Problem: Barrierefreiheit

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Barrierefreiheit ist keine Selbstverständlichkeit und macht den Alltag von Menschen mit Behinderungen schwer. Foto: Goodshot

Stadtteilführer für Menschen mit Behinderung

Bezirk Nord. Hätten Sie gewußt, welche Geschäfte, Restaurants und Kneipen oder welche Institutionen und welche Beratungsstellen in Alsterdorf, Groß Borstel und Umgebung barriefrei oder weitgehend barrierefrei erreichbar sind? Ein handlicher Stadtteilführer listet alle diese Adressen auf, versehen mit einem grünen Punkt für uneingeschränkte Barrierefreiheit und mit einem gelben für leichte Einschränkungen. Der Führer ist bei verschiedenen Institutionen und Geschäften erhältlich.
Herausgegeben hat ihn der Verein „Barriefreies Hamburg“, der ähnliche Ratgeber für alle Hamburger Stadtteile zusammenstellen will. Weil der erste Band in Kooperation mit der Evangelischen Stiftung Alsterdorf entstand, wurden dieser Stadtteil und der Nachbar Groß Borstel als erste auf Barrierefreiheit hin untersucht. Ein-Euro-Kräfte, so genannte „Scouts“, sind für „Barriefreies Hamburg“ unterwegs, um öffentlich zugängliche Gebäude auf Barrierefreiheit hin zu untersuchen. Sie prüfen die Höhe von Kantsteinen, Neigungen von Rampen, die Breiten von Kassenbereichen in Supermärkten, und klären Fragen wie: Gibt es Stufen oder Fahrstühle? „Diese flächendeckende Untersuchung ist einmalig in der Welt“, erzählt Axel Staeck, der Vorsitzende und Gründer von „Barrierefreies Hamburg“, beruflich in der Werbebranche und als Coach von Fürhungskräften tätig. Halb Hamburg haben seine Mtarbeiter schon in punkto Barrierefreiheit kartiert. Leider fehlt es noch an der nötigen finanziellen Unterstützung, damit alle diese Ergebnisse veröffentlicht werden können. Anzeigen für diese Stadtteilführer zu akquirieren ist ganz schwer. Es bedarf eines Sponsors wie beim ersten Heft die Evangelische Stiftung Alsterdorf. Seit fünf Jahren recherchieren Axel Staeck und seine Mitstreiter und Mitarbeiter bereits in Sachen Barrierefreiheit. Um eine allzu subjektive Einschätzung der Situation vor Ort zu vermeiden, sind die Scouts immer zu zweit unterwegs. „Man wundert sich schon, wie sehr Barrierefreiheit und Behinderungen auseinanderklaffen“, resümiert Axel Staeck. Dabei stellt sich den Scouts immer wieder die Frage: was ist eigentlich Barrierefreiheit? Was kann noch als barrierefrei eingestuft werden und was nicht? Außerdem nützten bestimmte Situationen einigen Behinderten, anderen aber überhaupt nicht. „Stufen, Kantsteine, Absätze sind für Rollstuhlfahrer unüberwindbar. Blinde dagegen brauchen Absätze“, nennt Staeck ein Beispiel. Daher legen Staeck und seine Mitarbeiter das Wort Barrierefreiheit großzügig aus. Sie orientieren sich zwar an den wichtigsten DIN-Maßen und an EU-Richtlinien. Doch auch wenn zum Beispiel eine Einrichtung nicht, wie es die EU vorschreibt, über getrennte Behindeten-WC´s für Männer und Frauen verfügt, erhält diese Institution bei „Hamburg Barriererei“ einen gelben oder grünen Punkt. „Das hat einfach niemand“, hat Axel Staeck festgestellt. „Wir wollen Richtlinien nicht buchstabengetreu beachten, sondern vor allem das Bewußtsein für Barrierefreiheit schärfen, den Menschen zurufen: macht die Augen auf. Helft euch gegenseitig“, erläutert Staeck die Philospohie des Vereins.
Die sollte vor allem bei Neubauten beachtet werden, weil die Mehrheit der Menschen in Hamburg bald über 65 Jahre alt ist. „Neue Wohnungen müssen barrierfrei sein, sonst schaffen wir Ghettos“, fordert Axel Staeck deshalb. Solange das Bewußtsein für Barrierefreiheit noch nicht überall selbstverständlich ausgeprägt ist, müssen Staeck und seine Scouts, die fast alle selbst behindert sind oder durch behinderte Freunde oder Verwandte für das Thema sensibilisiert wurden, eben darauf hinweisen. Bleibt zu hoffen, dass sich genügend Sponsoren finden, damit jeder Hamburger Stadtteil einen Führer zu den barriefrei zugänglichen Einrichtungen erhält.
(ch)

Die Broschüre gibt es u.a. bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf, Tel.: 50 77 00 www.alsterdorf.de
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