Müssen Hamburger Eichen weichen?

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Die 50 Stieleichen auf der Mittelinsel am Borgweg sind teils mehr als 100 Jahre alt Foto: flü

Mittelinsel am Borgweg soll große Haltestelle bekommen

Hamburg. Ab März 2016 soll die letzte Bauphase der Busbeschleunigungsmaßnahmen der Linie 6 am Borgweg beginnen. Bis Ende August 2016 sollen der Verkehrsknotenpunkt Borgweg / Wiesendamm umgebaut und die Stellplätze für die Busse verlängert werden. Außerdem ist laut Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) der „Bau einer großzügig dimensionierten Haltestelle stadtauswärts auf der Mittelinsel zur Vermeidung einer zusätzlichen Querung beim Umsteigen in die U-Bahn“ geplant.
In der Mitte des Borgweges vor der U-Bahnstation stehen jedoch 50 Stieleichen, viele von ihnen mehr als 100 Jahre alt. Nach Auskunft des Bezirksamtes sind alle Bäume standsicher und weitgehend vital. Für eine großzügig dimensionierte Haltestelle müssten aber wohl Eichen weichen. „Für das Projekt gibt es noch gar keine Planung. Insofern sprechen wir auch noch nicht über zu fällende Bäume“, heißt es auf Nachfrage zur Zukunft der Bäume aus der BWVI. „Grundsatz ist aber immer: Jeder gefällte Baum wird auch nachgepflanzt.“ Eine kleine Anfrage der CDU-Bezirksfraktion an den Bezirk Hamburg Nord ergab jedoch, dass dieser Grundsatz nicht immer umgesetzt wird: Für 229 im Jahr 2012 im Bezirk gefällte Straßenbäume wurden 143 ersetzt. 2013 wurden 168 Bäume gefällt, 33 wurden im selben Jahr ersetzt. Weitere 146 Bäume würden nach Auskunft des Bezirksamtes nachgepflanzt.

„Grundsatz ist aber immer: Jeder gefällte Baum wird auch nachgepflanzt.“
Verkehrsbehörde


„Bei allen Planungen muss die Fällung von Bäumen auf das Unvermeidbare beschränkt werden“, so Paul Schmid vom BUND Landesverband Hamburg. „Bäume wie diejenigen am Borgweg sind in ihrer Funktion für den Artenschutz und das Stadtklima kaum ersetzbar, schon weil ein Jungbaum Jahrzehnte braucht, um die
Wertigkeit zu bekommen, die der gefällte Altbaum vorher hatte. Gleichzeitig erreichen heute gepflanzte Jungbäume aufgrund der immer
ungünstiger werdenden Standortverhältnisse in der Regel nicht mehr das
Alter, das vor 50 Jahren oder vorher gepflanzte Bäume noch erreicht haben.“ Für eine Bewertung, ob bei einer eventuellen Fällung die Vorteile für den öffentlichen Personennahverkehr oder die Nachteile für die Stadtnatur überwiegen, sei eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Planung jedoch notwendig, betont der BUND-Sprecher. Konkrete Schritte sind laut Bezirksamt frühestens im März 2015 zu erwarten. (flü)
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