Neue Rad-Straßen im Bezirk

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Eine Studie ergab, dass auf dem Leinpfad fast dreimal soviel Radler wie Autos unterwegs sind Foto: flü
 
Die Station an der Fernsicht: Für viele Hamburger ein beliebtes Ausflugsziel mit dem Stadtrad Foto: flü

Die Straßen stehen fest. Beteiligung der Anwohner ist noch umstritten

Von Miriam Flüß
Winterhude
2017 sollen die Straßen Bellevue, Schöne Aussicht und Leinpfad in Fahrradstraßen umgewandelt werden. Während das Bezirksamt Nord für den Leinpfad verantwortlich ist, obliegen die Planungen von Bellevue und Schöner Aussicht der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI). Dort ist der Baubeginn für Anfang Januar 2017 avisiert, derzeit läuft das Auswahlverfahren für ein Planungsbüro. „Die Planung für den Leinpfad wurde vor Kurzem begonnen“, lässt das Bezirksamt wissen.
Eine Fahrradstraße ist in ihrer ganzen Breite als Radweg ausgewiesen. Die Alster-Fahrradachsen dürfen von Fahrradfahrern dann auf ganzer Breite auch nebeneinander befahren werden. Es gilt maximal Tempo 30 und die Gehwege sind fortan allein den Fußgängern vorbehalten. Für Anlieger werden die Straßen weiterhin mit dem Auto befahrbar sein, Parkplätze können grundsätzlich bestehen bleiben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt die Planungen: „Fahrradstraßen sind ein probates Mittel der Radverkehrsförderung, wenn sie unter Beachtung einiger Grundsätze gebaut werden“, so Dirk Lau vom ADFC-Landesverband Hamburg. Die Umwandlung des Harvestehuder Weges kritisiert er aber als „Schnellschuss der SPD vor der Wahl und in der Durchführung stümperhaft.“
So müsse vermieden werden, dass der Kfz-Durchgangsverkehr die Straße weiter befahren darf. „Wir wollten die Fahrrad-Straße für den Kfz-Durchgangsverkehr sperren und auch keine Kfz-Parkbuchten auf der Fahrbahn, die den Radverkehr dort ausbremsen. Der Bezirk beziehungsweise die SPD hat das jetzt wohl auch erkannt und versucht nachzubessern“, so Lau. Richard Lemloh von der für Bellevue und Schöne Aussicht zuständigen BWVI verspricht: „Grundsätzlich werden die gewonnenen Erfahrungen mit einfließen, und es wird auf jeden Fall eine Bürgerbeteiligung im Rahmen der Planung geben.“ Auch Thorsten Schmidt von der Grünen-Bezirksfraktion kritisiert, dass der Kraftfahrzeugverkehr im Harvestehuder Weg zugelassen ist. Grundsätzlich begrüßt aber auch er die Umwandlung von Bellevue, Schöne Aussicht und Leinpfad in Fahrradstraßen: „Wir sehen darin eine Stärkung der Infrastruktur für den Radverkehr. Zurzeit ist das Radfahren in Hamburg noch nicht attraktiv genug. Zudem wollen wir wegen der Lärm- und Schadstoffemissionen den KFZ-Verkehr reduzieren. Auch die immer noch zu hohen Unfallzahlen hängen fast immer mit dem KFZ-Verkehr zusammen.“ Insbesondere der Leinpfad sei als Fahrradstraße geeignet, da auf diesem die Veloroute 4 verlaufe und er als Durchgangsstraße für den KFZ-Verkehr nur von untergeordneter Bedeutung sei. Verkehrsmessungen im vergangenen Jahr ergaben, dass dort täglich 1.300 Radler, aber nur 460 Autos unterwegs sind. „Wir sagen ganz klar: Die Fahrradstraßen-Planungen von Rot-Grün nach dem Vorbild Harvestehuder Weg rund um die Außenalster bedeuten eine Verschlechterung für alle Verkehrsteilnehmer – auch für Radfahrer“, so Christoph Ploß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Bezirksfraktion. Eine kleine Anfrage des CDU-Politikers nach der geplanten Bürgerbeteiligung an das Bezirksamt Hamburg-Nord, das für die Umwidmung des Leinpfades zuständig ist, hatte ergeben, dass „die Bürgerbeteiligung im üblichen, von den politischen Gremien vorgesehenen Rahmen durchgeführt werden soll.“ Das kritisiert Ploß scharf: „Besonders schlimm ist, dass es trotz der Erfahrungen bei der Fahrradstraße Harvestehuder Weg bei der geplanten Fahrradstraße Leinpfad erneut keine nennenswerte Bürgerbeteiligung geben soll. Dies ist inakzeptabel und muss sofort geändert werden.“ ADFC-Sprecher Lau appelliert: „Es ist wichtig, dass die Behörden die Verkehrsteilnehmer über die Regeln in einer Fahrradstraße aufklären und deren Einhaltung dann auch kontrollieren.“
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