Ringe verschwinden aus der Leichenhalle in Hamburg

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Hamburg. Kleine Gruselstunde im Amtsgericht Mitte. Im Mittelpunkt einer Gerichtsverhandlung stand das Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Eppendorf. Ausgerechnet aus der Obduktionshalle dieser seriösen Institution verschwanden kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres zwei wertvolle Ringe, offenbar gestohlen von der Hand einer weiblichen Leiche.
Angeklagt war der Sektionsassistent Thomas L. (54). Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, die Ringe im Gesamtwert von etwa 22 000 Euro von den Händen des Leichnams entfernt und an sich genommen zu haben, um das Diebesgut dann für sich zu verwenden.
Thomas L. arbeitet dort, wo die Studenten reihenweise in Ohnmacht fallen, wenn er mit seinen Werkzeugen ansetzt, um die Leichen zu zerteilen. Er ist sogar befugt, Organe zu entnehmen, um sie den Professoren für die Sektion zurechtzulegen.
An diesem Morgen, eine Woche vor Weihnachten, ging es in der Obduktionshalle hektisch zu. Drei Leichen lagen gegen 7 Uhr auf dem Tisch und sollten aufgeschnitten werden. „Statt der vier Sektionsassistenten, die zur Arbeit erscheinen sollten, waren nur zwei gekommen.Und um 11 Uhr sollte ich schon bei einer Außensektion in Celle sein“, berichtet der Angeklagte.
In der Hektik, so gestand er, habe er der Frau die Ringe mit Hilfe eines Bindfadens und Seife von den geschwollenen Fingern gezogen. Er habe die Ringe dann in die Tasche seiner weißen Jacke gesteckt, um sie später bei der Verwaltung abzugeben.
Damit handelte er gegen die Vorschrift des Instituts, die besagt, dass Wertgegenstände in einer Plastikbox verstaut werden müssen, die dann mit dem Namen und der Leichennummer beschriften werden muss.
Noch schlimmer: Thomas L. hängte die Jacke mit den Ringen in seinen Spinnt und vergaß sie dort. Erst sechs Wochen später will er die Ringe wieder in der Jackentasche gefunden haben, um dann sofort den Klinikchef, Professor Klaus P. zu informieren.
Der Mediziner, der als Zeuge geladen war, bestätigte diese Aussage. Die gleiche Geschichte über die vergessenen Ringe habe er so von dem Angeklagten damals gehört.
Das Gericht konnte diese Darstellung nicht widerlegen und sprach den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Für seinen Verstoß gegen die Vorschriften beim Umgang mit Wertsachen in der Obduktionshalle bekam Thomas L. allerdings eine Abmahnung von der
Institutsleitung. (je)
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