Noch lange nicht ausgelesen

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Christa Stehr war 46 Jahre lang Buchhändlerin mit Leidenschaft und vielen Kenntnissen Foto: Hanke

Buchhändlerin Christa Stehr geht nach 46 Jahren in Ruhestand

Eppendorf Ein Leben ohne Bücher, das kann es für Christa Stehr nicht geben. Seit Anfang des Jahres beschäftigt sich die 63-Jährige aber nur noch mit den gedruckten Seiten, wenn sie Spaß am Lesen hat. In den vergangenen 46 Jahren hat sie anderen Personen Lesestoff empfohlen. Christa Stehr ist Buchhändlerin und eine Eppendorfer Institution, denn seit dem Beginn ihrer Ausbildung bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie für die Buchhandlung Heymann am Ependorfer Baum. „Ich habe immer gern gelesen“, erzählt die freundliche Pensionärin, die glatt 20 Jahre jünger sein könnte. Die Berufsberatung riet ihr daher folgerichtig, Buchhändlerin zu werden. „Ich habe mir drei Buchhandlungen angeguckt. Heymann war am schönsten“, berichtet Christa Stehr über ihren Berufseinstieg. Sie wohnte damals auch nicht allzu weit weg, in Lokstedt, wo sie auch heute noch lebt.
Ein Problem, den Ausbildungsplatz zu bekommen, hatte Christa Stehr nicht. „Auszubildende wurden gesucht“, berichtet die langgediente Buchhändlerin aus längst vergangenen Zeiten. Mit 16 Jahren begann die Leseratte ihre Lehre, wie es damals hieß. Danach baute sie die Kinderbuchabteilung bei Heymann auf, der sie bis zur Pensionierung treu blieb. Kontinuität ist Trumpf im Leben von Christa Stehr, macht sie heute zur Ausnahme-Buchhändlerin. Nur ihr Laden zog um.

Kunden seit Kindertagen


Das Hauptgeschäft von Heymann befand sich früher gegenüber dem jetzigen, am Eppendorfer Baum und die erste Filiale wurde in der Hegestraße eröffnet, dort, wo sich jetzt das Petit Café befindet“, erzählt Christa Stehr, die dort Kinderbücher empfahl. Viele ihrer damaligen kleinen Kunden traf sie später wieder. „Ich hatte Kunden, die ich als Kinder kennengelernt habe und die Jahre später mit ihren Kindern kamen“, berichtet die Buchhändlerin. Allen empfahl sie ihre Lieblingsbücher, ab den 1990er Jahre zum Beispiel die Bücher von Andreas Steinhövel und die Geschichte „Wie Kater Zorbas der kleinen Möwe das Fliegen beibrachte“ von Luis Sepulveda, einem Chilenen, der lange in Hamburg lebte. Daher lernt die Möwe, die von Katzen aufgezogen wird, auch auf dem Michel das Fliegen. Hatte sie nie den Wunsch, ´mal eine neue Arbeitsstelle kennenzulernen? Nein, nie. „Es war immer ein gutes Klima hier, eine schöne Atmosphäre“, erzählt Christa Stehr. Mit den Kolleginnen und Kollegen tauschte sie sich über gelesene Bücher aus. Ans alte Eppendorf hat Christa Stehr noch gute Erinnerungen: „Es war ein gemütliches Viertel mit drei Fisch- und zwei Milchläden. Es war alles nicht so perfekt wie heute.“ In den Büchern steckten noch Buchlaufkarten, nach denen bestellt wurde. In ihren ersten Buchhändlerjahren, in den turbulenten 1970ern, wohnte sie auch einige Jahre in Eppendorf. „Das war sehr reizvoll“, erinnert sie sich. Mit der Heirat 1983 zog sie nach Lokstedt zurück.
Jetzt freut sich Christa Stehr auf die freie Zeit, die für sie aufgrund der neuen Rentenregelung mit 63 Jahren beginnen konnte, ihren Mann, der schon seit drei Jahren Rentner ist, und auf die vielen Bücher, die noch ungelesen zuhause liegen.
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