Rotherbaum: Ein Quartier gedenkt der NS-Opfer

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Stolpersteine im Schnee: Foto aus der Ausstellung mit Bildern von Amos Schliack Foto: Amos Schliack

Ausstellung, Konzert, Vortrag, Mahnwache – Gedenken an Reichspogromnacht am 9. November

Rotherbaum Überall im Grindelviertel sind sie markant in die Gehwege eingefügt: Stolpersteine – sie erinnern vor den Hauseingängen an ehemalige Bewohner, die Opfer der Nazis wurden. Am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, an dem die Nationalsozialisten 1938 in ganz Deutschland Synagogen und jüdische Einrichtungen in Brand steckten sowie Tausende Juden verhafteten, wird in der Galerie Postel, Rappstraße 9, um 19 Uhr die Ausstellung „Stolpersteine. Fotografien aus dem Grindel“ von Fotograf Amos Schliack, der selbst am Grindel wohnt, eröffnet. Außerdem werden Fotos von orthodoxem jüdischen Leben aus dem Jerusalemer Stadtviertel Mea Shearim und Bilder aus Auschwitz gezeigt. Zur Eröffnung findet ein Konzert mit der Mezzosopranistin Irina Landsberg und dem Pianisten Moshe Landsberg statt. Historikerin Beate Meyer, Initiatorin der Bücher über die Biographien zu den Stolpersteinen, spricht über die Fotos und die Steine vor dem Hintergrund der jüdischen Geschichte des Grindelviertels. Schliack ist auch Initiator der Aktion „Grindel leuchtet“, in deren Rahmen ebenso am 9. November ab 16.30 Uhr wieder Kerzen neben die Stolpersteine gestellt werden können. Ebenfalls ein Ritual zur Wiederkehr der Reichspogromnacht: die Mahnwache, 15.30 bis 17 Uhr auf dem Joseph-Carlebach-Platz am Grindelhof, auf dem bis 1939 die Bornplatz-Synagoge, Hamburgs größte Synagoge, stand. Die Autorin Peggy Parnass und Michael Heimann von der Jüdischen Gemeinde Hamburg sprechen unter anderen. Hamburgs Oberrabbiner Shlomo Bistritzky spricht ein jüdisches Gebet. Auch in Groß Borstel wird in diesem Jahr an die Reichspogromnacht mit einer Andacht am 9. November um 18 Uhr in der St. Peterkirche, Schrödersweg 1, erinnert. Groß Borstel hat offenbar mit diesem Ereignis wenig zu tun. Nur zwei Stolpersteine liegen in diesem Stadtteil. Der zweite wurde gerade für Meier Ohlhausen (1864-1943) vor dem Haus Borsteler Chaussee 160 gelegt. An sein Schicksal wird in der Andacht erinnert. Der jüdische Groß Borsteler lebte hier 1930 bis 1942. Vermögend war er 1930 mit 66 Jahren aus den USA nach Hamburg übergesiedelt, hatte in Groß Borstel 1937 ein Kaffee- und Konfitürengeschäft eröffnet. Am 5. Mai 1942 wurde er verhaftet. Seine Frau lließ sich auf Druck der Behörden von ihm scheiden. Am 26. Februar 1943 wurde Ohlhausen ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo er am 20. März starb. Auch die Biografie des Nazi-Opfers, für den der erste Stolperstein in Groß Borstel verlegt wurde, Wilhelm Scherfig (1899-1945), wird in der Andacht erstmals vorgestellt. Der Buchhalter wurde 1943 und 44 wegen angeblicher Homosexualität verhaftet und starb am 8. Februar 1945 im Zentrallazarett des Gefängnisses Holstenglacis an Harnvergiftung. Der Stolperstein für ihn liegt vor dem Jakob-Junker-Haus in der Borsteler Chaussee 23. (ch)
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