Neues Café und Kunst im Luftbad in Hamburg

Anzeige
Bis Juli soll die „Parkvilla“ fertig seinFotos: ho
 

Anfang Juli eröffnet die „Parkvilla“. Stadtpark-Verein plant Theater und Konzerte

Von Holger Hollmann
Hamburg. Derzeit ist erst der fertig gemauerte Keller hinter einem Bauzaun zu sehen, doch schon im Juli soll im Licht- und Luftbad im Stadtpark ein neues Café und Restaurant zum Verweilen einladen. „Wir wollten eigentlich schon im Mai eröffnen, um die Außensaison voll nutzen zu können, aber es gab leider acht Wochen Verzögerung beim Bau“, so Dirk Renning, der die neue Location gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Ludwig baut und betreiben wird. Die offenen Fragen zur Statik des eingeschossigen Hauses, die Ursache der Verzögerung waren, seien jedoch mittlerweile geklärt. „Ich hoffe nun, dass wir pünktlich zur 100-Jahr-Feier des Stadtparks Anfang Juli eröffnen können“, sagt er dem Wochenblatt.
Geplant ist ein ganzjähriger Café- und Restaurantbetrieb, wobei das Hauptgeschäft eindeutig zur schönen Jahreszeit laufen wird, wie Renning betont. So wird das Café auf einer großzügigen Terrasse zwischen 200 und 250 Sitzplätze im Außenbereich bieten, während im knapp 50 Quadratmeter großen Gastraum innen zirka 30 Plätze entstehen werden. „Von Ostern bis Ende September wollen wir mindestens bis 22 oder 23 Uhr geöffnet haben und eine volle Speise- und Getränkekarte bieten“, verrät Dirk Renning. „Im Winter wird es dagegen eher Glühwein, kleinere Speisen und Suppen geben und auch die Öffnungszeiten dürften dann kürzer ausfallen.“ Außerdem soll das Café und Restaurant ganzjährig für geschlossene Veranstaltungen buchbar sein. „Und wir überlegen, Koch-Events, eventuell Live-Musik sowie andere Veranstaltungen anzubieten.“

Theater auf der Wiese

Kultur und Kleinkunst soll es künftig auch außerhalb des Neubaus im Licht- und Luftbad geben, das als geschlossener Bereich bestehen bleiben wird, auch wenn der letzte Betreiberverein des alten Luftbades seinen auslaufenden Vertrag vor einiger Zeit nicht verlängert hatte. „Unter der Regie des Stadtpark-Vereins sollen im hinteren Heckenbereich Theaterstücke aufgeführt werden, kleine Konzerte stattfinden oder temporäre Kunstausstellungen durchgeführt werden“, sagt Egbert Willing, Leiter des Fachamtes Management des öffentlichen Raumes im Bezirk Nord. Dafür benötigte Kulissen oder Bühnen sollen jedoch nicht fest installiert, sondern als mobile Lösungen nur zeitweise aufgestellt werden. „Wir wollen damit vor allem jungen Künstlern Auftritte ermöglichen. Geplant ist ein hohes Niveau, aber ohne hohe Eintrittspreise“, verspricht Willing, der sich auch im Stadtpark-Verein engagiert. „Die Kunst- und Musikveranstaltungen werden eine gute Symbiose mit dem neuen Café und Restaurant ergeben, das dabei für Catering und Getränke sorgen kann.“

