Protest der Kleingärtner

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Beim 1. Kleingartenforum zum Pergolenviertel versuchte Bezirksamtsleiter Harald Rösler in der Diskussion mit den Kleingärtnern zu vermitteln. Foto: Gemeinholzer

Pergolenviertel weiter in der Diskussion

Von Anne Gemeinholzer
Winterhude / Alsterdorf. Der Protest der Kleingärtner gegen das Pergolenviertel (früher: Hebebrandquartier) ist ungebrochen groß. Dabei ist es längst beschlossene Sache, dass sie für das größte Wohnungsneubauprojekt im Bezirk Hamburg-Nord Opfer bringen müssen.
Ebenfalls sicher ist aber auch, dass die jetzt im Gebiet ansässigen Kleingärtner mitbestimmen sollen, wie die neuen im Pergolenviertel integrierten Kleingartenflächen aussehen sollen – so sieht es das im vergangenen Jahr abgeschlossene Beteiligungsverfahren vor. Vielen Kleingärtnern ist das aber offenbar nicht genug. Beim 1. Kleingartenforum am vergangenen Mittwoch kochten die Emotionen hoch.
Vor über 100 Besuchern im Herntrichsaal der Evangelischen Stiftung Alsterdorf versuchte Bezirksamtsleiter Harald Rösler zu besänftigen – mit mäßigem Erfolg: „Ich weiß, dass es ein heftiger Einschnitt ist, wenn man einen Kleingarten hat – das geht mitten ins Herz“, sagte Rösler. Aber wenn die Stadt sich anders entwickele, gäbe es keine andere Möglichkeit, als dass die Kleingärtner Platz machten. Für einige Unruhe gesorgt hatte zuvor Röslers Vorredner, der Vorsitzende des Landesbundes der Gartenfreunde Dirk Sielmann, mit seiner – wohl vielfach missverstandenen – pragmatischen Sicht auf die Situation.
„Die Beschlüsse sind gefasst.
Das bedeutet dann auch, dass die jetzigen 330 Parzellen platt gemacht werden“, sagte Sielmann. Der Landesbund wolle möglichst viele Ersatzflächen organisieren: 160 neue Parzellen seien im Pergolenviertel vorgesehen, 60 auf dem Gebiet des Staudengartens am Stadtpark und 70 in Langenhorn. Weitere Flächen könnten im Gleisdreieck entstehen, „auch wenn die Wirtschaftsbehörde dort etwas anderes plant“, kündigte Sielmann harte Verhandlungen an. Womit wohl viele Kleingärtner überfahren wurden, war die Ankündigung des Landesvorsitzenden, dass vor Baubeginn der bis zu 1350 Wohnungen mit einer großflächigen Zerstörung von Kleingartenflächen zu rechnen sei – infolge einer Kampfmittelsondierung: „Viele Gärten werden ohnehin platt gemacht, wenn ein Verdacht auf Kampfstoffe im Boden besteht – und das wird nicht mit Zahnstochern gemacht, sondern mit Baggern.“
Der Protest der Kleingärtner richtet sich vor allem gegen den geplanten kompletten Kahlschlag: „Warum macht man alles platt, um es später wieder neu entstehen zu lassen?“, fragte eine Teilnehmerin. Wieder eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren anzusiedeln, koste viel Mühe und Fleiß. „Man zerstört ja Lebensraum. Warum nimmt man nicht gewachsene Strukturen und versucht sie zu verändern? Menschen sind dort auch verwurzelt“, sagte eine weitere Zuhörerin.
Dass das Ziel von 160 neuen Parzellen im Pergolenviertel nicht zu erreichen sei, wenn man mit dem Bestand arbeite, machte Landschaftsarchitekt Peter Köster deutlich, der im Auftrag des Bezirksamtes in Workshops mit den Kleingärtnern eine Planung erarbeiten wird.
Auch die Unsicherheit, wo sie in Zukunft gärtnern, treibt viele Kleingärtner um: „Es wird alles zerschlagen, allen wird gekündigt, und keiner hat mehr Anspruch darauf, im Pergolenviertel einen Garten zu bekommen“, sagte ein Diskussionsteilnehmer. Erneut geäußert wurde auch das Argument, dass die Umsetzung des Bauprojekts soziale Ungerechtigkeit befördere: „Man kann nicht für sozial Schwache Wohnungen bauen, indem man noch sozial Schwächeren ihren Garten wegnimmt“, sagte eine Teilnehmerin. „Sie können nicht Wahlkampfversprechen auf Kosten der sozial Schwachen einlösen.“
„Ich dachte, wir wären schon weiter“, reagierte Rösler darauf. „Wenn man diese Bedenken konsequent ernst nimmt, käme es zum Stillstand in dieser Stadt.“ Dass es für die Kleingärtner einen Einschnitt gäbe, wolle er nicht kleinreden.
„Aber wir bemühen uns darum, mit Ihnen zusammen Lösungen zu finden und standortnah Ersatzflächen zu finden.“ Man bleibe im Gespräch bei weiteren drei Kleingartenforen innerhalb eines Jahres. „Wir sind sehr ehrgeizig in Sachen Transparenz und Beteiligung – da wird nichts hinter verschlossenen Türen gemacht“, kündigte Rösler an. (ag)
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