbunt gemischt!“ Rund 5,70 Euro kostet die Kaltmiete, ein Paragraf-5-Schein muss vorgelegt werden. Für Menschen aller Altersgruppen aus dem Wohnumfeld gibt es jeden Mittwochnachmittag eine Sprechstunde rund um psychische Belastungen in der Dorothea-Kasten-Straße 1f. Marion Schüler-Peters beobachtet, dass ihre Klienten Zeit zum Ankommen benötigen: „Einige haben noch Päckchen zu tragen oder müssen den Abschied nach 30 Jahren im gewohnten Wohnumfeld verarbeiten.“ Langfristig sollen sich die Gruppen des Ü60-Projektes auch für Nachbarn öffnen. (flü)

Weitere Infos unter Telefon 529 013 58
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