Bezirksamt: Attraktive Pacht

In dem Neubau sind außerdem öffentliche Toiletten integriert, die alle Stadtparkbesucher nutzen dürfen. Das Hamburger Betreiberpaar des neuen Cafes trägt die Baukosten für das Gebäude, erhält dafür im Gegenzug aber einen 20-jährigen Pachtvertrag mit attraktiven Konditionen. „Das Bezirksamt beteiligt sich an den Baukosten, indem wir den Mietzins reduzieren“, erklärt Heino Fölser vom Fachamt Management des öffentlichen Raumes im Bezirksamt Hamburg-Nord. Ein Prinzip, das sich schon an vielen Stellen bewährt hat, das der Stadt Geld spart und bei dem beide Seiten etwas gewinnen.
Dirk Renning und Sylvia Ludwig verfügen beide über Erfahrung in der Gastronomie. Mehr noch: Die Erfahrung wurde sogar im Stadtpark gesammelt. Sylvia Ludwig hat zuvor 20 Jahre lang im Cafe Sommerterrassen gearbeitet, ihr Mann früher ebenfalls. Beide hatten sich auch schon bei der Ausschreibung für den Cafe-Betrieb in der früheren Trinkhalle im Stadtpark an der Ecke Otto-Wels-Straße und Grasweg beworben, bekamen dort aber nicht den Zuschlag. Das Cafe eröffnete vergangenen Sommer in einem der zwei erhaltenen Gebäude, die der Stadtpark-Planer und spätere Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher entworfen hat. Beim zweiten Anlauf hatten Sylvia Ludwig und Dirk Henning mehr Glück. Nun konnten sie sogar einen Neubau passend für ihr gastronomisches Konzept entwerfen. Die Architektur ihres rund sieben Meter breiten und 18 Meter langen Neubaus wurde mit dem Denkmalschutzamt abgestimmt. Das Walmdach wird mit roten Tondachpfannen gedeckt und die Mauern ganz nach Schumacher-Art mit rotem Klinker verblendet. Der Gastraum des Restaurants wird an drei Seiten bodentiefe Fenster erhalten.

Wie alles begann

Das einstige Licht- und Luftbad wurde in den 1920er-Jahren, also erst einige Jahre nach der offiziellen Eröffnung des Stadtparks, der Öffentlichkeit übergeben. Auf einer schönen Wiese, abgeschirmt durch Buchenhecken, konnten sich die Menschen sonnen oder im Schatten von Bäumen ausruhen. Es gab einen abgeschirmten Damenbereich mit „Nacktbad“, „Sportwiese“ und „Schweigewiese“. Der weitaus größere Teil der Anlage war jedoch als „Familien-Bad“ für beide Geschlechter sowie für Kinder geöffnet. Der Eintritt kostete zehn Pfennig, für Kinder die Hälfte. Eine Monatskarte schlug mit zwei Reichsmark zu buche, für Vereinsmitglieder mit einer Reichsmark. Wer sich einen Liegestuhl oder eine Badehose leihen wollte, musste weitere 40 bzw. zehn Pfennig zahlen.

Luft und Sonne tanken für „Seuchenfestigkeit“

Bis 1937 wuchs die Fläche des Luftbades sogar auf rund fünf Hektar Größe an. Betreiber des „Luft- und Sonnenbads“ war damals der „Hamburger Verein von 1884 für naturgemäße Lebens- und Heilweise“. Der Aufenthalt an der frischen Luft und in der Sonne galt als gesund und krankheitsvorbeugend, was auch bei der Schaffung des gesamten Stadtparks ein zentraler Gedanke war. Der Leiter des Luftbades Charles Scharff hatte lange für ein solches Bad in Hamburg gekämpft. Sogar die Bürgerschaft beschäftigte sich mit dem Thema. Scharff argumentierte damals, dass die Bäder unter anderem auch die „Seuchenfestigkeit“ der Bevölkerung verbesserten. Was heute ungewöhnlich klingt, hatte damals einen realen Hintergrund: Nur gut zwei Jahrzehnte zuvor hatte eine schwere Cholera-Epidemie in Hamburg noch über 8.600 Todesopfer gefordert.
Es gab viele feuchte und dunkle Kellerwohnungen, in den dicht besiedelten Arbeitervierteln herrschten oft äußerst unhygienische Zustände und die Arbeitsbedingungen waren für die meisten Menschen hart und ungesund. Charles Scharff empfahl daher auf einem Werbeblatt für seine Anlage im Stadtpark: „Mein lieber Freund, das sag ich Dir, der Mensch – der ist kein Wassertier. Sein Körper braucht Luft – Sonnenschein. Drum gehe oft ins Luftbad hinein.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige