Muttermilchbank in Eppendorfer Uniklinik

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Muttermilch wird jetzt im UKE gespeichert. Schwester Hannah Rack entnimmt gerade eine Portion Foto: Hanke
 
Professor DominiqueSinger in der Station für Frühgeborene, für die die Muttermilchbank angelegt wurde Foto: Hanke
Hamburg: Martinistraße 52 |

Gesunde Ernährung für die Kleinsten – finanziert durch Spenden

Von Christian Hanke
Eppendorf
Jetzt kann im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) auch den allerjüngsten Patienten, den zu früh Geborenen und Hochrisikobabys, besser geholfen werden: mit der Milch fremder Mütter, die mehr Milch produzieren als sie für ihre Kinder benötigen. Mütter, die im UKE entbunden haben, werden gefragt, ob sie ihre Milch für die jetzt vorhandene Muttermilchbank des Klinikums spenden möchten, der ersten in der Metropolregion Hamburg.

Infektionsrisiko sinkt

Mit der hier gespeicherten Milch werden Frühchen und andere gefährdete Neugeborene gefüttert, deren Mütter nicht genügend Milch produzieren. „Das funktioniert. Echte Frauenmilch ist eine lebende Substanz. Sie enthält immunologische Abwehrstoffe. Studien belegen, dass dadurch das Infektionsrisiko bei schwachen Babys gesenkt wird“, erläutert Professor Dr. Dominique Singer, der Leiter der Sektion Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin in der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin.

18 Muttermilchbanken in Deutschland

In den letzten Jahrzehnten setzte man bei der Stärkung der gefährdeten Säuglinge in den westlichen Industrieländern auf immer hochwertiger entwickelte künstliche Nahrung. Muttermilch war out, galt als überholte Methode. „Doch in den letzten Jahren ist ein weltweiter Trend zur Muttermilch zu verzeichnen. Sie legt sich wie ein Film schützend um die Darmwand“, berichtet Dominique Singer. Muttermilchbanken wurden vor allem in Skandinavien und in Kanada angelegt. 18 gibt es mittlerweile auch in Deutschland. „Wir waren vor zwei, drei Jahren, als wir mit der Entwicklung der Muttermilchbank begannen, noch einer der ersten mit dieser Idee. Aber wir haben uns viel Zeit genommen, um dieses Projekt so sicher wie nur irgend möglich zu realisieren“, erzählt Professor Singer.

Angebote aus dem Web sind bedenklich

Ein entscheidender Grund für die Anlage der Muttermilchbank war nämlich der Tausch von Muttermilch im Internet. In dem Maße, wie die Verwendung von Muttermilch in den letzten Jahren wieder gesellschaftlich anerkannt war, nahmen Angebote im Internet zu. „Diese Angebote im Internet sind sehr bedenklich, weil völlig unkontrolliert“, urteilt Singer. Das UKE beschloss, „etwas entgegen zu setzen.“ Nur gesunde Frauen dürfen spenden. Sie werden dem Blutspenden vergleichbar gründlich untersucht, bevor sie ihre Milch geben können. Die Milch muss möglichst keimfrei sein, wird nach neuesten Standards untersucht. Die Mütter der Risikobabys müssen natürlich einverstanden sein, dass ihre Kinder die Milch anderer Mütter erhalten, müssen eine Einwilligungserklärung unterschreiben. „Es hat viel Zeit gekostet, die juristische Seite des Muttermilchspendens vorzubereiten“, erzählt Professor Singer, der für die Bereitstellung der Muttermilch zum Beispiel als Lebensmittelhersteller akkreditiert werden musste. „Die Behörde hat unser Projekt aber mit Wohlwollen begleitet“, berichtet Singer.

Aufbau weiterer Muttermilchbank

Einige „sehr erfahrene Schwestern“ und eine Stillberaterin kümmern sich um die Muttermilchbank. Finanziert wird das Projekt größtenteils durch Spenden. Die Krankenkassen geben nichts. Eine Anschubfinanzierung durch den Verein „Hamburg macht Kinder gesund“ und die Elterninitiative „Frühstart“ ermöglichte die Vorbereitungen zum Aufbau der Muttermilchbank, jetzt denkt das UKE bereits über eine Versorgung anderer Krankenhäuser nach.

Weitere Infos: Spenden für UKE Hamburg und „Hamburg macht Kinder gesund“ und Elterninitiative „Frühstart
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