Nachruf: Zum Tod von Susanne Lothar (1960 - 2012)

Anzeige
Susanne Lothar porträtiert von Hamburger Abendblatt Fotograf Andreas Laible.

Immer in unseren Herzen

Liebe Suse, eine Ewigkeit haben wir uns nicht gesehen. Und nun ist es Dein Tod, der mich dazu bringt, Dir zu schreiben. Wie ein Donnerschlag hat mich diese Nachricht getroffen. Man ist schlechte Nachrichten gewöhnt, in einer Zeit, wo sich alles immer schneller verändert. Menschen sterben, das ist der Lauf der Dinge, aber wenn der Tod eines Menschen, den man gekannt hat, Einzug in das eigene Leben hält, hält man inne und erinnert sich. Man kann gar nicht anders, auch, wenn – wie in unserem Fall – das Kennen schon so lange zurück liegt. Damals in der Schule, am Gymnasium Curschmannstraße in Eppendorf. Du warst eine Klasse über mir, eigentlich hatten wir – außer auf Schulfesten und beim Sport (puhhh) - nie viel miteinander zu tun. Als meine damals gute Freundin aus deiner Zehnten „backen“ blieb und zu mir in die Klasse kam, sahen wir uns öfter in den Pausen auf dem Schulhof. Du warst schon damals etwas Besonderes. Nicht, weil du eine berühmte Mutter hattest – das hatten ja einige auf unserer Schule, sondern weil man einfach spürte, dass dich etwas umgab, was andere nicht hatten. Eine Faszination, die auch Teenagern nicht verborgen blieb. Dennoch warst Du nie Außenseiterin. Im Gegenteil. Du hast die Lehrer genauso geärgert wie wir, hast mal geschwänzt und mit uns gelacht. Dieses helle, aus dem Herzen kommende Lachen, das ich trotz all der Jahre jetzt noch hören kann. Und wie beeindruckt war ich einige Zeit nach dem Abi, als du am Schauspielhaus „Lulu“ spieltest.
Vier Mal habe ich im Publikum gesessen, hingerissen von Deiner Art zu spielen, diese Kompromisslosigkeit, diese Hingabe, dieses Eins werden mit der Rolle habe ich unendlich bewundert. Und diese Hingabe verlor sich nie. Ob auf der Bühne oder im Film - Du warst immer eine große Schauspielerin – und eine große Frau. Und das Leben meinte es gut mit Dir: Karriere, Kinder und die große Liebe.
Dann der Schicksalsschlag: Der Mann deines Lebens stirbt. Viel zu früh aus dem Leben gegangen, aus Deinem Leben, das so fest mit seinem verbunden war. Du hast damals gesagt: „Ich muss den Schmerz durch mich hindurch lassen.“ Kompromisslos, auch im Leid. So warst Du eben.
Über die Umstände Deines Verlassens dieser Welt wird geschwiegen. Das ist gut so, denke ich. Es geht nur dich etwas an, niemand sonst.
Doch wo auch immer Du jetzt sein magst, ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du bei dem Mann bist, den Du ebenso kompromisslos geliebt hast. Diese wunderbare Vorstellung, dass ihr Zwei jetzt beieinander seid, tröstet über den Abschied hinweg. In den Herzen derer, die zurück geblieben sind, wirst Du immer bleiben.

Claudia Bonvie,
Chefredakteurin Hamburger WochenBlatt
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige