Neues Europa-Kolleg

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Sie planen das neue Europa-Kolleg an der Moorweidenstraße: Ex-Uni-Präsdent Jürgen Lüthje (Mitte) und die Architekten Bernhard Winking (rechts) und Stefan Waselowsky Foto: Hanke

Universitäre Stiftung will an der Moorweidenstraße bauen

Von Christian Hanke
Rotherbaum. Eine umstrittene Fläche im Univiertel soll nun doch bebaut werden. Auf dem Areal zwischen Logenhaus und Staatsbibliothek an der Moorweidenstraße wird das Europa Kolleg Hamburg ein neues Gebäude erhalten. Vor einigen Jahren beabsichtigte die Hannelore- und Helmut-Greve-Stiftung bereits an derselben Stelle ein Universitätsgebäude nach ihren Vorstellungen zu errichten, was zu Protesten der benachbarten Freimaurer führte, da der Neubau direkt an die reich verzierte Westfassade des Logenhauses angesetzt werden sollte. Der nun geplante Neubau des Europa-Kollegs wird nicht direkt an das Logenhaus herangebaut und einen zu diesem Gebäude hin geöffneten Innenhof haben. Mit dieser Planung können die Freimaurer leben.
Das 1953 gegründete Europa-Kolleg, eine wissenschaftliche Einrichtung zur Forschung und Vertiefung des Wissens über Europa, bietet einen zehnmonatigen interdisziplinären Masterstudiengang an. Sie wird von der privatrechtlichen Europa-Stiftung der Universität finanziert und hat bisher Räumlichkeiten in Groß Flottbek. Nun möchte das Europa-Kolleg in die Nähe der Universität umziehen.

„Die Studierenden sind von der Infrastruktur der Universität völlig abgeschnitten.“
Dr. Jürgen Lüthje, Präsident der Stiftung Europa Kolleg Hamburg

„Die Studierenden sind von der Infrastruktur der Universität völlig abgeschnitten“, begründete der frühere Präsident der Universität, Dr. Jürgen Lüthje, jetzt Präsident der Stiftung Europa Kolleg Hamburg, kürzlich im Kerngebietsausschuss Eimsbüttel den Umzugsplan. Der Unterhalt von Mensaplätzen und ähnlichem in Groß Flottbek ist für das Europa-Kolleg mittlerweile ein nicht unerheblicher Kostenfaktor geworden. An der Moorweidenstraße können die Europa-Studierenden wie ihre Kommilitonen auf dem Uni-Gelände versorgt und beraten werden. Der geplante Neubau, dessen Kosten – vermutlich in Millionenhöhe – die Stiftung trägt, wird neben Arbeits-, Seminar- und Aufenthaltsräumen im verglasten Erdgeschoss aus Appartements für die aus aller Welt stammenden Studierenden des Europa-Kollegs bestehen. Zwar studieren an dem Kolleg derzeit nur 20 bis 30 junge Menschen pro Masterstudiengang, doch es sollen mehr werden, so dass der siebenstöckige Neubau an der Moorweidenstraße über 70 Appartements verfügen wird. Sollten diese Wohnungen nicht durch Europa-Kolleg-Studierende besetzt sein, stehen sie anderen auswärtigen Studenten zur Verfügung. Ein Investor steht bereit, um die Fläche zu erwerben und zu bauen. Die Wissenschaftsbehörde hat das Vorhaben zügig unterstützt, wie Jürgen Lüthje lobend erwähnte.
„Die Wand des Logenhauses bleibt voll sichtbar“, betonte Architekt Bernhard Winking vom Hamburger Büro Winking Froh Architekten BDA zur heiklen Frage der östlichen Abgrenzung. Der Architekt betonte außerdem, dass ein „helles, freundliches Gebäude“ geplant sei, das über viele Aufenthaltsräume verfügen werde und damit viele Gelegenheiten für Treffpunkte biete. Lüthje kann sich auch gemeinsame Veranstaltungen mit den benachbarten Freimaurer-Logen vorstellen und freut sich darüber, dass „die Europa-Idee wieder sichtbar wird im Zentrum der Stadt“. Auch der Platz der jüdischen Deportierten vor dem Logenhaus, in dem jüdische Bürgerinnen und Bürgr Hamburgs in der Nazi-Zeit vor ihrem Abtransport übernachten mussten, soll den künftigen Europa-Studierenden nahegebracht werden: Als Tiefpunkt gemeinsamer europäischer Geschichte.
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