NS-Drill in der Schule

Anzeige
Einige der Schülerinnen und Schüler, die die Geschichte ihrer Schule, der früheren Jahn-Schule recherchiert haben, mit den unterstützenden Lehrkräften Inge Mandos (links hinten), Oliver Thron und Stephanie Zollmann (re.)Fotos: Hanke

Neues Buch der Ida-Ehre-Schule. Jugendliche sprachen mit Zeitzeugen

Hamburg. Erbarmungsloser Sportdrill als Vorbereitung auf den Krieg, sadistische Turnlehrer, fanatische Nazis. In der heutigen Ida-Ehre-Schule (früher Jahn-Schule) regierte im Dritten Reich der braune Terror. Die Turnhalle hat Uwe Storjohann, der 1933 als einer der ersten Schüler der Jahn-Schule eingeschult wurde, nur als „Folterhöhle“ in Erinnerung. 25 Schülerinnen und Schüler ab Klasse sieben haben einige ihrer Vorgänger, die hier in den 1930er Jahren zur Schule gingen, befragt und unter tatkräftiger Unterstützung des Autors und Schulhistorikers Hans-Peter de Lorent ein Buch über „Die Jahn-Schule 1933-1945. Eine Schule auf dem Weg in den Krieg“, herausgegeben. Es ist bereits die zweite Veröffentlichung über die NS-Vergangenheit an der Ida-Ehre-Schule, nachdem sich Schülerinnen und Schüler schon mit dem Schicksal jüdischer Kinder und Jugendlicher an der damaligen Jahn-Schule beschäftigt hatten, das in dem Buch „Steine des Anstoßes - An- und Innehalten“ festgehalten wurde. Die Initiative für diesen ersten Band ging vom Ida-Ehre-Kulturverein aus, der die Schule in vielen Projekten unterstützt.

Fanatismus im Unterricht

Danach interessierte sich der aus der Arbeit an Band eins entstandene Arbeitskreis Erinnerung an der Ida-Ehre-Schule für die Täter. Aufgrund neu entdeckter Protokollbücher der Jahn-Schule und der Berichte von 15 früheren Jahn-Schülerinnen und -Schülern, die sich auf einen Aufruf im Wochenblatt gemeldet hatten, konnten die Entwicklungen der Schule im Dritten Reich aufgezeigt und Porträts über den damaligen Schulleiter und fünf besonders auffällige NS-Lehrer zusammengetragen werden. Über den fanatischen Turnwart Rudolf Fehling zum Beispiel („Der Starke hat immer recht“), der den Satz „Wissen ist Macht“ durch „Kanonen sind Macht“ ersetzt haben wollte oder den Sportlehrer und SA-Mann Hermann Reisener, der schwache Sportschüler von Sprossenwänden fallen ließ und sie in letzter Sekunde auffing. Die Schülerinnen und Schüler sprachen mit den Zeitzeugen. Lehrer schrieben über die Schulgeschichte. Hans-Peter de Lorent verfasste die Porträts. Dabei kam heraus: die als Reformschule geplante Schule an der Bogenstraße konnte in der Weltwirtschaftskrise nicht fertiggestellt werden und wurde 1934 als NS-Vorzeigeschule eröffnet und nach Turnvater Jahn benannt. Kinder der Hamburger NS-Prominenz gingen hier zur Schule, so die Tochter des Gauleiters, Ingeborg Kaufmann. „Es ist viel spannender diese Geschichten von den Menschen selbst zu hören, als sie in einem Buch zu lesen“, stellten die Schüler fest. „Dann glaubt man das auch. Wir haben mitbekommen, wie die Zeitzeugen sich damals gefühlt haben“, so die jungen Interviewer. Das Buch ist gegen eine Gebühr von 3 Euro in der Ida-Ehre-Schule. Bogenstraße 36, erhältlich. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige