Rosa Müllberge nerven

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Regelmäßig stapeln sich die rosa Müllsäcke in der Rappstraße. Anwohnerin Nadine Buch ist nicht begeistertFoto: Hanke

Anwohner und Bezirkspolitik wollen die Säcke abschaffen

Von Christian Hanke
Grindel. Sie sind ein ewiges Ärgernis, müffeln massiv, geben ihren Inhalt preis und ziehen Ungeziefer an: die rosa Müllsäcke, die sich in den dicht bebauten Altbaustadtteilen stapeln, wie in der Rappstraße. An den Tagen vor der Abholung durch die Stadtreinigung türmen sich in der kleinen Straße im Grindelviertel die oftmals stinkenden und unansehnlichen rosa Säcke. Manchmal haben sie viele kleine Löcher: „Krähen hacken die Säcke auf“, hat Anwohnerin Ronja Knauer beobachtet. „Die Säcke stehen eigentlich immer hier, nur am Abholtag sieht es besser aus“, hat Bendix Sander beobachtet. Zweimal in der Woche kommt die Stadtreinigung. Nicht häufig genug, finden die Anwohner. Doch das Grundproblem liegt woanders: in den fehlenden Räumen für Müllbehälter. Die rosa Säcke wurden in den 1970-er Jahren für Häuser eingeführt, die keine Räume für Müllbehälter haben. Nicht nur die Bewohner der betroffenen Viertel wie am Grindel, sondern auch die Kommunalpolitik und die Stadtreinigung sind nicht zufrieden mit der derzeitigen Situation.
„Sie ist für eine Stadt wie Hamburg unwürdig“, findet Bernd Leowald von der Stadtreinigung, der kürzlich zu diesem Thema in den Kerngebietsausschuss Eimsbüttel eingeladen wurde. Er bekundete aber auch die Machtlosigkeit seiner Truppe, die nicht häufiger ausrücken könne. Denn die zuständige Fachbehörde sieht die Hausbesitzer in der Verantwortung, wie Thomas Pröwrock, der Leiter des Managements des öffentlichen Raumes im Bezirksamt Eimsbüttel ausführte: „Die Beseitigung des Mülls wird als hausgemachtes Individualproblem der Anlieger angesehen.“ Sie müssten Raum für Müllbehälter schaffen. Da aber in den letzten Jahren eher umgekehrt noch vorhandene Müllräume für andere Zwecke umgebaut wurden, mussten immer mehr rosa Müllsäcke ausgegeben werden. „Warum wurden diese Umbauten genehmigt?“, wunderte sich der FDP-Abgeordnete Jens Meyer. Auch Anwohner Bendix Sander stellt sich diese Frage. Eine Antwort wurde im Kerngebietsausschuss nicht gefunden, der auch keine Lösung für die Müllproblematik in der Rappstraße fand. Dort ist man wütend über die Ansicht der Behörde. „Die Stadt sieht tatenlos zu, wie sich Ungeziefer ausbreitet“, ereifert sich Ronja Knauer. Die Anwohner haben übrigens einen Lösungsvorschlag: ein Unterflurbehälter könnte problemlos auf dem verkehrsberuhigten Platz Ecke Born- und Heinrich-Barth-Straße eingebaut werden. „Das funktioniert in der Schweiz hervorragend“, weiß Ronja Knauer zu berichten. Sind Unterflurbehälter die Lösung? Wenn Platz vorhanden ist. Dr. Torsten Sevecke, der Leiter des Bezirksamtes Eimsbüttel, hat bereits deutlich auf das Müllproblem reagiert. Er hat bei der Fachbehörde angefragt, ob rosa Müllsäcke nicht einfach verboten werden sollen. Die Antwort steht noch aus. (ch)
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