Protest bekommt Flügel

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Die Fluglärm-Gegner warnen vor dem Überfliegen besiedelter Gebiete Foto: wb
 
Sie leiten den neuen Verein „FSH – Lärmschutz für Hamburg“ (v.l.): Christian Boller, Sebastian Schubert, Christine Granica und Rainer Köncke Foto: ho

Fluglärm-Gegner gründeten Verein. Nächste Umleitung Frühjahr 2016?

Von Holger Hollmann
Alsterdorf/Winterhude
Nun ist es amtlich: Gut zwei Dutzend Fluglärm-Gegner aus Alsterdorf und Barmbek haben jetzt eine Initiative gegründet, um damit ihren Protest gegen zunehmenden Flugverkehr südlich des Flughafens in Zukunft schlagkräftiger zu machen. „Wir haben vor zwei Jahren, als die Alsterdorfer Start- und Landebahn so stark wie selten zuvor genutzt wurde, über 1.600 Protest-Unterschriften gesammelt und der Behörde übergeben, doch keine echte Resonanz bekommen“, sagte der Vorsitzende des neu gegründeten Vereins „FSH - Fluglärmschutz Hamburg“, Rainer Köncke, aus Alsterdorf. „Wir werden offenbar nur gehört, wenn wir ein juristisches Vehikel in Form eines Vereins haben. Deshalb sind wir diesen Schritt gegangen.“
Neben Anwohnern aus Alsterdorf waren auch Barmbeker in den Saal am Flachsland 9 gekommen. Unter ihnen Benjamin Schubert, der die Unterschriftenaktion damals initiierte und nun auch dem FSH-Vorstand angehört. „Der zunehmende Fluglärm südlich des Flughafens schränkt die Lebensqualität vieler Tausend Hamburger in dem Anflugkorridor bis hinüber nach Horn und Hamm ein. Wir gehen davon aus, dass unser Verein spätestens bei der nächsten längeren Verlagerung der Landeanflüge auf die Bahn 33/15 im Frühjahr 2016 stark anwachsen wird. Dann wird die Behörde uns ernst nehmen müssen“, sagte er.
Schubert monierte, dass die Stadt Hamburg zugleich größter Eigentümer, Genehmigungsorgan und Kontrollbehörde des Flughafens in einem ist. „Das sind verworrene, filzige Strukturen, die im Interesse der Bürger dieser Stadt gegen eine wirklich unabhängige und transparente Kontrolle ausgetauscht werden müssen. Die Behörde ist heute ein einziger Wackelpudding und reagiert nicht, während der Fluglärm unsere Lebensqualität einschränkt.“

Angst um Sicherheit


Auch Niels Stahlke aus Alsterdorf glaubt, dass „die Stadt die alte Regelung, dass die südliche Anflugroute nur in Ausnahmefällen genutzt werden darf, auflösen will“. Viele Anwesenden äußerten sich auch aus Sicherheitsgründen besorgt, da Flugzeuge über den dicht besiedelten Stadtteilen bei technischen Problemen keinen Platz zum Ausweichen oder Notlanden hätten.
Die konkreten Forderungen des FSH sollen jedoch erst nach der Eintragung als Verein auf der ersten Mitgliederversammlung im neuen Jahr diskutiert werden. Bereits jetzt gefordert wurde eine Verlegung der Landebahn-Wartung in kühlere Monate, damit der südliche Anflug über dem Hamburger Stadtgebiet nicht mehr wie bisher gerade in der ersten warmen Phase des Jahres stattfindet, wenn die Anwohner draußen sind und Fenster geöffnet haben. Dann sorgt der Fluglärm auch bei den Besuchern des Stadtparks – einer der wichtigsten grünen Lungen der Stadt – für großen Frust. Ebenfalls diskutiert wurde eine maximale jährliche Begrenzung der Starts und Landungen über die Alsterdorfer Bahn auf einem erträglichen Niveau. Diese sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen von einst 3.171 Starts und Landungen oder 1,9 Prozent der gesamten Flugbewegungen in 2008 auf bis zu 9.000 Flugbewegungen in 2012, was sechs Prozent des Gesamtverkehrs ausmachte und einer Verdreifachung zu 2008 entsprach.
Ebenfalls auf der FSH-Agenda könnte eine zeitliche Einschränkung des Flugverkehrs abends und morgens stehen. Heute landen die Maschinen bis 23 Uhr und oft noch danach, ohne große Strafzahlungen. Morgens starten die ersten Maschinen schon wieder ab sechs Uhr.
„Hier könnte unser Verein dafür sorgen, dass juristische Möglichkeiten gegen den Fluglärm effizienter genutzt werden. Wir wollen uns aber auch gemeinsam mit den anderen Fluglärminitiativen im Rahmen der Allianz für Lärmschutz für generelle Verbesserungen einsetzen, etwa den Einsatz leiserer Maschinen“, ergänzte der Barmbeker Benjamin Schubert. Und weiter: „Wir wollen mit dem Verein jetzt schon eine Plattform für den Protest all dieser Hamburger schaffen, damit wir bei der nächsten großen Flugumleitung handlungsbereit sind.“
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