Protest-Tanz der Kleingärtner

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Kleingärtner der Bahn-Landwirtschaft tanzten den Harlem Garden Shake, um gegen die drohende Zerstörung ihrer Gärten zu protestieren Foto: Hanke

Altlasten auf Fläche von „Tarpenbek Green“ / Grüne sehen Investor in der Pflicht

Groß Borstel. Alarmierende Entdeckungen auf der Fläche an der Güterumgehungsbahn, auf der der irische Investor McGarrell Reilly 750 Wohnungen bauen will. Bereits 2011 wurden auf dem Areal, das zu einem großen Teil von den Kleingärten der Bahn-Landwirdschaft belegt ist, Altlasten festgestellt. Ein Ingenieurbüro bestätigte 2012 diesen Befund. Laut Gutachten wurde die Fläche zwischen 1926 und 1946 bis zu 6,50 Metern durch Bodenaushub, Schlacken und Müll aufgehöht. „Es liegen Hinweise auf Schwermetalle und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe vor. Die genaue Ausdehnung der Belastung kann anhand der vorliegenden Bohrergebnisse noch nicht abgegrenzt werden“, hieß es aus der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt auf eine Anfrage der Fraktion der Grünen in der Bezirksversammlung Nord.

Keine akute Gefährdung

Weiter teilte die Umweltbehörde mit, dass „Prüfwerte der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung für die Wirkungspfade Boden - Mensch / Direktkontakt und Boden - Nutzpflanze“ überschritten werden. „Die Gehalte“, so die Behörde, „liegen jedoch nicht in einer Größenordnung, bei der von einer akuten Gefährdung der Kleingärtner auszugehen ist. Es ergibt sich somit kein unmittelbarer Handlungsbedarf.“ Die Grünen zeigen sich dennoch alarmiert, verlangen von der Umweltbehörde einen Plan, wie mit den Altlasten umgegangen werden soll. „Die Aussage ‚keine akute Gefährdung‘ reicht da nicht“, findet die Bezirksabgeordnete der Grünen, Ulrike Sparr. Michael Werner-Boelz, der Vorsitzende der Grünen-Fraktion, bezweifelt außerdem, dass die Behörde erst jetzt von den Altlasten erfahren hat. „Unter den Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern heißt es seit langem, dass der Boden belastet sei und deshalb auch besondere Vorkehrungen beim Anbau von Nutzpflanzen gelten“, weiß Werner-Boelz zu berichten. Die Kosten für die Entsorgung der Flächen müsste der Investor McGarrell Reilly tragen, der die Untersuchung im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens in Auftrag gegeben hatte.

Harlem Garden Shake

Die Kleingärtner der Bahn-Landwirtschaft hoffen deshalb und auch wegen eines Konflikts zwischen dem Investor und der Deutschen Bahn über den Standort einer zu errichtenden Lärmschutzwand entlang der Güterumgehungsbahn, dass McGarrell Reilly langsam die Lust an dem Bauvorhaben verliert. Den Kleingärtnern ist noch nicht gekündigt worden. Um ihren Protest gegen die drohende Vertreibung noch einmal zu bekräftigen, verkleideten sich am vergangene Sonntag rund 30 Mitglieder der Bahn-Landwirtschaft und tanzten einen sogenannten Harlem Garden Shake, der nun über Youtube verbreitet wird: http://www.youtube.com/watch?v=RV5sgLYvL0I. „Wir protestieren damit gegen die drohende Auflösung unserer Gärten und gegen die Zerstörung des Grüns“, erläuterte Sylvia Doria, die sich seit elf Jahren im Kleingartenverein der Bahn-Landwirtschaft wohl fühlt: „Das ist wie ein Heimatdorf. Hier ist man sich sehr nahe.“ (ch)
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