„Postpyramide“ bald ganz leer?

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Ursprünglich ein markanter „Solitär“ in der City Nord: Die alte Oberpostdirektion, 1974-1977 erbaut. Die Interessengemeinschaft der Grundeigentümer würde einen Abriss begrüßen Foto: Haas

Die Post will bis Ende des Jahres die letzten Abteilungen abziehen. Linksfraktion mit eigener Idee

City Nord Gerade kommt Peter Stempin braungebrannt vom Center Court am Rothenbaum, wo er in seinem Zweitberuf als Lininenrichter hochkonzentrierte Arbeit leistete und mit Profis wie Rafael Nadal auf dem Platz stand. In seinem Erstberuf arbeitet der 58-Jährige in der Objektbetreuung bei einem der markantesten Gebäude in Hamburgs Norden. Immer über die Mittagszeit ist er an der Pforte der ehemaligen Oberpostdirektion tätig. Freundlich begrüßt er die wenigen Angestellten, die hier noch zur Arbeit kommen oder sich zur Mittagspause verabschieden. Ein Architekturbüro gibt es noch in einem Gebäudetrakt. Ein anderes Unternehmen nutzt die Garage im Erdgeschoss: Es bietet Stellplätze für Autofahrer, die oft von weither kommen, um dann vom Flughafen aus in Urlaub zu fliegen. Dreiviertel des Gebäudes stehen aber leer. Dunkle Flure, innen und an der ausgebleichten Außenfassade mehren sich die Zeichen eines sichtlichen Verfalls.
„Die Mietverträge der dort noch tätigen Abteilungen der Deutschen Post laufen zum Ende des Jahres aus.“ Martin Grundler von der Deutsche Post DHL Group gibt sich wortkarg. Früher waren hier 1.460 Post-Mitarbeiter tätig, jetzt sind es noch rund 150, die bis Jahresende umziehen müssen. Schon 2005 verkaufte die Post ihre gelb getünchte „Pyramide“ am Überseering 30. Inzwischen wechselte sie schon öfter den Besitzer. Seitdem nimmt ein Drama um das imposante Gebäude seinen Lauf. Ein in London ansässiger Investor verkündete zwischendurch große Pläne, die inzwischen wohl alle im Sande verliefen. Schon einmal, im August 2011, gab es eine Zwangsräumung: Das Gebäude wurde von der Stadt gesperrt, weil der Brandschutz in dem 1977 erstellten Komplex nicht mehr gewährleistet war.
Was wird jetzt aus dem vernachlässigten Gemäuer? Wird es endlich von Grund auf saniert oder abgerissen? Die Postpyramide stehe nicht unter Denkmalschutz, wohl aber gehöre sie zum denkmalgeschützten Bestand der City Nord.

Mehr Büroflächen in HH-Nord

Auch sonst gibt es nur spärliche Informationen. Experten aus der Immobilienbranche, die in der City Nord tausende Quadratmeter Büroraum vermitteln könnten, winken ab. Hier sei schon seit Jahren jede Mühe umsonst. Und Bezirksamtssprecherin Katja Glahn muss Stillschweigen wahren – wegen laufender Verhandlungen? Von der Grundeigentümer-Interessengemeinschaft City Nord (GIG) kommt immerhin ein vages Statement: Sie begrüße eine Neuentwicklung auf diesem Areal.
Denn die City Nord habe ein großes Potenzial für Zuwachs angesichts des sich wandelnden Bürostandortes. „In den vergangenen 15 Jahren wurden etliche Häuser kernsaniert, Neubauten entstanden. Allein im kommenden Jahr werden drei weitere Neubauten fertiggestellt.“ erklärt GIG-Sprecherin Sylvia Soggia zuversichtlich angesichts der Großbaustellen. „Aufgrund ihres sichtbaren Zerfalls sehen wir einem Abriss der Postpyramide positiv entgegen“, so Soggia weiter. „Ein neuer Solitär würde die Bürostadt auch in ihrer besonderen architektonischen Konstellation bereichern.“

Lars Buchmann von der Linksfraktion in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord schlägt vor, in den leerstehenden Trakten des Gebäudes Flüchtlinge unterzubringen. "Besser hier als die Flüchtlinge in Zelten den Winter aushalten zu müssen“, so der Politiker in einer Stellungnahme (wh)
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