Neue Fläche für Gärtner?

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„Wir wollen bleiben“ - das klare Statement der Kleingärtner der Eisenbahn-Landwirtschaft Fotos: Hanke

„Tarpenbek Greens“ könnten nach Groß Borstel

Von Christian Hanke
Groß Borstel. Neues vom großen Wohnprojekt Tarpenbek Greens, das auf Kleingartenflächen und dem früheren Güterbahnhof Lokstedt an der Güterumgehungsbahn geplant ist: Den Parzellenpächtern der betroffenen Kleingärten ist eine neue Ersatzfläche in Groß Borstel angeboten worden. Nördlich der Altenwohnanlage Borsteler Chaussee 301 ist Platz für 64 Parzellen. Der ganze Kleingarten der Eisenbahn-Landwirtschaft würde nach dieser neusten Planung dorthin umziehen. Die ursprünglich vorgesehenen 36 Kleingärten am südlichen Rand der Tarpenbek Greens können nicht mehr angelegt werden, da auf den dortigen Flächen nun ein Lärmschutzwall errichtet werden soll. Weil eine vertragliche Lösung über die Errichtung von Lärmschutzanlagen direkt an den Gleisen der Güterbahn, auf Bahnflächen zwischen der Deutschen Bahn und der Stadt Hamburg beziehungsweise dem Bezirksamt Hamburg-Nord nicht zustande kam, sieht die geänderte Planung nun einen Lärmschutzwall jenseits der Bahnflächen vor, der mehr Platz in Anspruch nimmt als die ursprünglich vorgesehene Lärmschutzanlage. Weil der Lämschutzwall weiter von den Gleisen entfernt liegen wird als die Lärmschutzanlage, muss der Wall auch höher sein als diese, nämlich vier bis sechs statt drei Meter. Diese Lösung ist außerdem billiger als die alte. Die Kosten für den Bau der Parzellen werden ebenso gespart wie für die Entgiftung des kontaminierten Bodens: Der Lärmschutzwall wird einfach draufgesetzt.

Ersatzfläche heiß begehrt

Die Kleingärtner, die kürzlich in großer Zahl die letzte Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses Hamburg-Nord besuchten, wären mit der Verlagerung in den Norden von Groß Borstel zufrieden. Aber ganz sicher ist der Umzug noch nicht, denn die besagte Fläche ist heiß begehrt. Die Wirtschaftsbehörde würde sie gern für flughafennahes Gewerbe nutzen. Die Staatsräte von Wirtschafts- und Finanzbehörde sowie der Leiter des Bezirks-
amtes Hamburg-Nord, Harald Rösler, werden Ende September über die Vergabe der Fläche entscheiden. 

Einsprüche bis Oktober

Entschieden ist der Auszug der Kleingärtner von der Tarpenbek aber überhaupt noch nicht. Der neue Bebauungsplan (B-Plan) Groß Borstel 25 für die Fläche, auf der ein irischer Großinvestor rund 750 Wohnungen bauen will, liegt zwar vor. Doch noch ist den Kleingärtnern nicht gekündigt worden. Im Oktober wird der geänderte B-Plan noch einmal öffentlich ausgelegt. Während dieser Zeit können ein letztes Mal Einsprüche erhoben werden. Danach nicht mehr. Die Kleingärtner, die wie die Mehrheit der Borsteler eine kleine Lösung mit rund 350 Wohnungen bevorzugen, die auf dem früheren Güterbahnhofsgelände Platz finden würden, sehen sich als Opfer der Hamburger Wohnungsbauoffensive.

Hymne gegen das Plattmachen von Grün

Gross Borstel. Bezeichnend, dass die Stadt Hamburg den ursprünglichen Plan des Investors, tatsächlich nur das Bahngelände zu bebauen, um das Gelände der Eisenbahn-Landwirtschaft erweiterte, so dass nun 750 Wohnungen gebaut werden sollen. Die Kleingärtner würden bei einem Umzug erheblich draufzahlen. „Ich habe rund 20.000 Euro und viele Monate Arbeit in meine Laube gesteckt. Wenn hier alles plattgemacht wird, bekomme ich 2.000 Euro Entschädigung“, rechnet einer der Kleingärtner, Georg Butter, vor. „Die älteren Kleingärtner haben gar keine Chance mehr. Die können woanders nicht noch einmal von vorn anfangen“, ergänzt seine Kollegin Sonja Bauling. Die Auslegung des B-Plans sehen die Kleingärtner als ihre letzte Chance, ihre derzeitigen Gärten an der Tarpenbek doch noch zu behalten. Dabei bauen sie auf die Groß Borsteler Bevölkerung, die wegen der befürchteten Verkehrsprobleme mehrheitlich ebenfalls die kleine Lösung befürworten.
Über das Wohnprojekt wird am nächsten Sonntag, 8. September, auch auf dem Gartenfest des betroffenen Kleingartenvereins Eisenbahn-Landwirtschaft von 11 bis 17 Uhr informiert. Unter anderem wird dabei die Hymne der Hamburger Kleingärtner gegen die Grünvernichtung, „Sweet Tarpenbek Green“, uraufgeführt. Kinder haben einen Spielparcours durch die geöffnete Gärten entwickelt. Ein großer Flohmarkt ist am Hauptweg aufgebaut (Anmeldungen nimmt Georg Butter unter t 0172 / 43 576 32 entgegen). Zur Stärkung werden Leckeres vom Grill und aus den Gärten sowie selbstgebackener Kuchen und Waffeln geboten. (ch)
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